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07.04.2017

Für mehr Biodiversität auf den Weiden

Ein europäisches Forscherteam analysiert Graslandböden, um ein Handbuch mit ökologischen Empfehlungen für Politik und Landwirte in ganz Europa zu erstellen.

Von der Weide zum Acker: darunter leidet die Biodiversität.
Quelle: 
Universität Hohenheim / Untermann

Wiesen und Weiden von Schweden bis Portugal haben eines gemein: sie werden oft zu intensiv bewirtschaftet. Die Artenvielfalt leidet am meisten darunter. Wissenschaftler aus ganz Europa arbeiten jetzt in einem Großprojekt gegen diesen Trend. Unter der Leitung der Universität Hohenheim analysieren sie Graslandböden vom Norden Schwedens bis hin zu den portugiesischen Azoren. Die Ergebnisse sollen die Ökologieforschung voranbringen und Empfehlungen für Politik und Landwirte ermöglichen.

Grasländböden werden mittels Düngung zu Ackerflächen

Die Idylle sattgrüner Wiesen trügt oftmals. Frank Rasche, Agrarökologe an der Universität Hohenheim erklärt: „Je grüner eine Wiese, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie intensiv gedüngt wird. Das führt aber dazu, dass die Artenvielfalt auf und im Boden zurückgeht.“ Gerade die Artenvielfalt – oder Biodiversität – ist aber äußerst wichtig für ein gesundes Ökosystem. Dies gilt besonders für Graslandböden. Doch aus wirtschaftlichen Gründen werden immer mehr Weideflächen für den Ackerbau verwendet, was oftmals den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln mit sich bringt – mit unabsehbaren Folgen für die pflanzliche und mikrobielle Biodiversität.

Eine vielfältige Aussaat hilft dem Ökosystem

Hier setzt Rasche gemeinsam mit einem internationalen Konsortium an: „Es muss möglich sein, durch die Aussaat möglichst vielfältiger und standortangepasster Pflanzen zu erreichen, dass eine gesunde Wechselwirkung zwischen Pflanzen und Boden stattfindet. So ist der Nährstoffhaushalt ausbalanciert, der Boden ist gesund, Bodenleben und Artenvielfalt werden gefördert, und die Fläche kann weiterhin wirtschaftlich für Viehhaltung genutzt werden – und das am besten ganz ohne chemische Hilfsmittel.“

Bodenproben von Schweden bis zu den Azoren

Als ersten Schritt untersuchen die Forscher dazu was einen gesunden Boden überhaupt ausmacht. Also nehmen sie Bodenproben an Standorten in Schweden, Deutschland, der Schweiz, Portugal und auf den Azoren, die dann unter Berücksichtigung auf die unterschiedlichen Klima- und Bodenbedingungen auf diverse bodenökologische Aspekte hin untersucht werden. Jeder Vorgang wird genauestens dokumentiert und später zu einem Handbuch zusammengestellt. Daran sollen sich künftig Forschungseinrichtungen in ganz Europa orientieren können, um den Stand der Artenvielfalt von Pflanzen und Bodenmikroorganismen in Grasländern beobachten und einschätzen zu können.

Landwirte und die Politik beraten

Seit Februar 2017 läuft das dreijährige Projekt, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit knapp 500.000 Euro fördert. Weitere knapp 1,2 Millionen Euro stammen aus Töpfen von Mittelgebern der jeweiligen Partnerländer. Bei dem Projekt handelt es sich zwar um Grundlagenforschung, doch mit einem ausgesprochen praxisbezogenem Ziel: das neugewonnene Wissen soll künftig der Politik auf nationaler und europäischer Ebene als Entscheidungsgrundlage dienen. Zusätzlich soll das Projekt wirtschaftliche Anreize offenlegen, die Grasländer zu erhalten. Langfristig könnte von den Ergebnissen des Projektes auch die Bioökonomie profitieren, sagt Rasche: „So könnte man zum Beispiel aufgrund unserer Erkenntnisse Saatgutmischungen für Grasländer oder biologische Düngemittel entwickeln und vermarkten, die dem Erhalt nachhaltig bewirtschafteter Grasländer dienlich sind.“

jmr

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