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29.04.2019

Neue Konzepte für den Klärschlamm

Die Möglichkeiten einer nachhaltigen Klärschlammentsorgung inklusive Phosphorrückgewinnung stehen im Fokus eines neuen Projektes an der Hochschule Biberach.

Das neue Verfahren könnte künftig auch in Kläranlagen zur Wasserreinigung verwendet werden.
Kläranlagen erzeugen jährlich 1,8 Millionen Tonnen Klärschlamm.
Quelle: 
jarmoluk/Pixabay; CC0

Wie kann die Entsorgung von Klärschlämmen zu vertretbaren Kosten langfristig sichergestellt werden, und wie können die gesetzlichen Anforderungen zur Phosphorrückgewinnung eingehalten werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt „P-RückSÜD“ der Hochschule Biberach. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Viele Jahre wurden Klärschlämme wegen ihres Phosphorgehalts als Düngemittel in der Landwirtschaft ausgebracht. Das ist problematisch, da im Klärschlamm beispielsweise Schwermetalle oder Arzneimittelrückstände enthalten sein können. Seit der Gesetzgeber die Grenzwerte verschärft hat, werden Klärschlämme daher zunehmend thermisch verwertet.

Technisch anspruchsvolle Aufgabe

Allerdings verlangt der Gesetzgeber seit 2017 eine Phosphatrückgewinnung, um sich von Phosphorimporten unabhängig zu machen und um Stoffkreisläufe zu schließen. „Technisch eine anspruchsvolle Aufgabe, für die es bislang noch keine gesicherten Verfahren mit mehrjähriger großtechnischer Erfahrung gibt“, erläutert Bauingenieurin Ulrike Zettl von der Hochschule Biberach. Bereits jetzt zeichne sich ab, dass nur wenige Kläranlagenbetreiber durch eine Phosphorabreicherung den ab 2029 geltenden gesetzlichen Anforderungen nachkommen können, warnt die Professorin für Siedlungswasserwirtschaft.

Thermische Verwertung und Phosphorrückgewinnung

Das Projektteam geht davon aus, dass die Klärschlammentsorgung darauf hinauslaufen wird, die Schlämme thermisch zu verwerten und anschließend aus der Asche den Phosphor zurückzugewinnen. Hierfür seien jedoch neue Behandlungs- und Phosphorrückgewinnungsanlagen nötig, da es schon heute kaum Möglichkeiten der thermischen Verwertung gebe. „Riesige Zwischenlager werden gebaut und die Entsorgungskosten explodieren“, schildert Zettl. „Bei neuen Ausschreibungen zur Klärschlammentsorgung darf man sich glücklich schätzen, überhaupt ein Angebot zu erhalten – wenn auch zu deutlich höheren Preisen als bisher.“

Neue Anlagen durch kommunale Betriebe?

Im Austausch mit Kläranlagenbetreibern und Behörden wollen die Forscher daher mögliche Szenarien entwickeln, wie die zukünftige Klärschlammentsorgung einschließlich der Phosphorrückgewinnung gestaltet werden kann. Ins Visier nehmen sie dazu die Regionen Donau-Iller, Allgäu, Hochrhein-Bodensee und Bodensee-Oberschwaben. Neben den technischen Fragen soll es dabei auch um genehmigungsrechtliche Aspekte und Wege der interkommunalen Zusammenarbeit gehen. Eine Möglichkeit wäre, dass neue thermische Behandlungs- und Phosphorrückgewinnungsanlagen durch kommunale Betriebe gebaut und betrieben werden oder die Dienstleistung ausgeschrieben und an Drittfirmen vergeben wird.

bl

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