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12.04.2019

Biotech-Branche gespannt auf die Bio-Agenda

Die Deutschen Biotechnologietage in Würzburg standen gleich mehrfach im Zeichen der Bioökonomie: ob politische Agenda, Konferenzprogramm oder im Staatlichen Hofkeller.

Biotechnologietage in Würzburg
Knapp 800 Teilnehmer waren zu den Biotechnologietagen in Würzburg gekommen.
Quelle: 
BIO Deutschland / Andreas Grasser

Der Begriff „Biotechnologie“ feiert in diesem Jahr seinen Hundertsten: 1919 erschien die deutsche Fassung des Buches „Biotechnologie der Fleisch-, Fett- und Milcherzeugung im landwirtschaftlichen Großbetriebe“, in dem der Agraringenieur Karl Ereky erstmals das Wort prägte. Ganz so alt sind die Deutschen Biotechnologietage noch nicht. Erstmals wurde dieses Forum im Jahr 2010 ausgerichtet, mittlerweile hat sich die Konferenz als wichtigster Treff für Unternehmer der Biotech-Branche etabliert.

Knapp 800 Biotechnologie-Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Administration waren am 9. und 10. April in das Würzburger Congress Centrum gekommen, um sich über den aktuellen Stand der Branche auszutauschen und über neue Forschungstrends zu informieren. Ausgerichtet wird das zweitägige Forum vom Branchenverband BIO Deutschland und dem Arbeitskreis der BioRegionen. Regionaler Gastgeber der größten deutschen Branchenveranstaltung war in diesem Jahr der bayerische Biotechnologiecluster BioM und der lokale Partner IGZ Würzburg.

Biotechnologie auf der politischen Agenda

Im vergangenen Jahr hatten sich auf den Biotechnologietagen in Berlin Regierungsvertreter – allen voran Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier – für die Belange der Biotechnologie-Branche stark gemacht und zahlreiche Initiativen angekündigt. So war die in Würzburg versammelte Branche gespannt, mehr über die aktuellen Weichenstellungen der Bundesregierung zu erfahren. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hatte ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. An ihrer Stelle sprach die Leiterin des BMBF-Referats „Nachhaltiges Wirtschaften, Bioökonomie“, Andrea Noske, zum Plenum.

„Die Biotechnologie ist der Schlüssel für das biobasierte Wirtschaften“, sagte sie und verwies auf die im Koalitionsvertrag und in der Hightech-Strategie 2025 angekündigte ressortübergreifende Agenda „Von der Biologie zur Innovation“. Ziel dieser Bio-Agenda sei es, die Potenziale der Biologie mittels Natur- und Technikwissenschaften zu erschließen, und zwar „biobasiert, bioinspiriert und biointelligent“, so Noske. Im Sommer 2019 soll die Bio-Agenda vorgestellt werden. Als zentrale Säule zur Umsetzung der Bio-Agenda bezeichnete Noske die neue Bioökonomie-Strategie der Bundesregierung, die ebenfalls diesen Sommer veröffentlicht werden soll.

Die neue Strategie stelle die Weichen für die Bioökonomie-Forschung der kommenden Jahre und werde Themen wie die Digitalisierung, Nanotechnologie sowie systemische Forschungsansätze noch stärker als bisher berücksichtigen. Befürchtungen zum Wegfall der BMBF-Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Biotechnologie“ konnte Noske indes schnell zerstreuen: „Es wird künftig sogar zwei neue Förderlinien geben.“ Für reichlich öffentliche Aufmerksamkeit dürfte das Thema biobasiertes Wirtschaften im kommenden Jahr sorgen: Das Wissenschaftsjahr 2020 wird der Bioökonomie gewidmet sein, wie Noske ankündigte.

