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12.02.2019

Wo die besten Erdbeeren wachsen

Erdbeeren gedeihen an Hecken am besten, weil der Standort Bestäuberinsekten anzieht. Der Marktwert der Früchte steigt so um bis zu 50%, wie Göttinger Forscher herausfanden. 

Erdbeerpflanzen neben einer freistehenden Hecke sind ertragreicher als ohne Hecke, aber noch nicht das Optimum.
Erdbeerpflanzen neben einer freistehenden Hecke sind ertragreicher als ohne Hecke, aber noch nicht das Optimum.
Quelle: 
Denise Castle

Viele Nahrungspflanzen wie Erdbeeren sind zur Bestäubung auf Bienen und andere Insekten angewiesen. Setzen die Bauern dabei auf natürlich vorkommende Populationen, spielt der Standort des Anbaus eine große Rolle, wie Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen im Fachjournal „Agriculture, Ecosystems & Environment“ berichten.

Hecken verbinden Lebensräume

Die Forscher haben sich dabei speziell mit Hecken auseinandergesetzt. Hecken gelten als wichtiges Landschaftselement, um die Fragmentierung von Lebensräumen zu verhindern und Insekten und Vögeln Schutzräume und Nahrung zu bieten. Wie sich Hecken auf den Ertrag angrenzender landwirtschaftlicher Produkte auswirken, war bislang wenig erforscht. In der Studie untersuchten die Forscher anhand von Erdbeeren, inwiefern die Lage des Feldes Einfluss auf die Bestäubungsleistung der Insekten hat. Dabei verglich das Team drei Szenarien des Erdbeeranbaus: inmitten einer Graslandschaft ohne Hecken, angrenzend an isolierte Hecken sowie Erdbeerfelder bei Hecken, die eine durchgängige Verbindung zu Waldflächen haben.

Standort beeinflusst Bestäubung

„Wir wollten nicht nur die positiven Effekte der Bestäuber, sondern auch mögliche negative Effekte durch schädliche Insekten untersuchen“, erläutert Denise Castle, Erstautorin der Studie. „Deshalb haben wir neben den blütenbesuchenden Fliegen und Bienen auch die in den Blüten fressenden Rapsglanzkäfer in die Studie aufgenommen.“ Das erwies sich als gute Entscheidung: Denn während die Käfer unabhängig vom Standort vergleichbare Schäden anrichteten, zeigte sich ein deutlicher Einfluss des Standorts auf die Bestäubung.

Bessere Qualität und Quantität durch verbundene Hecken

Gegenüber Erdbeerpflanzen an verbundenen Heckensystemen fiel der quantitative Ertrag bei isolierten Hecken 29% und ohne Hecken 32% geringer aus. Noch deutlicher wurde der Einfluss des zusammenhängenden Heckensystems bei der Qualität der Früchte: Bei Anbauten an waldverbundenen Hecken waren 90% der Erdbeeren vermarktungsfähig, an isolierten Hecken nur noch 75% und ohne Hecken lediglich 48%. Selbstbestäubte Kontrollpflanzen erreichten nur eine Quote von 41%.

Agrarökologe Ingo Grass bringt die wirtschaftliche Bedeutung der Hecken als Lebensräume von Agrarlandschaften auf den Punkt: „Der Marktwert der Erdbeeren war mit 14,95 Euro pro 1.000 Früchte an den mit Waldrändern verbundenen Hecken am höchsten und nahm mit zunehmender Isolation deutlich ab. 1.000 Früchte, die in den Grasstreifen geerntet wurden, erzielten nur noch einen Marktwert von 9,27 Euro.“

bl

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