Premiere für Theaterdeko aus Pilzmycel

Premiere für Theaterdeko aus Pilzmycel

An der TU Dresden wird gegenwärtig an einer nachhaltigen Theaterdekoration aus einem Verbundwerkstoff mit Pilzmycel gearbeitet. Die Premiere ist Anfang Dezember in München.

Modellform der Theaterdekoration aus dem mycelbasierten Verbundstoff
Modellform der Theaterdekoration aus dem mycelbasierten Verbundstoff

Es soll eine Premiere in zweierlei Hinsicht werden: das Theaterstück „Der Entrepreneur“ von Kevin Rittberger am Residenztheater in München. Wenn sich am 9. Dezember 2022 am Bayrischen Staatstheater der Vorhang hebt, steht neben den Darstellern erstmals auch eine Theaterdekoration im Rampenlicht, die es so auf der Bühne noch nicht zu sehen gab. Präsentiert wird ein acht Meter hoher Baumstamm, der aus einem nachhaltigen Material besteht. Für den Bau dieser Kulisse wurde erstmals ein Verbundwerkstoff aus Holzspänen und Pilzmycel genutzt.

Bühnendekoration aus nachwachsenden Rohstoffen

Der Baumstamm aus nachwachsenden Rohstoffen wird gegenwärtig unter Hochdruck von Forschenden der TU Dresden gemeinsam mit der biotopa gGmbH gefertigt. Den neuartigen Verbundwerkstoff aus Pilzmycel für eine Theaterinszenierung zu nutzen, ist ein Experiment, da sich das Material noch in der Entwicklung befindet. Ein Bauteil aus Pilzmycel in dieser Größe und unter dem Zeitdruck der Premiere innerhalb von vier Monaten wachsen zu lassen, war den Forschenden zufolge für alle Beteiligten eine „risikobehaftete“ Herausforderung. Das neuartige Material musste dafür zunächst in die Form gefüllt, mit Pilzmycel bewachsen und anschließend getrocknet werden, damit es am Ende auch die entsprechende Festigkeit aufweist.

Leicht und biologich abbaubar

Im Vergleich zu herkömmlichen Bühnenbildern, die oft aus wenig recycelbaren Materialien wie Holzbauplatten oder Kunststoffen wie Styropor bestehen und nicht selten als Sondermüll entsorgt werden, kann dieses zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen bestehende Material nach dem Absetzen des Theaterstücks wieder vollständig in den Stoffkreislauf der Natur zurückgeführt werden.

Der Einsatz des pilzbasierten Baustoffs wird auch dem Inhalt des Stücks gerecht. Im Mittelpunkt steht ein Unternehmer, der seine gesamte Firmenphilosophie umstellt und seinen Fokus plötzlich auf Bäume statt auf Profit ausrichtet. Das Entwicklerteam ist überzeugt, dass dieses leichte, formbare und nicht brennbare Material aus Pilzmycel im Bereich der Theaterdekoration weitere Einsatzmöglichkeiten finden wird.

Ausstellung im Theater zeigt Materialentwicklung

Der Baumstamm für die Münchner Theaterinszenierung wurde von den Projektpartnern selbst finanziert. Aufgrund der Erfahrungen will das Team nun Forschungsmittel für die Zusammenarbeit mit anderen Theatern beantragen. Über die Materialentwicklung wird mit Beginn der Inszenierung am 9. Dezember auch eine Ausstellung im Foyer des Residenztheaters informieren.

bb