Agentur für Sprunginnovationen

Auch im Hinblick auf den insgesamt geschrumpften BMBF-Etat gaben sich die Vertreter aus der Politik optimistisch. Bei einer Podiumsdiskussion am zweiten Konferenztag sagte BMBF-Abteilungsleiter Volker Rieke, dank des starken Wachstums der Vorjahre sei das Ressort immer noch sehr gut mit Mitteln ausgestattet.

„Die Biotechnologie wird weiterhin substanziell gefördert werden. Sie werden die Folgen der Haushaltsdebatte nicht spüren“, sagte wiederum Winfried Horstmann, Abteilungsleiter Industriepolitik im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi). Beide betonten, wie zunehmend wichtig für die Entwicklung der Bio-Agenda die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Ministerien sei. Als neues Förderinstrument wird derzeit unter Federführung von BMBF und BMWi eine Agentur für Sprunginnovationen aufgebaut. Eine Gründungskommission, der auch der Tübinger Biotechnologe Ingmar Hoerr (CureVac) angehört, begleitet den Aufbau der Agentur. Laut Rieke wird sie in den kommenden zehn Jahren mit bis zu 1 Mrd. Euro ausgestattet. „Es sind bereits erste Ideenwettbewerbe gestartet, die in Unternehmensgründungen münden sollen“, sagte Rieke.

Von KI, Mikrobiom und Frankenwein

Auch in Würzburg beschäftigte sich das mit zahlreichen Podiumsdiskussionen und parallelen Sessions vollgepackte Programm mit der gesamten Bandbreite der Biotechnologie – von der Medizin bis zu nachhaltiger Chemie und Ernährung. So gab es Sessions zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arzneientwicklung, zur Mikrobiomforschung oder zum Thema Gentherapien. Sessions zur industriellen Biotechnologie beleuchteten, wie Mikroorganismen künftig für die Verwertung von Kohlendioxid oder Kohlenmonoxid genutzt werden können. Das BMBF stellte in einem eigenen Symposium erneut eine Auswahl geförderter Projekte vor – von Forschungsvorhaben zur biobasierten Chemikalien bis hin zu Technologien für neue Therapien. Am Abend des ersten Konferenztages durften die Teilnehmenden dann Exzellentes aus jahrhundertealter Biotechnologie-Produktion probieren: In dem von riesigen Holzfässern gesäumten Kellerlabyrinth des Staatlichen Hofkellers direkt unter der Residenz wurden Würzburger Weine gereicht.

Kreativworkshop für biobasierte Innovationen

Die Anwendungsperspektive war in der ebenfalls vom BMBF initiierten Session „Summa Biotechnologiae“ gefragt. Studierende und Tagungsteilnehmer waren eingeladen, in einem Kreativ-Workshop mehr über Zukunftstrends zu erfahren und gemeinsam visionäre Produktideen für Gesundheit, Ernährung und nachhaltiges Wirtschaften zu entwickeln. Insgesamt knapp 150 Interessierte hatte der Workshop angelockt, der von einem Team des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) und den Innovationsmanagern von FutureCamp durchgeführt wurde. Die Köpfe hinter den besten Geschäftsideen dürfen nun an Gründergesprächen teilnehmen, die für die Preisträger des GO-Bio-Wettbewerbs stattfinden.

Innovationspreise vergeben

Bereits zum zwölften Mal wurde in Würzburg der Innovationspreis der BioRegionen Deutschlands  vergeben. Hier überzeugte das Garchinger Team alphaSEPT mit seinem „Immun-Engineering in der Sepsistherapie“ nicht nur die Jury, sondern räumte auch den per Online-Voting ermittelten Publikumspreis ab. Ebenfalls zu den gleichwertigen Innovationspreisträgern 2019 zählen das Braunschweiger Team Norden Vaccines (Impfung gegen Zecken) und das Tübinger BlueLab-Team (antikörperbasierter Legionellentest). Jedes Team erhält 2.000 Euro.

Ende Mai 2020 kommt die Branche in Hessen zum nächsten Familientreffen zusammen. Dann werden die Biotechnologietage in Wiesbaden stattfinden.

pg

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