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08.03.2016

Nachhaltige Bodennutzung als Zukunftsinvestition

Ein internationales Forscherteam hat das Ausmaß der globalen Bodendegradierung aufgezeigt und neue Strategien zur weltweit nachhaltigen Nutzung von Landflächen aufgestellt.

Länder der südlichen Sahara wie Sudan haben die meisten unnutzbaren Bodenflächen. Mit Anreizen könnten Bauern zur nachhaligen Landnutzung motiviert werden.
Länder der südlichen Sahara wie Sudan haben die meisten unnutzbaren Bodenflächen. Mit Anreizen könnten Bauern zur nachhaligen Land

Böden sind die Lebensgrundlange für Pflanzen und Tiere. Diese natürliche Ressource wird jedoch stark vernachlässigt und verliert daher zunehmend seine Funktion als ökologisches Dienstleistungssystem. Fast ein Drittel der globalen Landflächen sind bereits durch Erosion und Bodenverschlechterung signifikant von Degradierung betroffen. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommen die Autoren des kürzlich erschienen Buches Economics of Land Degradation and Improvement (2016, Open-Access-Veröffentlichung). Grundlage dafür bildet eine internationale Studie, an der auch Forscher der Universität Bonn beteiligt waren. Jeder heute in nachhaltige Landnutzung investierte US-Dollar könnte dereinst fünf US-Dollar sparen, rechnen die Forscher vor.

Wälder, Acker- und Weideland, Öd- und Buschland sowie Waldflächen machen 86 Prozent der globalen Landflächen aus. Diese den Globus überziehende Erdschicht ist der Lebensraum von Plfanzen und Tieren. Und ist zunehmend bedroht. In dem kürzlich erschienen Buch Economics of Land Degradation and Improvement – A Global Assessment for Sustainable Development machen die Autoren erstmals auf das Ausmaß der weltweiten Bodendegradierung aufmerksam. „Boden ist die am meisten vernachlässigte natürliche Ressource. Dabei sind Investitionen in Land und Boden überlebenswichtig – für die Ernährung, das Klima und die menschliche Sicherheit“, erklärt Joachim von Braun, Mitautor und Direktor am Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn (ZEF).

Landnutzung weltweit bedroht

Die Buchautoren stützen sich auf eine internationale Studie von Wissenschaftlern, die insgesamt zwölf Länder und Regionen der Erde dafür genauer untersuchten, darunter auch Indien, Argentinien sowie weite Teile Afrikas und Zentralasiens. Die Ergebnisse sind alarmierend. Die auf Satellitenaufnahmen basierenden Kartierungen verdeutlichen: In den letzten 30 Jahren sind weltweit 33 Prozent des Weidelands, 25 Prozent der Ackerböden und 23 Prozent der Waldflächen degradiert. „Dies gilt sowohl für Entwicklungsländer wie auch für Industriestaaten”, stellt von Braun klar. Landdegradierung ist danach ein weltweites Problem. Etwa 30 Prozent der weltweiten Landfläche, der Lebensraum von etwa 3,2 Milliarden Menschen, sind der Studie zufolge von signifikanter Bodendegradation betroffen.

Migrationsdruck durch Landverluste befürchet

Besonders verheerend ist die Situation in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Dort sind 26 Prozent der Landflächen nicht mehr nutzbar und die Ernährung gefährdet. Die Autoren mahnen: Dieser zunächst lokale Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität könnte auch globale Folgen haben und Migrationsdruck bei den Landnutzer auslösen. Ein Problem vor Ort: Den Bauern fehlt es sowohl an Wissen und gesicherten Landnutzungsrechten, als auch an Anreizen für eine nachhaltige Bodennutzung. „Um dies zu ändern, engagiert die Bundesregierung sich für die nachhaltige Bodennutzung und sieht dies als wichtiges Element der Maßnahmen für die Bekämpfung des Hungers an“, betont Stefan Schmitz vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ koordiniert. In dem vom Bundesforschungsministerium finanzierten Projekt UrbanFoodPlus versuchen deutschen Wissenschaftler Wege zu finden, die Landwirtschaft in Städten und

Investieren und Anreize schaffen

Schon heute betragen die Kosten für den weltweiten Verlust der Bodennutzbarkeit jährlich rund 300 Milliarden Euro. Bei der Kostenbewertung haben die Autoren nicht nur die Verluste an pflanzlichen und tierischen Produkten beachtet, sondern auch die Einbußen von Ökosystemdienstleistungen, wie Wasser, Biodiversität und Klima.  Die Untersuchung zeigt: Jeder heute investierte US-Dollar würde in Zukunft fünf US-Dollar sparen. „Zukunftsorientiertes Management von Land und Boden trägt dazu bei, mehrere Ziele nachhaltiger Entwicklung zu erreichen“, erklärt auch Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des United Nation Environment Programme (UNEP) bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Sechs Empfehlungen formuliert

Um Bodendegeneration weltweit zu bekämpfen, haben die Autoren sechs Empfehlungen für eine nachhaltige globaler Landnutzung formuliert. Dazu gehört neben Investitionen auch die Zusammenarbeit aller Akteure von lokalen Landnutzern bis hin zu den nationalen Regierungen bei der Suche nach Lösungsansätzen. Zugleich sollen jene Landnutzer, die sich für nachhaltige Lösungen bereits entschieden haben, belohnt und weitere Anreize zur Motivation anderer geschaffen werden. Darüber hinaus wird empfohlen, in Forschung und Beratung in den Entwicklungsländern zu investieren, da Acker- und Weideflächen am stärksten von Bodendegradierung  betroffen sind.

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