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24.06.2016

Milliardenschwere Forschung zum Schutz der Meere

Das Meer steht ökologisch zunehmend unter Druck – mit einem milliardenschweren Forschungsprogramm will die Bundesregierung neue Strategien gegen Verschmutzung, Überfischung und Übersäuerung der Meere auf den Weg bringen.

Mit einem neuen Meeresforschungprogramm sollen neue Strategien gegen die Verschmutzung der Meere entwickelt werden. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka lässt sich hier den Tauchroboter des GEOMAR-Forschungszentrums erläutern.
Mit einem neuen Meeresforschungprogramm sollen neue Strategien gegen die Verschmutzung der Meere entwickelt werden. Bundesforschun
Quelle: 
Hans-Joachim Rickel

Die Welt der Ozeane und Meere steht im Fokus des aktuellen Wissenschaftsjahres 2016*17. Es will die Menschen aber auch für das größte Ökosystem der Erde sensibilisieren, das durch Klimaerwärmung, wirtschaftliche Ausbeute und Umweltverschmutzung unter starkem ökologischem Druck steht. „Erst wenn wir den Meeresraum richtig verstanden haben, können wir ihn nachhaltig nutzen und ihn besser schützen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka Anfang Juni bei der offiziellen Eröffnung des Wissenschaftsjahres in Berlin. Sie nutzte zudem die Gelegenheit, das neue Programm zur Meeresforschung (MARE:N) der Bundesregierung vorzustellen, die in den nächsten zehn Jahren über vier Milliarden Euro in die Zukunft der Meere investieren will.

Das neue Meeresforschungsprogramm MARE:N (mehr Infos: hier klicken) soll alle Maßnahmen des Bundesforschungs-, Wirtschafts-, Landwirtschafts-, Verkehrs- und Umweltministeriums unter einem Dach bündeln. „Wir müssen jetzt eine Trendwende hin zu einem nachhaltigen Umgang mit den Meeren einleiten, denn Klimawandel, Überfischung und Vermüllung bedrohen den größten Lebensraum des Planeten", sagte Wanka am Meeresforschungszentrum GEOMAR in Bremen. Allein das Bundesforschungsministerium will in den nächsten zehn Jahren über 450 Millionen Euro für die Förderung entsprechender Projekte bereitstellen. Zusammen mit der Förderung von Forschungszentren und der Erneuerung der deutschen Forschungsflotte werden damit in den nächsten zehn Jahren über vier Milliarden Euro für die Zukunft der Meere investiert.

28 Millionen Euro im Kampf gegen Plastikmüll

Zusätzlich zum Forschungsprogramm MARE:N wird das BMBF ab Juni außerdem Projekte fördern, um die Wege des Plastiks von der Produktion, über den Konsum und den Transport vom Land in die Flüsse bis zum Verbleib in den Weltmeeren wissenschaftlich zu untersuchen. Denn noch fehlt selbst Experten ein exaktes Bild des Gesamtproblems. Dies wiederum ist eine wesentliche Voraussetzung, um effiziente Lösungsansätze zu finden. Deutsche und belgische Forscher konnten erst kürzlich belegen, dass jährlich bis zu acht Millionen Tonnen Plastikmüll aufs Meer hinausgetrieben werden und Teile davon bereits die Arktis erreicht haben.

Insgesamt 28 Millionen Euro wird das BMBF nun für die kommenden drei Jahre bereitstellen, um die Wissensbasis zu Plastikmüll in den Meeren zu verbessern. Im Fokus der Projekte des Forschungsprogramms "Plastik in der Umwelt" werden die Konsumentenforschung, die Rolle der Wirtschaft sowie die Materialforschung stehen. Gemeinsam mit der Forschung zu Meeren und Binnengewässern sind Ansätze gefragt, bei denen die Forschung mit Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung kooperiert, damit die Ergebnisse wirksam umgesetzt werden können. Ziel ist es, ein Gesamtbild darüber zu bekommen, wie Kunststoffe produziert und eingesetzt, genutzt und gehandelt und schließlich entsorgt werden. 

Deutsche Forscher federführend in EU-Konsortien

Damit ergänzt das neue Forschungsprogramm Anstrengungen auf europäischer Ebene. So war 2015 ein EU-Forschungsförderprogramm „Mikroplastik in marinen Systemen“ als Teil der Initiative JPI Oceans gestartet. Im Herbst erhielten hier insgesamt vier Forschungskonsortien den Zuschlag für die Förderung, darunter darunter zwei unter deutscher Federführung. Das Alfred-Wegener-Institut und Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung ist mit dem Verbund BASEMAN dabei, um Standards für Mikroplastik-Analysen in Europäischen Gewässern zu definieren. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung koordiniert WEATHER-MIC, das sich mit Veränderungen des Transports, des Abbaus und der Toxizität von Mikroplastik in der marinen Umwelt beschäftigen wird.

Mikrobiologen auf der Suche nach plastik-fressenden Bakterien

Zuletzt hatten japanische Forscher für Aufmerksamkeit gesorgt, die über ein PET-abbauendes Bakterium im Fachmagazin Science berichtet hatten. Ein europäisches Forscherteam unter deutscher Federführung der RWTH Aachen will das Problem wiederum mit Hilfe von Bakterien lösen, um Plastikmüll in in biologisch abbaubares Plastik zu verwandeln.

Die zunehmende Vermüllung der Meere durch Plastik wird auf deutsche Initiative hin auch eines von drei zentralen Beratungsthemen des G7-Wissenschaftsministertreffens am 8. und 9. Oktober in Berlin sein.

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