Biotechnologie-Branche zeigt Stärke, doch Potenzial bleibt ungenutzt
Die deutsche Biotechnologie hat 2025 über 1,7 Milliarden Euro eingesammelt und zeigt Innovationskraft. Für weiteres Wachstum müssen jedoch Rahmenbedingungen verbessert und Investitionen erleichtert werden.
Finanzierungsdaten zum eingesammelten Kapital sind ein wichtiger Indikator, wie innovativ und zukunftsfähig die Biotechnologie-Branche ist. Sie zeigen, wie viel Vertrauen Investoren in neue Ideen, Forschungsvorhaben und wachsende Unternehmen setzen.
Starkes Jahresergebnis trotz schwachem Start
Trotz eines schwachen Starts im ersten Halbjahr hat die deutsche Biotechnologie-Branche 2025 ein starkes Ergebnis erzielt, wie der Branchenverband BIO Deutschland berichtet. Insgesamt konnten Unternehmen 1,787 Mrd. Euro an Kapital einsammeln, etwas weniger als im Vorjahr (2024: 1,917 Mrd. Euro), aber deutlich mehr als die 337 Mio. Euro aus der ersten Jahreshälfte vermuten ließen. Investoren unterstützten private Unternehmen mit 593 Mio. Euro, während börsennotierte Firmen 1,194 Mrd. Euro einwarben. Mehr als die Hälfte des gesamten Geldes floss dabei nur an zwei Unternehmen: Tubulis GmbH (344 Mio. Euro) und QIAGEN N.V. (642 Mio. Euro). Kein Unternehmen wagte den Schritt an die Börse.
Die Biotechnologie ist ein zentraler Bestandteil der Bioökonomie, weil sie Lösungen für Gesundheit, Ernährung, Umwelt und nachhaltige Produktionsmethoden liefert. Roland Sackers, Vorstandsvorsitzender von BIO Deutschland, erklärt: „Biotechnologie ist eine Schlüsseltechnologie, wir sind eine Schlüsselbranche für Innovation, hochqualifizierte Arbeitsplätze und den Wohlstand Europas.“ Besonders positiv sei, dass viele Start-ups mit kleinen Investitionen unterstützt wurden, um ihre Ideen umzusetzen. Bei größeren Finanzierungen für bereits wachsende Unternehmen gibt es jedoch Nachholbedarf: Außer einer Rekord-Finanzierung von Tubulis gab es nur wenige größere Investitionen. Sackers fordert, dass die EU und die Bundesregierung schnell geplante Förderprogramme umsetzen, damit Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten kann.
Deutschland im internationalen Vergleich
Im Vergleich zu anderen Ländern sammelt die deutsche Biotechnologie noch relativ wenig Kapital ein: In Großbritannien und der Schweiz erhielten Biotech-Firmen bereits in den ersten drei Quartalen mehr Geld als deutsche Unternehmen im ganzen Jahr, wie die BIO Deutschland Geschäftsführerin Viola Bronsema erläutert. US-Unternehmen sammelten in neun Monaten sogar über 14 Mrd. Euro ein. Klaus Ort von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY mahnt: „Wer heute nicht investiert, wird morgen unsere eigene Wissenschaft möglicherweise teuer aus dem Ausland zurückkaufen.“ Neben der Finanzierung sei es auch wichtig, bürokratische Hürden zu reduzieren und Regeln zu vereinfachen, um Deutschland als Standort attraktiv zu machen.
Die Zahlen 2025 zeigen: Biotechnologie ist eine wichtige Säule der Bioökonomie, voller Innovationskraft und bereit für weiteres Wachstum, vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen für Investitionen werden verbessert.
hb