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26.06.2019

Moderne Weizensorten sind leistungsstark

Auch bei weniger Düngemittel- und Pestizideinsatz übertreffen Hochleistungssorten ihre Vorfahren aus der Zeit vor der Intensivierung der Landwirtschaft.

Einige der Anbauversuche fanden auf dem JKI-Versuchsfeld in Quedlinburg statt.
Einige der Anbauversuche fanden auf dem JKI-Versuchsfeld in Quedlinburg statt.
Quelle: 
A.Serfling/JKI

Die Pflanzenzüchtung hat über die Jahrzehnte den Ertrag der Ackerpflanzen kontinuierlich gesteigert. Aber wären diese modernen Hochleistungssorten auch ohne Dünger, chemische Pestizide und sich ändernde klimatische Bedingungen ihren Vorgängern aus der Zeit vor der Intensivierung der Landwirtschaft überlegen? Zu dieser strittigen Frage haben Forscher der Justus-Liebig-Universität Gießen gemeinsam mit Kollegen weiterer deutscher Universitäten und des Julius-Kühn-Instituts erstmals empirische Fakten präsentiert.

32 Kilo je Hektar Mehrertrag

Die Antwort lautet Ja, wie die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Plants“ berichten. An sechs unterschiedlichen Standorten hatten die Forscher rund 200 Weizensorten aus den vergangenen 50 Zulassungsjahren angebaut und analysiert. Wenig überraschend zeigten sich die modernen Sorten unter idealen Bedingungen am leistungsfähigsten: Die neuesten Sorten lieferten durchschnittlich 32 Kilo je Hektar Mehrertrag im Vergleich mit alten Sorten.

Überrascht waren die Forscher jedoch von dem Ergebnis, wenn sie keine Pflanzenschutzmittel und weniger Stickstoffdünger einsetzten: Auch hier erbrachten die modernen Sorten durchweg die höchsten Ertragsleistungen. Selbst unter Dürrestress zeigten sie sich den alten Sorten überlegen. „Es ist ein Mythos, dass alte Sorten unter extensiven Bedingungen besonders gut abschneiden. Das haben unsere Versuche gezeigt“, resümiert Holger Zetzsche vom Julius-Kühn-Institut.

Mehr Resistenzen und bessere Nährstoffverwertung

Genetische Analysen lieferten die Erklärung: Heutige Sorten verfügen nicht nur über eine höhere Ertragsleistung, sondern auch über verbesserte Krankheitsresistenzen und eine effizientere Nährstoffaufnahme und -verwertung. Weil die Selektion auf hohe Erträge über die Jahrzehnte an vielen unterschiedlichen Standorten stattfand, haben sich außerdem viele Eigenschaften akkumuliert, die die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Umweltbedingungen verbessern. Darüber hinaus ergaben die Erbgutuntersuchungen, dass selbst die modernen Sorten noch viel Verbesserungspotenzial in ihrem Genpool bergen.

„Unsere Ergebnisse bestätigen die Züchtungsstrategien der vergangenen Jahrzehnte und auch das behördliche Zulassungsverfahren, das für die Zulassung einer neuen Sorte einen landeskulturellen Wert fordert, in den neben der Ertragsleistung auch Resistenzen eingehen“, bestätigt Frank Ordon, Präsident des JKI, die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Moderne Sorten ideal für extensive Landwirtschaft

Die Studie liefert damit eine klare Botschaft für künftige Veränderungen in der Landwirtschaft, die aus Umwelt- und Klimaschutzgründen mit weniger Pestiziden und Düngemitteln auskommen muss – und das bei sich ändernden klimatischen Bedingungen: Die besten Pflanzensorten für eine extensivierte Landwirtschaft sind die gleichen wie heute im Intensivanbau.

bl

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