Welcher Agrarreststoff lässt Fliegenlarven am besten wachsen?

Welcher Agrarreststoff lässt Fliegenlarven am besten wachsen?

Insektenlarven liefern wertvolles Protein, doch hohe Futterkosten bremsen ihre Produktion. Forschende testeten verschiedene Agrar-Nebenströme und identifizierten einen klaren Favoriten für schnelles Wachstum.

Schwarze Soldatenfliege frisst Abfall.
Eine neue Stude zeigt, dass Fliegenlarven auf bestimmten Reststoffen besonders gut gedeihen und so Kosten reduziert werden können.

Was passiert mit Apfeltrester, Kartoffelpülpe oder Rapskuchen, nachdem Öl gepresst oder Saft hergestellt wurde? Ein Großteil dieser landwirtschaftlichen Nebenströme ist nährstoffreich, wird aber bislang nur begrenzt genutzt. Forschende zeigen nun, dass genau diese Reststoffe eine Schlüsselrolle für eine nachhaltigere Proteinproduktion spielen könnten: mithilfe der Larven der Schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens).

In einer aktuellen Studie untersuchte ein Forschungsteam des vom Bundesforschungsministerium (BMFTR) geförderten Projekts SymBioÖkonomie, ob verschiedene regional verfügbare Nebenströme als Futter für die Larven geeignet sind. Tatsächlich konnten die Larven grundsätzlich auf allen getesteten Substrate gedeihen. Damit belegt die Studie, dass kostengünstige, lokal verfügbare Nebenprodukte aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie erfolgreich in der Insektenzucht eingesetzt werden können. Das ist besonders relevant, da die Futterkosten bislang einen der größten wirtschaftlichen Bremsklötze der Insektenproduktion darstellen. 

Fliegenlarven gedeihen besonders gut auf Rapskuchen

Besonders auffällig war ein Nebenstrom: Rapskuchen, der bei der Ölgewinnung aus Raps anfällt. Im Vergleich zu anderen getesteten Substraten zeigte er eine deutlich bessere Larvenentwicklung. Die Tiere wuchsen schneller, erreichten höhere Gewichte und benötigten weniger Zeit bis zur Entwicklung. Die Werte reichten nahe an jene der Kontrollfütterung mit Hühnerfutter heran. Verantwortlich dafür ist vermutlich der hohe Proteingehalt des Rapskuchens, der ein effizientes Wachstum begünstigt.

Die Forschenden betonen, dass das Futter nicht nur das Wachstum beeinflusst, sondern auch das Darmmikrobiom der Larven formt. Diese Mikroorganismen helfen offenbar dabei, komplexe Nahrungsbestandteile abzubauen und Nährstoffe besser verfügbar zu machen. Dies ist ein entscheidender Faktor, wenn nährstoffärmere oder faserreiche Reststoffe eingesetzt werden, und beeinflusst auch die Bildung des Treibhausgases Methan im Darm.  

Die Ergebnisse liefern einen wichtigen Baustein für eine nachhaltigere Lebensmittel- und Futtermittelproduktion. Insektenlarven können landwirtschaftliche Nebenströme in hochwertiges Protein und Fett umwandeln, ohne zusätzliche Ackerflächen zu beanspruchen oder mit der menschlichen Ernährung zu konkurrieren. Besonders in Regionen mit starker Öl- und Lebensmittelverarbeitung könnten solche Kreislaufsysteme Umweltbelastungen senken und neue Wertschöpfung schaffen.

hb