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24.01.2019

Digitaltrends für die Landwirtschaft

Wie die Digitalisierung Acker und Stall erobert, können Besucher derzeit auf der Grünen Woche erleben. Auch das Agrarministertreffen hatte digitale Lösungen für die Branche auf der Agenda.

Die Landwirtschaft setzt auf digitale Technologien.
Quelle: 
BIOCOM/bb

„Und was gibt’s morgen?“ Mit dieser Frage lockt die Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) die Besucher der Grünen Woche in Halle 23a – und liefert gleich die Antwort mit: Hightech im Stall, auf dem Acker und im Bienenstock soll die Branche mehr als bisher prägen und so für die Herausforderungen der Zukunft fit machen.

Drohnen fliegen über den Acker, Sensoren messen Bodenfeuchtigkeit oder Reifegrad von Früchten, Melkcomputer und Entmistungsroboter verbessern die Tierhaltung im Stall: Die BMEL-Sonderschau zeigt, wie die Digitalisierung die Arbeit von Landwirten schon heute erleichtert. Zudem wird beleuchtet, wie die Pflanzenzüchtung von neuen Technologien profitieren kann.  

Smarte Helfer für den Obstanbau

Vor allem im Obstanbau setzen die Forscher auf Präzision durch mobile Anwendungen, wie das Potsdamer Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. zeigt. Sensoren und Drohnen sollen den Obstanbau effektiver machen. So könnte künftig mithilfe eines Sensors der optimale Zeitpunkt für die Ernte von Obst ermittelt werden. Der optische Sensor misst dafür den Chlorophyllgehalt der Frucht als Indikator der Fruchtreife. Um Pflanzenschutzmittel zu sparen und präziser aufbringen zu können, entwickelten die Potsdamer Forscher einen Laserscanner, der die Bäume und deren Blattfläche ermittelt und so die nötige Menge an Spritzmittel errechnet. Mit „SmArt“ haben die Leibniz-Forscher bereits einen digitalen Helfer im Obstanbau im Einsatz. Das sensorgestützte Gerät fährt die Apfelplantagen ab, erfasst die Blütenmenge und dünnt diese automatisch aus, um den bestmöglichen Ertrag zu gewährleisten. 

Weinanbau mit Zwischenfrüchten

Ertragssteigerung mittels natürlichem Pflanzenschutz ist ein Ansatz, den das Julius-Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen verfolgt. Am Beispiel des Weinanbaus wird gezeigt, wie der Anbau von Zwischenfrüchten wie Kamille, Wilde Möhre oder Phaselia den Unterboden fruchtbar machen und die Biodiversität steigern kann.

Quelle: 
BIOCOM/bb

Mithilfe des mobilen Sensors wird die Blattfläche der Obstbäume erfasst und so die präzise Menge an Pflanzenschutzmittel errechnet. 

Verbände fordern Infrastrukturausbau 

Die Grüne Woche macht deutlich: Die Digitalisierung auf dem Acker und im Stall ist in vollem Gange. Schon heute nutzt mehr als jeder zweite Landwirt digitale Lösungen. Das belegt eine aktuelle Umfrage unter 521 Landwirten und Lohnunternehmern, die in Berlin vom Deutschen Bauernverband (DBV) und dem Digitalverband Bitkom vorgestellt wurde. „Die Landwirte sind Vorreiter der Digitalisierung. Sie investieren in die digitale Entwicklung vor Ort und bringen damit Fortschritt nicht nur in die Landwirtschaft, sondern auch in den gesamten ländlichen Raum“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder während einer Podiumsdiskussion mit dem DBV im Rahmen der Grünen Woche. Noch fehlt es jedoch häufig an der Infrastruktur, um digitale Technologien entsprechend nutzen zu können. Rohleder und der DBV fordern daher, den von der Politik angekündigten Breitbandausbau auf dem Land zügig umzusetzen und die Rahmenbedingungen für ein leistungsfähiges Internet zu schaffen.

Potenziale der Digitalisierung für globale Landwirtschaft nutzen

Die digitale Landwirtschaft stand in diesem Jahr auch im Fokus des jährlichen Agrarministertreffens, das traditionell am Rande der Grünen Woche im CityCube Berlin stattfand. Auf Einladung des BMEL diskutierten rund 70 Agrarminister aus aller Welt beim 11. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft über das Zukunftsthema „Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Landwirtschaft“. Dabei ging es insbesondere um die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für Welternährung, ländliche Räume und Landwirtschaft. „Eine moderne und digitalisierte Landwirtschaft bietet weltweit das Potenzial, mehr Menschen satt zu machen und nachhaltiger zu produzieren. Das trägt bei zur Ernährungssicherung und ist damit wirksame Fluchtursachenbekämpfung“, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner.

Biologische Innovationen und Digitalisierung ergänzen sich

Im Vorfeld des Agrarministertreffens hatte der deutsche Bioökonomierat mit Blick auf relevante Zukunftstrends betont, dass sowohl digitale als auch biologische Innovationen die Agrar- und Ernährungswirtschaft der Zukunft prägen werden. Der Ackerbau werde nicht nur durch Apps, Wetter- und Bodendaten effizienter und nachhaltiger. Auch die Pflanzenzüchtung profitiere von der Digitalisierung: so könnten hier große Mengen genetischer Daten nach gewünschten Eigenschaften durchsucht werden. Dies beschleunige die Züchtung von Pflanzen und mache diesen Prozess weniger fehleranfällig. Damit Digitalisierung und biologische Innovationen sich ergänzen und gegenseitig befördern, müssten jedoch Infrastruktur und Rahmenbedingungen dem aktuellen Stand der Technologie entsprechen, so der Bioökonomierat. Das Expertengremium drängt insbesondere auf eine Novellierung des europäischen Gentechnikrechts. „Die Initiative und die Unterstützung der deutschen Regierung für eine Aktualisierung der Gesetze, die noch aus den 1990er Jahren stammen, ist in Brüssel besonders wichtig“, sagte Christine Lang, Ko-Vorsitzende des Bioökonomierates. Joachim von Braun, ebenfalls Ko-Vorsitzender des Bioökonomierates, plädierte für einen Dialog der Bundesregierung mit den führenden Innovationsstandorten außerhalb der EU. 

bb

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