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08.10.2020

Mit Genschere zum Chemie-Nobelpreis

Die Entdeckerinnen der Genschere CRISPR-Cas bekommen den Chemie-Nobelpreis 2020. Das Werkzeug für Erbgut-Veränderungen hat die Biomedizin und die Züchtungsforschung revolutioniert.

Nobelpreisträgerin Emmanuelle Charpentier leitet seit 2017 die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin.
Quelle: 
Hallbauer & Fioretti/ MPIIB-Berlin

Die Entdeckung des revolutionären Werkzeugs der Molekularbiologie - der Genschere CRISPR-Cas9 - wurde mit dem Nobelpreis für Chemie 2020 ausgezeichnet. Für die Entdeckerinnen ist es die Krönung einer Serie hochkarätiger Wissenschaftspreise: die in Berlin forschende Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die US-Molekularbiolgin Jennifer Doudna sind längst zu Stars der Wissenschaft avanciert.

Emmanuelle Charpentier hat mit dem CRISPR-Cas-System einen einzigartigen Mechanismus entdeckt und damit die Grundlagen für ein revolutionäres Werkzeug der molekularbiologischen Forschung geschaffen. Schon früh hielten Experten das Werkzeug für einen Meilenstein der Biotechnologie (zum Erklärvideo EXPRESS: hier klicken). Auf der ganzen Welt wird mittlerweile daran gearbeitet, wie sich die Genschere sinnvoll nutzen lässt – in der Medizin, aber auch in der Züchtung neuer Pflanzen. 

Charpentier hatte CRISPR-Cas als Teil des Virenabwehrsystems der Bakterien entdeckt. Die Mikroben wehren Attacken ihrer Feinde ab, indem sie deren Erbgut zerschneiden. Nach Stationen in den USA und Österreich wechselte sie 2009 an die Universität in Umeå. 2012 veröffentlichte die Wissenschaftlerin eine komplette Anleitung für den Schneidemechanismus im Fachmagazin Science. Seitdem nutzen Wissenschaftler rund um den Globus das neue Genome-Editing-System.

Der Nobelpreis ist auch ein großer Erfolg für den Forschungsstandort Deutschland: Seit Anfang 2013 ist Charpentier in Deutschland und arbeitete hier zunächst als Humboldt-Professorin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Seit 2015 wirkt die Französin in Berlin: Zunächst als Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, wo sie die Abteilung für "Regulation in der Infektionsbiologie" leitete. Seit 2017 leitet sie nun die Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene

Reaktionen aus der Politik 

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gratulierte Frau Charpentier herzlich zum Nobelpreis für Chemie – und freute sich nach dem Physik-Nobelpreis für Reinhard Genzel vom Vortag über die Doppelehrung für Forschende in Deutschland. „Beide Entscheidungen des Stockholmer Preis-Komitees zeigen, dass der Wissenschaftsstandort Deutschland exzellent und wettbewerbsfähig ist.“ Die Bundesministerin wies auf das Anwendungspotenzial der Genschere CRISPR-Cas9 hin: „Hierdurch ergeben sich umfangreiche Anwendungsmöglichkeiten in vielen Bereichen der Molekulargenetik, zum Beispiel in der Pflanzenzüchtung oder auch in der Medizin. Mit dieser neuen Methode stehen in beiden Disziplinen völlig neue Wege offen. Nutzen und Risiken müssen mit und in der Gesellschaft sorgfältig diskutiert werden.“

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner betonte das Potenzial der neuen molekularen Werkzeuge: „Die Entscheidung des Nobelpreiskomitees bringt zum Ausdruck, wie fundamental die Entwicklung der Genschere ist, welche Bedeutung ihr zugeschrieben wird – gerade auch für die Landwirtschaft und die weltweite Ernährungssicherung.“ Klöckner sagte weiter: „Die klassische Pflanzenzucht hat schon immer das Erbgut von Nutzpflanzen angepasst. Mit der Genschere kann aber zielgenauer, schneller geforscht werden. Deshalb setze ich Hoffnungen in solche neuen Züchtungsmethoden.“ Diese seien natürlich kein Allheilmittel. „Doch wenn wir Pflanzen wollen und brauchen, die resistent sind gegen Wetterkapriolen und Klimawandel, die weniger Pflanzenschutzmittel benötigen, dann sollten wir verantwortungsvoll über eine differenzierte Zulassung solcher Verfahren für die Pflanzenzucht diskutieren.“

pg

 

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