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15.05.2018

Ostsee als Modellregion für Weltmeere

Forscher aus sieben Ländern plädieren dafür, die Ostsee als Modellregion für die Entwicklung weltweiter Küstengebiete zu nutzen, um globale Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen.

Der Ostseeraum könnte als Modellregion helfen, die Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen. (Darßer Weststrand in Vorpommern)
Der Ostseeraum könnte als Modellregion helfen, die Nachhaltigkeitsziele der UN zu erreichen. (Darßer Weststrand in Vorpommern)
Quelle: 
Pixabay

Die Übersäuerung der Ostsee ist nur ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel die Weltmeere beeinflusst. Deren Schutz und nachhaltige Nutzung wurde daher auch von den Vereinten Nationen in der Nachhaltigkeitsagenda verankert. Im Vergleich zu anderen Weltmeeren sind die Klimafolgen in der Ostsee allerdings ausgeprägter und schneller sichtbar, wie Forscher feststellten.

Ostsee als Zeitmaschine

„Dieses einzigartige Brackwassermeer kann als eine Art Zeitmaschine dienen, die uns zukünftige globale Entwicklungen besser abschätzen lässt“, sagt Thorsten Reusch vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Gemeinsam mit 25 Forschern aus sieben Ländern plädiert Reusch in der Fachzeitschrift  „Science Advances“ dafür, die Ostsee als Modellregion für Entwicklungen im Weltozean zu nutzen. Denn die Ostsee sei in der Entwicklung vielen Regionen voraus. „Das heißt, dass Veränderungen, die im Weltozean erst für die Zukunft erwartet werden, bereits eingetroffen sind. Die besondere Situation der Ostsee, mit ihrem geringen Wasservolumen und langsamen Wasseraustausch mit dem offenen Ozean, wirkt hier wie ein Verstärker, der viele Prozesse schneller ablaufen lässt“, betont der Mitinitiator der Studie, Jan Dierking vom GEOMAR.

So sind die Wassertemperaturen in der Ostsee in den vergangenen 30 Jahren um etwa 1,5 Grad Celsius gestiegen, während sich das Wasser anderer Weltmeere nur um 0,5 Grad Celsius erwärmte. Auch haben sich sauerstofffreie Zonen in den Tiefen der Ostsee im vergangenen Jahrhundert flächenmäßig verzehnfacht. Der pH-Wert des Wassers erreicht auf Grund der Übersäuerung zudem bereits heute Werte, die in tieferen Ozeanen erst im nächsten Jahrhundert erwartet werden. Gründe für diese Extremwerte sind die intensive Nutzung und dichte Besiedlung der Küstenregionen durch die hoch industrialisierten Anrainerstaaten sowie Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und der Fischerei.

Beispiel für gelungendes Managment

Doch gerade, weil die Ostsee menschlichen Einflüssen so stark ausgesetzt ist, sei sie ein Beispiel für „ein gelungenes Management in einem komplexen politischen Umfeld“, schreiben die Forscher. Internationale Abkommen der neun Anrainerstaaten haben beispielsweise dazu geführt, dass die Nährstoffeinträge ab den 1980er Jahren deutlich reduziert sowie Fisch- und Vogelbestände geschützt werden konnten.

Auf Grund ihrer besonderen Topografie gehört die Ostsee zudem zu den am besten erforschten Meeren der Erde, argumentieren die Forscher. Bereits 1900 wurden die ersten wissenschaftlichen Beobachtungen durchgeführt. Die Forscher sind überzeugt, dass die vorhandenen Daten die Grundlage für ein fundiertes Ressourcenmanagement bilden, auf die nur wenige Regionen der Erde zurückgreifen können. „Weil die Prozesse in der Ostsee besonders drastisch ablaufen, kann uns die Region im Guten wie im Schlechten Hinweise geben, wie wir auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren sollten“, betont Reusch.

bb

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