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13.01.2017

Schonend Keime von der Haut entfernen

Das Biotech-Unternehmen Organobalance hat in seinem Archiv Milchsäurebakterien mit dem Talent zum schonenden Desinfizieren von Händen und Oberflächen aufgespürt. Die Mikroben werden für den Einsatz in Pflege- und Reinigungsmitteln weiterentwickelt.

Organobalance Mikroorganismen-Stammbank
In der Stammsammlung der Organobalance lagern Tausende von Bakterien- und Hefestämmen.
Quelle: 
Organobalance GmbH

Regelmäßiges Händewaschen ist der beste Schutz vor grassierenden Krankheitserregern. Doch Experten warnen vor einer übertriebenen Sauberkeit. Der Grund: bei einer aggressiven Reinigung werden nicht nur die unerwünschten Keime weggeschrubbt, sondern auch die guten Bakterien, die für eine gesunde Hautflora sorgen. „Wenn man sie zerstört, schafft man Platz für pathogene Stämme, die sich auf der Haut einnisten und zu Entzündungen führen können“, sagt Detlef Goelling, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei der Berliner Organobalance GmbH.

Großer Fundus an Milchsäurebakterien

Das Biotechnologie-Unternehmen, das seit 2016 zum dänischen Konzern Novozymes gehört, entwickelt Strategien, um der Keimbelastung der Haut auf schonende Weise zu begegnen. Dafür nutzen die Organobalance-Forscher ihr einzigartiges Mikroorganismen-Archiv. Die sogenannte Stammsammlung, besteht aus mehreren Tausend Milchsäurebakterien und Hefen. Aus diesem Fundus wurden bereits Lactobacillus-Stämme gefischt, die für die Hautpflege, gegen Karies oder zur Bekämpfung des Magenkeims Helicobacter pylori eingesetzt werden.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Cluster Biokatalyse 2021 hat das Team um Goelling nun hautfreundliche biologische Wirkstoffe zur Hände- und Oberflächendesinfektion entwickelt. Das dreijährige Projekt wurde vom BMBF mit rund 288.000 Euro unterstützt.

Ein Stamm gegen zwei Keime

Das Problem: Herkömmliche Desinfektionsmittel machen zwar den gefährlichen Keimen den Garaus, schädigen aber auch die Zellwände der gesunden Hautflora. Das Team um Goelling hat daher in der Stammsammlung nach Lactobacillus-Stämmen gesucht, welche die gesunde Hautflora erhalten und gleichzeitig die unerwünschten Keime von der Hautoberfläche entfernen. „Wir haben uns dabei auf die unerwünschten Coli-Bakterien und Salmonellen konzentriert, gegen die auch Standard-Desinfektionsmittel wirken“, so Goelling.

Tausende Stämme gescreent

Mithilfe des hauseigenen Screening-Programms „OASSYS“ wurde im Portfolio nach geeigneten Milchsäure-Bakterien gesucht. „Wir wollten einen Lactobacillus-Stamm finden, der gegen beide unerwünschten Keime, E. coli und Salmonellen, wirkt. Ansonsten wäre die Produktherstellung zu aufwendig.“ Unter mehr als Tausend durchgemusterten Stämmen kamen schließlich fünf Milchsäure-Bakterienstämme in die engere Auswahl. Diese wurden im nächsten Schritt charakterisiert und „mikrobiologisch auf Herz und Nieren getestet“, wie Goelling erzählt. „Wir wollten wissen, um welche Stämme es sich genau handelt, wie sie sich verhalten und wie sie wachsen.“

Im Ergebnis dieses Checks überzeugten zwei Lactobacillus-Stämme. Die Forscher versetzten eine herkömmliche Waschlotion mit den Mikroben und untersuchten ihre Effekte. „Hier haben wir uns letztlich angeschaut, ob wir damit die Anzahl der Bakterien auf der Hautoberfläche reduzieren können“, so der Biotechnologe. 

Bakterien ziehen Keime magnetisch an

Beim simulierten Händewaschvorgang zeigte sich: beide Milchsäure-Bakterienstämme führten zu einer deutlichen Reduzierung der Erreger an der Hautoberfläche. Das Prinzip: Die Milchsäure-Bakterien zogen wie ein Magnet die Coli-Bakterien und Salmonellen an und hinderten sie so daran, sich wieder an Oberflächen zu binden und auf der Haut anzusiedeln.

Die beiden Kandidaten stehen nun als Produktmuster bereit und können mithilfe eines neuen Herstellungsverfahrens auch im Industriemaßstab produziert werden. „Hiermit läßt sich eine Waschlotion entwickeln. Wir sehen aber jetzt schon, dass auch andere Anwendungen infrage kommen, beispielsweise im Lebensmittelbereich“, so Detlef Goelling.

Autorin: Beatrix Boldt

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