Leinen los für Bioökonomie-Schiff

Leinen los für Bioökonomie-Schiff

Heute geht es los! Unter der Flagge der Bioökonomie startet das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft am Donnerstag in Münster seine Deutschlandtour durch 19 Städte.

Volle Kraft voraus für die Bioökonomie - heißt es in diesem Jahr für das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft.

Endlich ist es soweit: Die Mitmach-Ausstellung zur Bioökonomie an Bord der MS Wissenschaft öffnet am Donnerstag, den 30. Juli, in Münster ihre Tore für die Besucher. Vertreter des Bundesforschungsministeriums, von Wissenschaft im Dialog und der Stadt Münster geben am Vormittag den Startschuss für die erste große Deutschlandtour unter der Flagge des Wissenschaftsjahres zur Bioökonomie. Im Auftrag  des BMBF wird das umgebaute Frachtschiff am 2. August die Anker in Münster lichten und bis Oktober über Rhein, Main und Donau schippern. Ziel ist es, die vielseitigen Facetten der Bioökonomie über viele unterschiedliche Exponate einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Die schwimmende Ausstellung wurde von Wissenschaft im Dialog (WiD) organisiert. Sie soll erlebbar machen, was die Bioökonomie leisten kann.

Bioökonomie entdecken und ausprobieren

Zwischen Bug und Heck des Ausstellungsschiffes laden insgesamt 30 Exponate zum Ausprobieren, Entdecken und Staunen ein. Hochschulen, Forschungsinstitute und andere Einrichtungen geben hier Einblicke in das weite Feld der bioökonomischen Forschung und Entwicklung. Die Ausstellung greift auch ethische und politische Fragen auf, die mit dem Wandel hin zu einer biobasierten und nachhaltigen Wirtschaft einhergehen. Hinterfragt wird die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen ebenso wie die Chancen und Risiken neuer Pflanzenzüchtungsmethoden oder die Herausforderung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung. Die einzelnen Themen wurden von Forschenden so aufbereitet, dass sie für Kinder und Erwachsene gleichermaßen verständlich sind.

Mit Pilzen Biotenside herstellen

Zu bestaunen gibt es beispielsweise eine interaktive Waschmaschine, die vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart bereitgestellt wird. Hier wird gezeigt, wie biobasierte Tenside für Wasch- und Reinigungsmittel, Medikamente und Kosmetika effektiv und umweltschonend aus Pilzen hergestellt werden können. Tenside sind in zahlreichen Produkten enthalten. Sie sorgen dafür, dass beispielsweise Waschmittel schäumen oder Schmutz und Fette sich lösen. Häufig werden sie jedoch aus Erdöl hergestellt. An Bord der MS Wissenschaft ist zu sehen, wie der Brandpilz Ustilago maydis Biotenside produziert.

"Die Mikroorganismen brauchen dafür lediglich Zucker und Öl", erläutert Susanne Zibek, Wissenschaftlerin am Fraunhofer IGB. "Die mit ihrer Hilfe produzierten Biotenside sind besser abbaubar und weniger giftig für die Umwelt." Die ovalen Pilzzellen können von Besuchern unter einem Mikroskop inspiziert werden. Das Waschmittelfach haben die Forscher mit jenen Substraten gefüllt, aus denen der Pilz die Biotenside herstellt. Dazu gehören Holz und Stroh, die den Zucker liefern sowie Öl aus Rapssamen oder Sonnenblumenkernen, die Fettsäuren für die Biotenside beisteuern. Der Waschmaschinendeckel wiederum wird zur Leinwand für einen Film, der die Herstellung von Biotenside in Bioreaktoren verdeutlicht.

Zahlreiche Exponate laden an Bord zum Staunen und Mitmachen ein.

Wie Bioabfälle zu Alltagsprodukten werden

Zum Mitmachen lädt auch ein Erklärspiel ein, das sich Wissenschaftler von der Universität Hohenheim ausgedacht haben. „Neues aus Biomüll“ lautet der Titel des Exponats, das ein Team um Andrea Kruse für die Ausstellung konzipiert hat. Auf spielerische Weise wird erklärt, wie Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt werden können, ohne dem Nahrungsmittelanbau Konkurrenz zu machen. Gezeigt wird außerdem, was man heute schon alles aus Bioabfällen produzieren kann.

„Wir verwenden die nicht-essbaren Nebenprodukte der Lebensmittel. Und wenn die biobasierten Produkte am Ende ihres Lebens verbrannt werden, geben sie nur soviel Kohlenstoffdioxid ab, wie die Pflanzen vorher aufgenommen haben – sie sind also CO2-neutral“, erklärt Andrea Kruse. Ihr Konzept einer Bioraffinerie auf dem Bauernhof wird seit einigen Jahren bereits erfolgreich in einem Technikum auf dem Unteren Lindenhof praktiziert. Hier entstehen aus pflanzlichen Reststoffen wie Chicoree, Kaffeesatz oder Stroh wichtige Basischemikalien, die wiederum für die Herstellung von Nylonstrümpfen oder Plastikflaschen genutzt werden können.

Der Algenflipper zeigt, wie Algen Abwasser reinigen und Biomasse erzeugen

Zu den Hauptakteuren der Bioökonomie zählen neben Bakterien und Pilzen auch Algen. Den kleinen Alltagshelden widmen Wissenschaftler vom Forschungszentrum Jülich ein Exponat. Ein sogenannter Algenflipper zeigt, wie Abwasser mithilfe von Algen auf ökologische Weise gereinigt und gleichzeitig wertvolle Biomasse erzeugt werden kann. Die Wasserpflanzen benötigen lediglich Sonnenlicht und Kohlenstoffdioxid zum Wachsen. Dabei nehmen sie Nährstoffe wie Phosphat aus dem Abwasser auf. So ensteht nicht nur sauberes Wasser, sondern gleichzeitig Biomasse, die als Dünger oder in Biogasanlagen genutzt werden kann.

Mitmach-Ausstellung in 18 Städten zu erleben

Noch bis zum 2. August kann die Bioökonomie-Ausstellung im Hafen von Münster täglich von 10 bis 19 Uhr besucht werden. Danach nimmt die MS Wissenschaft Kurs in Richtung Hamm, wo sie am 3. August im Hafen vor Anker geht. In weiteren 17 Städten wird die MS Wissenschaft bis Oktober anlegen, darunter Bonn, Frankfurt am Main, Köln, Heidelberg und zuletzt in Straubing. Da der Tourenstart auf Grund der Corona-Pandemie verschoben werden musste, wird das Ausstellungsschiff erst 2021 im Norden und Osten Deutschlands vor Anker gehen.

bb