Urin spenden für nachhaltigen Beton
Auf der Tourismusmesse CMT 2026 können Freiwillige ihren Urin aus Campingtoiletten spenden. Ein Team der Universität Stuttgart verwendet ihn, um Biobeton herzustellen und die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen voranzubringen.
Nachhaltiger Baustoff aus ungewöhnlicher Quelle
Forscherende der Universität Stuttgart arbeiten an einem neuartigen, umweltfreundlichen Baustoff: Biobeton. Anders als herkömmlicher Beton entsteht er nicht aus Zement, sondern durch Biomineralisierung. Das ist ein Verfahren, bei dem Mikroorganismen Mineralien aus Abfallstoffen erzeugen. Die Besonderheit: Als Hauptrohstoff dient menschlicher Urin. Die bisher hergestellten Proben erreichten Druckfestigkeiten von über 60 MPa, das sei für biologisch hergestellten Beton außergewöhnlich hoch, erklärt Professor Lucio Blandini vom Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren. Biobeton soll dabei nicht den klassischen Beton vollständig ersetzen, sondern gezielt für bestimmte Bauaufgaben eine nachhaltige Alternative darstellen.
Urin-Sammelaktion auf Tourismusmesse
Damit größere Bauteile getestet werden können, macht die Universität Stuttgart aktuell erstmals eine Urin-Sammelaktion auf der Tourismusmesse CMT in Stuttgart vom 17.–25. Januar 2026. Wer möchte, kann den eigenen Urin aus der Camping-Trenntoilette direkt für die Forschung abgeben. Die Sammelbehälter stellen die Unternehmen Arwinger und Kompotoi bereit, die auch den Transport organisieren. Aus dem Urin wird in Kombination mit Sand, Calcium und Bakterien Kalkstein-ähnliches Material erzeugt, das sich zu Biobeton verfestigt.
Das Projekt SimBioZe bündelt die Kompetenzen von drei Stuttgarter Instituten sowie des Zentrums Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim. Neben der Materialforschung wird untersucht, wie Urin aus Abwasserströmen als Rohstoff in zirkulären Wertschöpfungsketten genutzt werden kann. Sekundäre Wertstoffe, etwa für Düngemittel, sollen dabei ebenfalls zurückgewonnen werden. Die Aktion des Projekts zeigt anschaulich, wie scheinbar alltägliche Stoffströme neue Möglichkeiten für eine klimafreundliche Bioökonomie eröffnen können und dass aus menschlichem Urin tatsächlich ein stabiler Baustoff entstehen kann.
hb