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21.11.2018

Preis für Testverfahren ohne Tiere

Zwei deutsche Nachwuchsforscher sind Mitte November in Berlin für die Entwicklung neuer tierversuchsfreier Testverfahren mit dem europäischen „Lush-Preis" gekürt worden. 

Preisträger des Lush-Preises 2018 in der Kategorie Nachwuchsforscher: Alexandra Damerau (Charitè) und Daniel Urbisch (BASF SE)
Quelle: 
LUSH

An Tieren getestete Kosmetika sind seit März 2013 innerhalb der EU verboten. In der medizinischen Forschung sind Tierversuche allerdings noch weit verbreitet, weil es an aussagekräftigen alternativen Verfahren fehlt. Um die Erforschung und Vermittlung tierversuchsfreier Testmethoden voranzutreiben, haben die britische Kosmetikfirma Lush und die Verbraucherorganisation Ethical Consumer 2012 den mit 280.000 Euro dotierten Lush-Prize ins Leben gerufen. Bei einem Festakt am 16. November wurden nun zum sechsten Mal die Preisträger gekürt. Erstmals fand die Preisverleihung nicht in London, sondern in Berlin satt.

Preis für zwei deutsche Nachwuchsforscher

56 Nominierte aus 17 Ländern konkurrierten mit ihren In-vitro-Verfahren um den diesjährigen Lush-Preis in den Kategorien Wissenschaft, Ausbildung, Lobbyarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchsforschung. Zu den insgesamt 13 Preisträgern gehören auch zwei junge Nachwuchsforscher aus Deutschland: Die Biotechnologin Alexandra Damerau von der Charitè-Universitätsmedizin in Berlin und der  Toxikologe Daniel Urbisch vom Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Sie wurden zusammen mit drei weiteren Gewinnern für ihr Engagement in der Kategorie Nachwuchsforscher geehrt. Verbunden mit der Trophäe ist ein Preisgeld von jeweils 11.000 Euro. In den vier anderen Sparten wurden jeweils zwei Sieger prämiert.

Kompaktes In-vitro-Gelenkmodell in 3D

Alexandra Damerou ist Doktorandin an der Berliner Charitè. Ihre persönliche Motivation: Tierversuche ersetzen. In der Abteilung Rheumatologie und klinische Immunologie forscht die 31-Jährige derzeit gemeinsam mit ihrem Team an einem validen In-vitro-3D-Gelenkmodell, um therapeutische Strategien für Arthritis austesten und entwickeln zu können. Die Komplexität des Gelenkmodells ist dabei zugleich Herausforderung und Alleinstellungsmerkmal. Denn bisher fehlt es an einem solch komplexen Modell, mit dessen Hilfe Therapien und Mechanismen der chronischen Gelenkentzündung nachvollzogen werden können. „Wir wollen daher ein komplexes Gelenkmodell auf Basis humaner Vorläuferzellen entwickeln. Dafür müssen alle Komponenten, die in einem Gelenk vorhanden sind, nachgebaut werden – vom Knochen über den Knorpel bis hin zur Bindegewebshülle. 3D Modelle sind komplexere Modelle und damit näher am Original, da man verschiedene Funktionen besser abbilden kann“, erklärt Damerau im Gespräch mit biooekonomie.de. Bis das alternative Testverfahren in der Grundlagenforschung und zum Test therapeutischer Strategien genutzt werden kann, ist es noch ein weiter Weg. „Der Preis zeigt mir, dass es der richtige Weg ist und dass unser Projekt geschätzt wird“, sagt Damerau. Die Arbeit der Nachwuchsforscherin am In-vitro-Gelenkmodell im Projekt „3DInJoMo – 3D Inflamed Joint Model“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Allergische Substanzen gefunden

Die preisgekrönte In-vitro-Methode von Daniel Urbisch ist hingegen bereits in Europa und den USA regulatorisch akzeptiert. Im Rahmen seiner Doktorarbeit bei der BASF in Ludwigshafen hat der 34-Jährige die Grundlage für die Alternativmethode gelegt. Sein Schwerpunkt: Hautsensibilisierer bestimmen. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er eine Teststrategie, bestehend aus drei Alternativmethoden – einem peptidbasierten und zwei zellbasierten Tests. Diese wurden kombiniert, um Stoffe zu detektieren, die allergische Reaktionen der Haut auslösen können. „Unsere Prädiktionsmodell beantwortet die Frage 'Hautsensibilisierer ja oder nein' und besteht aus alternativen Testmethoden.  Hier haben wir jeweils die Methoden mit der höchsten Vorhersagekraft herausgefiltert und so ein Alternativverfahren etabliert, das zuverlässiger als der Tierversuch ist“, erläutert der Chemiker und Toxikologe im Gespräch mit biooekonomie.de.

Bestätigung für den Richtungswechsel

90% der sogenannten Humansensibilisierer und Nichtsensibilisierer konnten Urbisch zufolge mit der tierversuchsfreien Strategie vorhergesagt werden. Im Tierversuch lag die Quote bei 82%. „Unser Verfahren heißt '2 out of 3' und bedeutet, wenn zwei der drei Tests positiv sind, ist die Substanz ein Sensibilisierer“. Mithilfe des Preisgeldes wird Urbisch seine Forschungsarbeit nun fortsetzen. Dabei will sich der Chemiker auf die Wirkstärke der Hautsensibilisierer konzentrieren und weitere chemische Substanzen in peptidbasierten Tests untersuchen, um deren Potenzial vorhersagen zu können. „Der Preis ist für mich eine Bestätigung, dass ich den Richtungswechsel zur Toxikologie damals gemacht habe“, sagt der Forscher.

bb

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