Sollten Hersteller Verantwortung für Essensabfälle übernehmen?

Sollten Hersteller Verantwortung für Essensabfälle übernehmen?

Ein neues Konzept will Hersteller und Händler in die Pflicht nehmen, um Lebensmittelabfälle zu verhindern. So könnten Bioabfälle besser gesammelt und in wertvolle Rohstoffe für die Bioökonomie verwandelt werden.

Korb mit Lebensmitteln.
Können Lebensmittelproduzenten stärker verpflichtet werden, Abfälle zu reduzieren? Zwei europäische Initiativen fordern genau das vor.

Europa könnte Lebensmittelabfälle deutlich senken

Ein großer Teil des in Europa produzierten Essens landet im Müll. Und das hat nicht nur moralische, sondern auch massive ökologische und ökonomische Folgen. Pro Jahr werfen EU-Bürgerinnen und -Bürger im Schnitt rund 130 Kilogramm Lebensmittel weg, die zu 8–10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen beitragen. Trotz der EU-Vorgaben, bis 2030 Lebensmittelabfälle deutlich zu reduzieren, landen noch immer drei Viertel der Küchenabfälle in der Verbrennung oder auf der Deponie.

Jetzt schlagen die Initiativen Bio-based Industries Consortium (BIC) und Zero Waste Europe (ZWE) einen neuen Ansatz vor: eine erweiterte Produzentenverantwortung für Lebensmittel. Das Konzept sieht vor, dass nicht länger nur Städte und Steuerzahler für die Sammlung und Verwertung von Bioabfällen aufkommen, sondern auch die, die Lebensmittel verkaufen, also Großhändler, Importeure und Einzelhändler für ihre Eigenmarkenprodukte.

Abfall vermeiden und verwenden

Das Konzept zielt darauf ab, Lebensmittelabfälle bereits „upstream“ zu vermeiden: Produzenten könnten Verpackungen, Portionsgrößen, Mindesthaltbarkeitsdaten und Kampagnen so gestalten, dass weniger Produkte ungenutzt im Müll landen. Mit den so gesparten Ressourcen könnten Städte die separate Sammlung von Bioabfällen besser finanzieren und Bioabfälle in wertvolle Rohstoffe für die Bioökonomie verwandeln.

Joan Marc Simon von Zero Waste Europe betont: „Mit klaren EU-Zielen für Lebensmittelabfälle brauchen wir auch ökonomische Instrumente. Die erweiterte Produzentenverantwortung für Lebensmittel kann die Finanzierung sichern, die notwendig ist, um Abfälle zu reduzieren und die getrennte Sammlung von Bioabfällen zu erhöhen.“ Dirk Carrez, Geschäftsführer von BIC, ergänzt: „Bioabfälle sind ungenutztes Potenzial. Sie können zu Rohstoffen für Biowerkstoffe werden und Kreisläufe in der europäischen Bioökonomie schließen.“ So könnte ein System entstehen, in dem Lebensmittelhersteller und Händler Verantwortung für ihre Produkte übernehmen, während die Bioökonomie gestärkt wird.

hb