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30.07.2019

Diversität bei Gräsern schützt Weidevieh

Symbiontische Pilze in Gräsern produzieren Giftstoffe, an denen Weidetiere sterben können. In Deutschland sind fünf von 13 Grasarten betroffen.

Meist besiedeln die symbiontischen Pilze das Innere der Weidegräser. Von einigen Epichloë-Arten gibt es allerdings eine sexuelle Form, die einen außen sichtbaren Fruchtkörper ausbildet.
Meist besiedeln die symbiontischen Pilze das Innere der Weidegräser. Von einigen Epichloë-Arten gibt es allerdings eine sexuelle Form, die einen außen sichtbaren Fruchtkörper ausbildet.
Quelle: 
Jochen Krauss

2002 starben in Australien rund 100.000 Weidetiere an Giftstoffen im Gras. Weltweit werden die jährlichen Schäden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. „In Europa gibt es bisher nur wenige Berichte über solche Vergiftungen von Weidevieh“, berichtet Veronika Vikuk von der Universität Würzburg. Doch wie groß der Anteil giftiger Weidegräser ist, wurde bislang nicht systematisch erfasst. Für Deutschland liefern nun Wissenschaftler der Universität Würzburg erstmals Daten.

Genetische Spuren der giftigen Symbionten gesucht

Da die Giftstoffe nicht von den Pflanzen selbst, sondern von Pilzen erzeugt werden, die die Pflanzen besiedeln, ist es nicht möglich, Pauschalurteile für die jeweilige Pflanzenart zu treffen. Die Forscher nutzten deshalb einen genetischen Ansatz und untersuchten Proben der Pflanzen auf die Pilzgene, die für die Erzeugung der Giftstoffe erforderlich sind. „Gräser können in Symbiose mit endophytischen Pilzen leben. Diese Pilze sind in der Lage, sogenannte Alkaloide zu produzieren, die für Weidevieh giftig sein können“, erläutert Vikuk. Die im Fachjournal „Applied and Environmental Microbiology“ publizierte Studie ergab für Deutschland, dass fünf der 13 hier verbreiteten Grasarten Symbiosen mit den problematischen Epichloë-Pilzen eingehen. Ob die resultierenden Konzentrationen der Giftstoffe hoch genug sind, um Weidetiere zu töten, ist Gegenstand weiterer Analysen.

Weidelgras stark mit Lolitrem B belastet

Bereits vermelden können die Forscher, dass das Wirbeltiergift Lolitrem B im Deutschen Weidelgras in toxischen Konzentrationen vorkommt, nicht aber der Giftstoff Ergovalin: „Wir konnten nachweisen, dass das Startgen für die Herstellung von Ergovalin, einer für Wirbeltiere toxischen Substanz, im heimischen Deutschen Weidelgras weitestgehend fehlt und dass die Substanz auch tatsächlich nicht produziert wird“, berichtet Vikuk.

Aktives Management der Grasartenvielfalt empfohlen

Die Ergebnisse sind von Bedeutung für Saatgutzüchter, die ihr Saatgut zum Teil aktiv mit endophytischen Pilzen besiedeln, da die Pilze die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Fressfeinde oder auch Dürre machen. Das beste Mittel, um toxische Folgen für Weidevieh zu vermeiden, sei daher die Artenvielfalt der Gräser, rät Forschungsleiter Jochen Krauß: „Landwirte sollten darauf achten, die Diversität auf Weiden zu erhöhen und Monokulturen, vor allem vom Deutschen Weidelgras zu vermeiden.“ Ein Massensterben von Weidetieren trete vor allem dort auf, wo die Tiere keine Alternative zu den giftigen Gräsern fänden. Können die Tiere auf andere Arten ausweichen, vermeiden sie gefährlich hohe Konzentrationen der Giftstoffe. Weil sich im Zuge des Klimawandels die besonders dürretoleranten symbiontischen Gräser weiter ausbreiten dürften, sollten Landwirte gezielt zugunsten der Gräservielfalt eingreifen.

bl

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