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30.05.2018

Defizite bei Pestizid-Zulassung

Ein neues Diskussionspapier der Wissenschaftsakademie Leopoldina belegt, dass bei der Zulassung von Pestiziden deren Folgen für die Umwelt noch zu wenig beachtet werden.

Honigbiene beim Pollensammeln auf einem Sonnenhut (Echinacea)
Honigbiene beim Pollensammeln auf einem Sonnenhut (Echinacea)
Quelle: 
Wikipedia CC BY-SA 3.0

Pflanzenschutzmittel wie Pestizide werden vor allem in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. Sie sollen Pflanzen vor Schädlingen und Krankheiten bewahren und Ernteerträge sichern. Doch ihr Einsatz ist seit Langem umstritten, vor allem wegen der negativen Folgen für Umwelt und Artenvielfalt. Diese werden bei der Zulassung von Pestiziden aber noch zu wenig berücksichtigt, wie die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in ihrem neuesten Diskussionspapier „Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes“ herausstellt.

Pestizide für Rückgang der Artenvielfalt mitverantwortlich

In Deutschland sind etwa 280 Wirkstoffe als chemischer Pflanzenschutz zugelassen. Im Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sieht die Expertengruppe eine wesentliche Ursache für den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt. Frühere Studien bestätigen, dass in den vergangenen 20 Jahren 75% der fliegenden Insekten verschwunden sind. Wie deutsche und britische Forscher jüngst feststellten, können Neonicotinoide, eine bestimmte Klasse von Pestiziden, das Bestäubungsverhalten von Hummeln nachhältig beeinflussen und sind somit eine Gefahr für den Fortbestand der Population.

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stärker überwachen

Den Experten der Leopoldina geht es vor allem um eine bessere Risikoabschätzung von Pestiziden im Rahmen der Zulassungsverfahren mit Blick auf einen umweltverträglicheren Pflanzenschutz. Mit ihrer Studie liefern sie Handlungsempfehlungen für einen umwelt- und naturschutzgerechten Umgang mit den Chemikalien und zeigen Forschungslücken auf. Am Beispiel von Neonicotinoiden und Glyphosat belegen sie, wie Pestizide auf die Umwelt wirken und verweisen auf die Notwendigkeit, die Auflagen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verstärkt zu überwachen.

Zulassungsverfahren nachbessern

Gleichfalls decken die Autoren Defizite derzeitiger Zulassungsverfahren von Pestiziden auf und fordern eine Nachbesserung bestehender Verfahren. So sollten bei der Risikobewertung von Pestiziden künftig stärker die landwirtschaftliche Praxis und die reale Umweltsituation berücksichtigt werden. Bestehende Zulassungsverfahren würden bei Weitem nicht alle ökologische Wirkszenarien im Freiland erfassen, heißt es im Diskussionspapier.

Vernachlässigt werde beispielsweise, dass in der Landwirtschaft häufig unterschiedliche Pestizide gleichzeitig zum Einsatz kommen und die Mischung Ökosysteme gefährde. Unzureichend ist demnach auch die Vorhersage der Exposition und die Persistenzbewertung von Chemikalien in der Umwelt. Auch der Einfluss dieser Chemikalen auf Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und deren Verbreitung in Boden und Wasser sollten den Autoren zufolge bei der Risikoabschätzung zukünftig stärker im Fokus stehen.

Zulassungen zeitlich und räumlich begrenzen

Die Experten empfehlen daher ein Beobachtungssystem zu etablieren, mit dem die langfristigen Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel auf Ökosysteme nach einer zunächst zeitlich und räumlich begrenzten Zulassung überprüft werden.

bb

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