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18.05.2017

Smarte App als Pflanzen-Doktor

Simone
Strey


Beruf:

Geobotanikerin und Bodenkundlerin

Position:

Geschäftsführerin der PEAT GmbH in Hannover

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Quelle: 
Privat
Mit „Plantix“ hat Simone Strey eine preisgekrönte App entwickelt, die Pflanzenkrankheiten anhand von Bildern erkennt und Tipps für Gegenmaßnahmen gibt.

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge sind weltweit für Landwirt und Hobbygärtner gleichfalls eine Plage. Mit der App "Plantix" bietet Simone Strey vom Hannoveraner Start-up PEAT erstmals Hilfe zur Selbsthilfe. Die Software identifiziert nicht nur Schädlingsbefall und Nährstoffmangel der Pflanze, sondern gibt anhand eines Fotos gleichzeitig Hinweise, wie gegen Krankheit oder Parasit vorzugehen ist. Für die Entwicklung wurde das Team um die Geobotanikerin auf der diesjährigen Digitalmesse CeBit mit dem "Innovation Award 2017" ausgezeichnet.

Frage 

Wie entstand die Idee, diese App zu entwickeln?

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Antwort 

Die Idee zu PEAT entstand Ende 2014. Durch unsere Studientätigkeit und ehrenamtliche Arbeit in verschiedenen NGOs hatten wir viel Kontakt zu Gärtnern, Kleinbauern und Landwirten überall auf der Welt. Daher war uns schon früh klar, dass die Sicherung von Ernten ein großes und wichtiges Thema ist. Wir bemerkten ebenfalls, dass die Menschen oftmals nicht wussten, was ihre Pflanzen haben und was sie dagegen tun können - und das selbst in der professionellen Landwirtschaft. Da wollten wir ansetzen. Da viele Pflanzenschäden ein klar zu erkennendes optisches Muster hinterlassen sowie durch die neuen Möglichkeiten in Bilderkennung und im Machine Learning, sind wir auf die Idee gekommen und haben uns daran gemacht, diese dann auch umzusetzen.

Frage 

Wie funktioniert die App? Reicht tatsächlich ein Foto aus?

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Antwort 

Die Bedienung von Plantix ist kinderleicht. Man öffnet die App, wählt die betroffene Pflanze aus und macht anschließend ein Foto des betroffenen Pflanzenteils. Dieses Foto wird dann an unsere Server gesendet und durch unserer Netzwerke analysiert. In der Regel dauert dieser Vorgang nur wenige Sekunden. Der Nutzer bekommt dann alle relevanten Hinweise, um seiner Pflanze helfen zu können. Er bekommt Informationen zu den Auslösern, den Symptomen und natürlich zu Behandlungsmethoden. Wir haben auch präventive Maßnahmen mit aufgenommen, die dabei helfen sollen, dass Schäden gar nicht erst entstehen.

Frage 

Es gibt unzählige Pflanzenschädlinge. Wie erkennt das Programm, welcher Schädling die Pflanze befallen hat? Kennt das Programm alle Krankheiten?  

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Antwort 

Mit Plantix kann schon jetzt auf über 120 unterschiedliche Schädigungen und Mangelerscheinungen getestet werden. Und es werden wöchentlich mehr. Sollten wir einmal nicht in der Lage sein, den Schaden automatisch zu identifizieren, erhalten unsere Nutzer die, in ihrer Region am wahrscheinlichsten auftretenden Schädigungen. Das Prinzip: Unsere Software erkennt hierbei die Muster, die ein Schaden hinterlässt. Vergleichbar mit einem Experten auf dem Feld. Wir haben nun ein System entwickelt, mit dem sich dieser Prozess automatisieren lässt. Sicherlich werden wir nicht alle möglichen Schädigungen erkennen können. Allerdings ist das auch nicht unser konkreter Anspruch. Wir wollen insbesondere die Schäden erkennen, die global betrachtet den größten Schaden anrichten. Natürlich nehmen wir auch regional auftretende Schäden mit auf, sofern sie eine signifikante Relevanz aufweisen und dementsprechend ein Problem vor Ort darstellen.

Frage 

Wie können Landwirtschaft und Umwelt von „Plantix“ profitieren?

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Antwort 

Global betrachtet gehen immer noch jedes Jahr bis zu 30% der globalen Ernteerträge an Pflanzenkrankheiten und Schädlingen verloren. Allein Mais, Reis, Soja, Weizen und Tomaten haben ein jähliches Volumen von gut 450 Mrd. US-Dollar. Wenn wir da Ausfälle verringern können, dann hat das schon seine Auswirkungen. Zukünftig soll unsere Software auch in Agrardrohnen und -robotern Anwendung finden. Damit soll es möglich werden, große Agrarflächen in Echtzeit zu überwachen. So bräuchten Pflanzenschutzmittel nur noch punktuell bei einem akuten Befall eingesetzt werden müssen. Die präventive und großflächige Ausbringung wäre damit obsolet. Das schont nicht nur den Geldbeutel der Landwirte, sondern auch ganz besonders die Umwelt. In Plantix bieten wir auch ökologische Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln. So wollen wir auch im privaten Bereich den Einsatz von Chemie im Garten reduzieren helfen.

Frage 

Welches Ziel verfolgt „PEAT“ mit der App?

Simone Strey, Geschäftsführerin von PEAT
Antwort 

Die Weltbevölkerung wächst rapide. PEAT will hier einen Beitrag leisten, diese auch zukünftig ernähren zu können. Wir sind uns dabei sicher, dass die nachhaltige Bekämpfung von Pflanzenschäden zu den mächtigsten Stellschrauben in dieser Mammutaufgabe des 21. Jahrhunderts gehört. Denn viele Landwirte kennen ihre traditionell angebauten Kulturen und deren Krankheiten, doch Klimawandel und veränderte Weltmärkte machen oft Innovationen notwendig. Mit Plantix wollen wir Menschen weltweit dabei unterstützen, die Ernten zu sichern, ganz gleich ob Gärtner, Kleinbauer oder Landwirt. Durch die fortschreitende Digitalisierung und die globale Ausbreitung von mobilem Internet haben wir die Möglchkeit, notwendiges Wissen zur Vermeidung und Behandlung von Pflanzenschäden auch in bisher nicht erreichbare Regionen dieses Planeten zu transportieren. Dabei legen wir sehr viel Wert darauf, die regionalen Gegebenheiten miteinzubeziehen.

Interview: Beatrix Boldt

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