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Der Vielfalt der Meere den Puls fühlen

Helmut
Hillebrand

Beruf:

Promovierter Biologe und Algenkundler

Position:

Professor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Leiter des Helmholtz-Instituts für Funktionelle Marine Biodiversität

Helmut Hillebrand leitet seit Januar das neue Helmholtz-Zentrum für Funktionelle Marine Biodiversität.
Quelle: 
Carl-von-Ossietzky University Oldenburg

Die biologische Vielfalt hat den Meeresbiologen Helmut Hillebrand seit jeher fasziniert. Als Leiter des neuen Helmholtz-Institutes für Funktionelle Marine Biodiversität will der Oldenburger Experte nun Werkzeuge entwickeln, um Veränderungen der biologischen Vielfalt im Meer besser vorhersagen zu können.

Die Erde besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Das Meer ist der Ursprung der biologischen Vielfalt und beherbergt die größte Bandbreite von Organismen, die dem Menschen als Nahrungs- und Rohstoffquelle dienen. Das Meer ist auch der wichtigste Verkehrsweg für die globale Wirtschaft. Küsten- und Binnengewässer sind zudem für viele ein Ort der Erholung. Doch das marine Ökosystem ist bedroht. Experten warnen seit Langem vor einem Rückgang der biologischen Vielfalt im Meer durch Klimawandel und direkte menschliche Eingriffe.

Biologische Vielfalt bewahren

„Es hat sich in den vergangenen Jahren das Bewusstsein herausgebildet, dass wir diese biologische Vielfalt bewahren müssen, weil sie für den Menschen Ökosystemdienstleistungen erbringt. Hier sind aber nicht nur naturwissenschaftliche Kenntnisse notwendig, sondern es müssen auch gesellschaftliche Prozesse beachtet werden wenn wir abwägen, wie marine Ökosysteme genutzt geschützt werden können“, sagt Helmut Hillebrand. Diesen schwierigen Spagat zu meistern, ist nur eine Aufgabe, die er sich als Leiter des neu gegründeten Helmholtz-Instituts für Funktionelle Marine Biodiversität in Oldenburg auf die Fahne geschrieben hat. Sein Ziel ist es, mit neuen Werkzeugen und Konzepten für ein besseres Verständnis der Einflüsse von Klimawandel und anderer menschlicher Einflüsse auf die Marine Biodiversität zu sorgen und damit Wege zum Schutz des bedrohten Ökosystems zu finden.

Hillebrand, in Papenburg geboren und aufgewachsen, studierte von 1988 bis 1994 Biologie an der Universität Oldenburg. Sein Interesse galt ursprünglich der Genetik und Humanbiologie. „Aber schon während des Vordiploms habe ich gemerkt, dass mich ökologische Fragestellungen hinsichtlich der biologischen Vielfalt besonders ansprechen. Ich war von dieser Vielfalt fasziniert“, erinnert sich der Meeresbiologe. Der Wechsel zur Ökologie legte schließlich den Grundstein für seine berufliche Entwicklung.

Die äußeren Einflüsse im Blick

Während seiner Doktorarbeit 1996 bis 1999 an der Universität Kiel als auch beim anschließenden Postdoc bis 2002 an der Universität Uppsala beschäftigte sich Hillebrand mit der Frage, wie Biodiversität von äußeren Einflüssen geprägt wird. Nach einer kurzen Juniorprofessur in Kiel und einer vierjährigen Professur an der Universität Köln kehrte der Biodiversitätsexperte 2008 an seinen Studienort, an die Universität Oldenburg zurück, wo er bis heute als Professor lehrt und am Institut für Biologie und Chemie des Meeres (ICBM) forscht.

Veränderungen vorhersagen

Seit Januar 2017 steht der begeisterte Jazzliebhaber nun an der Spitze eines neu geschaffenen Instituts, das eines seiner vorrangigen Forschungsthemen in den Fokus stellt. Unter dem Dach der neuen Forschungseinrichtung werden nun Wissenschaftler der Universität Oldenburg und dem Alfred-Wegner-Institut ihre Expertise zur marinen Biodiversitätsforschung bündeln. Dabei ist sich Hillebrand der Schwierigkeiten durchaus bewusst. „Wir haben ganz viele Einzelbeispiele angehäuft und sehen manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr“. Das Problem: Im Vergleich zu ländlichen Ökosystemen sind grundsätzliche Aussagen zu den Veränderungen der Biodiversität der Meere schwieriger, da weniger Daten zur Verfügung stehen. Da die Ergebnisse zudem stark von Umweltbedingungen wie Temperatur und Salzgehalt abhängig sind, sollen am neuen Institut „generalisierte Konzepte“ entwickelt werden, die Vorhersagen für verschiedene Meeressysteme erlauben. „Wir wollen Mechanismen suchen, mit denen wir Veränderungen in der Zukunft vorhersagen können und Konzepte liefern, mit denen man Rahmenwerke für den Naturschutz erarbeiten und diese auf verschiedene Ökosystemtypen anwenden kann“, erklärt Hillebrand.

Grundlagenforschung neu aufstellen

Vor allem in der Grundlagenforschung für den marinen Naturschutz sieht Hillebrand daher eine große Lücke, die das neue Institut schließen will. „Wir können im Meer nicht mit Konzepten arbeiten, die aus der landgestützten Naturschutzforschung kommen. Auch hier bedarf es neuer Ansätze, um den Gefährdungsgrad der Arten einzuschätzen“.

Kultur der gemeinsamen Wissenschaft etablieren

Hillebrand ist davon überzeugt: die Komplexität der marinen Biodiversität  kann nur interdisziplinär bearbeitet werden. Deswegen werden an dem neuen Institut nicht nur Naturwissenschaftler arbeiten, sondern auch Forscher in den Sozialwissenschaften. Auf die Frage wer seinen Werdegang maßgeblich beeinflusste, nennt Hillebrand seinen Doktorvater, den Kieler Meeresbiologen Ulrich Sommer, und seinen schwedischen Postdoc-Betreuer, den Biogeochemiker Lars Tranvik, der ihm zum Blick über den Tellerrand motivierte. „Besonders stark hat mich die Mitarbeit in den Synthesegruppen geprägt. Hier kommen Leute aus verschiedenen Bereichen zusammen und betrachten das vorhandene Wissen aus anderen Blickwinkeln“. Seit 13 Jahren beteiligt sich der Oldenburger Forscher an diesem interdisziplinären Wissensaustausch. Die „Kultur der gemeinsamen Wissenschaft“ will Hillebrand auch am neuen Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität etablieren. „Ich freue mich auf die Arbeit. Und ich bin zuversichtlich, diesen Gedanken, gemeinsam mehr erreichen zu können, auch umsetzen zu können.“

Autorin: Beatrix Boldt  

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