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Landwirt in der digitalen Ära

Robert
Hagemann

Beruf:

Landwirt

Position:

Geschäftsführer der Hagemann Dienste GmbH in Groß Pankow

Landwirt Robert Hagemann hat mit seinem Handy das Büro immer dabei.
Quelle: 
Privat

Der brandenburgische Landwirt Robert Hagemann hat mit seinem Smartphone das Büro immer dabei. Digitale Helfer erleichtern ihm den Betrieb auf dem Feld, im Stall und in der Biogasanlage.

Der Beruf des Landwirts hat in der Familie von Robert Hagemann Tradition. Doch ohne die Wiedervereinigung wäre der gebürtige Niedersachse wohl nie in die Fußstapfen von Großvater und Vater getreten. Hagemann war 15 Jahre alt, als es die Familie 1990 in die Prignitz zog und dort fernab der alten Heimat einen landwirtschaftlichen Betrieb in Groß Pankow gründete. „Mein Vater hat immer von einem eigenen großen Betrieb geträumt. In meiner alten Heimat hatten wir aber nicht die Perspektive, die wir dann hier vorgefunden haben“, erinnert sich der heute 41-Jährige.

Nachhaltigkeit lohnt sich

Nach einer Ausbildung zum Landwirt und mit dem Landwirtschaftsmeister in der Tasche stieg Robert Hagemann 1995 offiziell in das Familienunternehmen ein. Seither ist er Gesellschafter der Hagemann Dienste GmbH in Groß Pankow. Unter seiner Leitung hat sich das Familienunternehmen zu einem Aushängeschild der modernen Landwirtschaft entwickelt. Ob Ackerbau, Schweinemast, Futtermittelproduktion oder Biogasanlage: Robert Hagemann weiß die Vorteile der modernen Technik zu nutzen, um seinen Betrieb auf nachhaltige Weise nach vorn zu bringen. Er ist überzeugt: „Nachhaltigkeit ist das Beste für alle. Für die Umwelt und für den Geldbeutel.“

Gülle und Sonne liefern Strom und Wärme

Als Hagemann in den Familienbetrieb einstieg, stand der Ackerbau noch im Mittelpunkt. 1996 kam die Schweinemast hinzu. Heute sind es bis zu 8.000 Tiere, die am Standort in Kuhsdorf in klimatisierten und hellen Ställen mit ausreichend Platz gemästet werden. Strom und Wärme für Büro und Stall liefert seit 2012 eine eigene Biogasanlage. Hierfür wird die Gülle aus dem Stall automatisch nach außen befördert und in der Biogasanlage verarbeitet. „Dass ich mit diesen 8.000 Schweinen noch Strom für 4.000 Haushalte produziere, weil ich den Kot nicht mehr direkt aufs Feld, sondern in die Biogasanlage fahre, spart unheimlich viel Geld und zeigt, wie sich nachhaltige Kreisläufe schließen“, betont er. Die Tiere wiederum werden unter anderem mit Abfällen gefüttert, die als Reststoffe in der Lebensmittel- und Getränkeproduktion anfallen. 80% der Energie, die zum Heizen der Ställe benötigt wird, stammen zudem von der hauseigenen Photovoltaikanlage.

Höhere Erträge und bessere Arbeitsbedingungen 

Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind für Hagemann der Motor der Zukunft. „Dank der technischen Entwicklung, haben sich die Erträge in den vergangenen 100 Jahren versechsfacht und die Arbeitsbedingungen für den Landwirt verbessert. Mähdrescher und Schlepper sind wie Oberklassewagen ausgestattet und die Ställe sind heute keine Katakomben mehr, sondern hell und freundlich, damit sich Tier und Mensch wohlfühlen. Auch die Fütterung der Tiere und das Ausmisten der Ställe erfolgt heutzutage automatisch“, resümiert Hagemann.

Zu Zeiten seines Großvaters war Feldarbeit und Tierhaltung noch kraft- und zeitaufwendig. Von einem geregelten Arbeitstag oder Urlaubsreisen konnten viele Bauern nur träumen. „Die Digitalisierung hat unsere Arbeitsbedingungen und die Lebensqualität enorm verbessert. Da gibt es auch Freizeit und Urlaub“, bestätigt der vierfache Familienvater. Neben Sport, Lesen und Reisen ist es vor allem die Jagd, die dem Landwirt den notwendigen Ausgleich verschafft.

Mit dem Handy Feld und Stall unter Kontrolle

Mit dem Smartphone hat Hagemann sein Büro immer dabei und seinen Betrieb unter Kontrolle. Tabellen und Grafiken zeigen, welches Gewicht die Schweine haben, ob die Fütterung läuft, ob der Weizen reif ist oder wie effektiv die Biogasanlage arbeitet. Auch seine Mitarbeiter sind dank der Technik immer online und wissen, was auf dem Feld, im Stall oder in der Biogasanlage geschieht.

Insbesondere das satellitengestützte GPS-System hat Hagemann zufolge dazu beigetragen, dass die Feldarbeit heute effektiver und angenehmer ist. „Mithilfe von GPS können wir größere Arbeitsbreiten überblicken. Früher war der Fahrer damit völlig überlastet. Heute fährt die Maschine eigenständig und der Fahrer überwacht nur noch das System.“ Denn Sensoren ermitteln, in welcher Höhe der Weizen abzuschneiden ist, wo und wie viel gedüngt werden muss, und wie hoch der Ernteertrag ist.

Prozesse besser überwachen

Eine digitale Karte dient dem Mähdrescherfahrer als Basis für die nächste Tour über den Acker. Diese Überwachungstätigkeit macht nicht nur den Blick für das Wesentliche frei. Es spart auch Zeit und Ressourcen. Hagemann: „Ich bin dankbar, dass uns die Digitalisierung die Möglichkeiten gibt, unsere Prozesse besser zu überwachen, Kosten zu sparen und effektiver zu sein.“

Technik macht Landwirtschaft attraktiv

Durch die Digitalisierung ist die Landwirtschaft Hagemann zufolge zudem umweltfreundlicher denn je und als Branche wieder attraktiv. Vor allem junge Frauen würden sich für den Beruf des Landwirts interessieren. Das zunehmende Interesse gibt dem Wahl-Brandenburger Hoffnung, dass die moderne Landwirtschaft eine Zukunft hat. Dafür engagiert sich der Unternehmer in seiner Freizeit ehrenamtlich in zahlreichen Verbänden auf Kreis- und Landesebene. „Ich möchte, dass die Landwirtschaft auch im 22. Jahrhundert noch eine Rolle in Deutschland spielt. Die Leute sollen die Notwendigkeit und die Vielfalt der Landwirtschaft erkennen und nicht immer nur die Nachteile sehen. Das liegt mir am Herzen.“

Ob auch Hagemanns Söhne in die Fußstapfen des Vaters treten werden, ist zwar noch nicht absehbar. Seine Erfahrungen will der 41-Jährige auf jeden Fall an die nächste Generation weitergeben. „Als Landwirtssohn weiß ich, dass die Ressourcen Boden, Luft und Wasser unser Heiligtum sind, und wir sie schützen müssen. Da dürfen wir uns nicht vom Zeitgeist irreführen lassen, sondern müssen konsequent und nachhaltig unseren Weg gehen.“

Autorin: Beatrix Boldt

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