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08.01.2019

Schiffsabfälle nachhaltig verwerten

Der Biomüll von Kreuzfahrtschiffen landet in der Regel im Meer. Forscher und Reedereien entwickeln nun ein Verfahren, um die organischen Abfälle im Hafen energetisch nutzen zu können.

Auf Kreuzfahrtschiffen fallen organische Abfälle wie in einer Kleinstadt an.
Auf Kreuzfahrtschiffen fallen organische Abfallmengen wie in einer Kleinstadt an.
Quelle: 
Pixabay

Kreuzfahrten sind beliebter denn je. Seit 2009 ist die Zahl der Schiffsreisenden weltweit kontinuierlich gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben allein 2018 28 Millionen Menschen weltweit ihren Urlaub an Bord solcher Ozeanriesen verbracht. In diesen schwimmenden Kleinstädten fallen dementsprechend, ähnlich wie an Land, erhebliche Mengen organischer Abfälle an. Bisher wurden diese in zulässigen Zonen im Meer entsorgt. Im BINE-Projekt „Schiffsabfälle verwerten statt verklappen“ haben sich Forscher und Reedereien zusammengetan und ein neues Entsorgungskonzept entwickelt, das die energetische Nutzung von organischen Schiffsabfällen und Klärschlamm möglich macht. Modellregion ist dabei die Ostsee.

Organische Schiffsabfälle umweltfreundlich entsorgen 

Essenreste und Klärschlamm für die Energieerzeugung zu nutzen, ist auf Grund der hohen Anforderungen an die Entsorgung noch sehr unrentabel. Bisher werden an Bord Speisereste und Abwasser in der Regel getrennt. Die Essensreste werden dann meist zerkleinert, in Vakuumtanks gesammelt und anschließend in den zulässigen Zonen in die Meere gekippt. Eine andere, aber teurere Alternative ist die Entwässerung und Trocknung von Speiseresten und Klärschlamm zu Biomüllpulver. Das Verfahren ist jedoch energiezehrend. Außerdem entstehen bei der Trocknung unangenehme Gerüche. Im BINE-Projekt haben die Forscher daher untersucht, wie die riesigen Abfall- und Abwassermengen der Kreuzfahrtschiffe energetisch effizient und entsprechend der EU-Hygienevorgaben verwertet werden können.

Anaerobe Vergärung statt aufwendige Trocknung 

Das neue Konzept zur Behandlung der Bioabfälle sieht nun statt einer energieaufwendigen Trocknung des Biomülls an Bord eine anaerobe Vergärung in einer Biogasanlage im Hafen vor. Dafür werden der flüssige und feste organische Schiffsmüll an Bord gesammelt und einer anaeroben Versauerung unterzogen. Bei diesem Verfahren wird zeitweise die Gasentstehung blockiert, dies führt zur Verflüssigung. In dieser Form kann das Substrat in konventionellen Biogasanlagen in den Häfen verarbeitet werden, wo der Gärrest dann verkohlt wird.

Neue Einnahmequelle für Reedereien 

Für neue im Bau befindliche Kreuzfahrtschiffe haben die Forscher bereits die Abwasserbehandlungsanlage an Bord mit einer Anaerobstufe für eine gemeinsame Verwertung von Abwasserschlamm und Speiseresten ergänzt. Mithilfe der Anlage werden der Überschussschlamm an Bord reduziert, Abwassergrenzwerte eingehalten und weniger Speisereste im Meer entsorgt. Die Entwickler sind überzeugt, dass das neue Verfahren eine umweltfreundliche und zugleich wirtschaftliche Alternative zum bisher teuren Trocknungsprozess darstellt. Es bietet den Reedereien nicht nur eine neue Einnahmequelle, sondern auch die Möglichkeit, Kosten zu senken. 

Das Verfahren wird vom Innovations- und Bildungszentrum Hohen Luckow e.V. im Rahmen des Netzwerkes „Biogas Maritim – Biogastechnologien zur energetischen Verwertung maritimer Abfälle“ vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern (LALLF) durchgeführt.

bb

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