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06.12.2019

Regeln für genom-editierte Pflanzen umschreiben

Wissenschaftsakademien und die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordern von den EU-Gesetzgebern ein Umdenken bei der Regulierung genom-editierter Pflanzen.

Die Leopoldina hat gemeinsam mit der Union der Wissenschaftsakademien und der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Positionspapier zur Genom-Editierung veröffentlicht.
Die Leopoldina hat gemeinsam mit der Union der Wissenschaftsakademien und der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Positionspapier zur Genom-Editierung veröffentlicht.
Quelle: 
Markus Scholz/Leopoldina

Alle Organismen, die gentechnisch verändert wurden, fallen in der Europäischen Union unter die Regelungen für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) – so hat es der Europäische Gerichtshof 2018 entschieden. Das klingt auf den ersten Blick plausibel, doch so einfach ist es nicht, wie bereits die Max-Planck-Gesellschaft herausgestellt hat. Denn je nach Methode können genom-editierte Organismen nicht von natürlichen oder mit konventionellen Züchtungsmethoden induzierten Mutanten unterschieden werden. Deshalb fordern jetzt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in einem gemeinsamen Positionspapier diese Regeln zu überarbeiten.

Resultat statt Methode bewerten

Die Regulierung gentechnisch veränderter Organismen stammt aus einer Zeit, als damit vor allem transgene Organismen gemeint waren, also Organismen, denen artfremde Gene mittels nach heutigen Maßstäben recht unpräzisen Methoden eingesetzt wurden. Bei modernen Methoden der Genom-Editierung wie CRISPR-Cas hingegen werden oftmals lediglich defekte Gene eines Organismus‘ reaktiviert oder funktionale Gene deaktiviert. Beide Effekte kommen permanent infolge natürlicher Mutationen vor und sind die Grundlage klassischer Züchtung. Die Art der gentechnischen Veränderung wird bislang jedoch regulatorisch nicht berücksichtigt – und lässt sich oftmals hinterher nicht mehr erkennen, argumentiert das Positionspapier.

Mehr als 100 verbesserte Sorten in der EU nicht nutzbar

Die Frage, ob auch genom-editierte Organismen unter die bisherige EU-Regulation fallen, ist jedoch keine akademische, wie das Positionspapier betont. Ihre Einbeziehung „erschwert die Erforschung, die Entwicklung und den Anbau verbesserter Nutzpflanzen, die für eine produktive, klima-angepasste und nachhaltigere Landwirtschaft dringend erforderlich sind“, heißt es in der Begründung der Leopoldina. Die Methode beschleunigt zudem die Pflanzenzüchtung erheblich und senkt die Kosten enorm, wovon kleine und mittelständische Unternehmen profitieren. Weltweit gibt es derzeit mehr als 100 marktfähige genom-editierte Nutzpflanzensorten, die Landwirten, Konsumenten oder der Umwelt Vorteile bieten, aber in der EU von der GVO-Verordnung ausgebremst werden. Dazu zählen Sojabohnen mit gesünderen Fettsäuren, glutenreduzierter Weizen, bakterienresistenter Reis, pilzresistente Sorten von Wein, Weizen und Kakao sowie trockentolerantere Sorten von Mais, Weizen und Sojabohnen.

Kennzeichnung und Information überarbeiten

In ihrer Stellungnahme „Wege zu einer wissenschaftlich begründeten differenzierten Regulierung genom-editierter Pflanzen in der EU“ fordern die Wissenschaftseinrichtungen daher als kurzfristige Maßnahme, die Einstufung künftig nicht an der Methode, sondern am Resultat – der Veränderung im Produkt – festzumachen. Ist keine artfremde DNA enthalten, soll der Organismus von der GVO-Verordnung ausgenommen werden, so, wie es in vielen anderen Ländern bereits der Fall ist. Langfristig sei der Rechtsrahmen in diesem Bereich komplett zu überarbeiten.

Darüber hinaus wirbt das Positionspapier dafür, die Freilandforschung mit diesen Organismen zu erleichtern, weil dieser Teil der Forschung bedeutsam ist, um beispielsweise Salz-, Dürre- und Hitzetoleranz auf genetischer Ebene zu verstehen. Auch zur Kennzeichnung nehmen die Wissenschaftseinrichtungen Stellung: Hier soll ein einheitliches System Verbrauchern eine informierte Wahl ermöglichen, begleitet von Informationskampagnen über die unterschiedlichen Züchtungsverfahren.

bl

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