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18.01.2017

Entengrütze als Lebensmittel

Entengrütze ist auch als Lebensmittel geeignet, berichten Forscher aus Jena. Der hohe Proteingehalt und die rasante Vermehrung machen die wurzellose Schwimmpflanze zur Soja-Konkurrenz.

Wasserlinsen haben großes Potenzial für die menschliche Ernährung.
Wasserlinsen haben großes Potenzial für die menschliche Ernährung.
Quelle: 
Jan-Peter Kasper/FSU

Wasserlinsen, im Volksmund auch Entengrütze genannt, stehen in Ländern wie Thailand, Kambodscha und Laos seit Jahrtausenden auf dem Speiseplan. Hierzulande dürfte die Vorstellung,die grünen Schwimmpflanzen zu essen, jedoch nur für wenige verlockend sein. Doch die wurzellosen Wasserpflänzchen haben erstaunliche Eigenschaften, wie Forscher der Universität Jena im Fachjournal „Food Chemistry“ berichten. „Die Wasserlinsen könnten durchaus als Proteinquelle für die menschliche Ernährung dienen“, betont Ernährungsphysiologe Gerhard Jahreis.

Proteingehalt wie bei Lupine, Raps oder Erbsen

Die Forscher hatten verschiedene Gattungen der auf seichten und stehenden Gewässern treibenden Wasserlinsen auf deren Protein-, aber auch Fett- und Stärkegehalt sowie Aminosäure- und Fettsäureverteilung untersucht. Das Ergebnis: Mit 20% bis 35% je nach Gattung war der Eiweißgehalt der wurzellosen Wasserlinse beeindruckend hoch. Besonders vielversprechend schnitt hier die Gattung namens Wolffia globosa ab. Ihr Proteingehalt ist vergleichbar mit bekannten Eiweißspendern wie Lupine, Raps oder Erbsen.

Hoher Omega-3-Anteil

Auch der geringe Fettanteil von bis zu 7%  und der Stärkegehalt pro Trockengewicht von bis zu 10% waren Faktoren, welche für die Entengrütze als Nahrungsmittel sprechen. Außerdem enthielten die Pflanzenwinzlinge wertvolle Omega-3-Fettsäuren wie Stearidonsäure und Alpha-Linolensäure, die für die menschliche Ernährung ebenfalls besonders wichtig sind.

Rasante Vermehrung ohne Ackerboden

Darüber hinaus haben die nur 0,7 bis 1,5 mm großen Wasserpflanzen im Vergleich zu alternativen Nutzpflanzen wie Soja noch einen anderen Vorteil, wie Pflanzenphysiologe Klaus Appenroth erklärt: „Die Wasserlinsen vermehren sich sehr rasch, benötigen aber keine zusätzlichen Anbauflächen“. Aufgrund ihrer vegetativen Vermehrung können sie in Kürze ganze Gewässer überziehen. Hinzukommt: Um Wasserlinsen kommerziell anzubauen, braucht es noch nicht einmal sauberes Gewässer.

Vom Smoothie bis zum Gewässerreiniger

Mit der Wasserlinse scheinen die Jenaer Forscher einem neuen Multitalent in der Natur  auf die Spur gekommen zu sein. Der hohe Nährstoffgehalt macht die Wasserlinse Wolffia globosa nicht nur als Nahrungsquelle für Smoothies oder gar glutenfreies Gebäck attraktiv. Grundsätzlich sind Wasserlinsen auch als Tierfutter oder Rohstoff für die Herstellung von Biogas und Bioethanol geeignet, so die Forscher. Darüber hinaus könnten die grünen Winzlinge auch bei der Fischzucht und Gewässerreinigung eingesetzt werden. In Israel und den Niederlanden gibt es bereits erste Versuchsanlagen, wo die grünen Alleskönner im industriellen Maßstab erzeugt werden.

bb

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