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25.07.2014

Lesaffre kauft Biosprit-Pionier Butalco

Der Biokraftstoffspezialist Butalco wird vom Konzern Lesaffre übernommen. Das französische Unternehmen baut so sein Engagement in der weißen Biotechnologie aus.

Die von Butalco entwickelten Hefen können lignocellulosehaltige Biomasse besonders effizient nutzen.
Die von Butalco entwickelten Hefen können lignocellulosehaltige Biomasse besonders effizient nutzen.
Quelle: 
fotolia.de

Der französische Konzern Lesaffre übernimmt den Biokraftstoff-Spezialisten Butalco. Bisher verdiente Lesaffre sein Geld vor allem durch den Verkauf von Bäckerhefen und Hefeextrakten für die Lebensmittelindustrie. Mit Hilfe der neuerworbenen Butalco GmbH will das Unternehmen nun auch in der Bioethanol-Produktion weiter Fuß fassen. Gelingen soll dies unter anderem mit speziellen Hefestämmen, die in der Lage sind, Biomasse besonders effizient umzusetzen. Entwickelt wurden die Turbohefen von Butalco an der Universität Frankfurt.

Hefen sind die Arbeitspferde in der industriellen Biotechnologie. Sie werden genutzt, um aus Biomasse wertvolle Rohstoffe wie Plattformchemikalien oder Bioethanol herzustellen. Damit das möglichst effizient gelingt, werden in der industriellen Biotechnologie fast ausschließlich speziell entwickelte Produktionsstämme eingesetzt. Sie werden maßgeschneidert für die jeweilige Anwendung entwickelt, um gezielt ein bestimmtes Produkt herzustellen oder einen bestimmten Stoff umzuwandeln. Durch diese Anpassungen sind die Hefen aus dem Labor den in der freien Natur vorkommenden Bäckerhefe Saccharomyces cerevisiae überlegen. Das hilft Abfälle zu vermeiden und Kosten zu sparen.

Turbohefen für effizientere Fermentation

Butalco hat sich auf genau diese Arbeiten spezialisiert. Das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz hat gentechnisch veränderte Hefestämme entwickelt, die in der Lage sind, Fünffachzucker umzusetzen. Genau dies ist bisher eine Schwäche vieler industriell genutzter Hefen. Sie sind bei ihrer Kost äußerst wählerisch. „Das Problem liegt in der Zuckeraufnahme in die Hefezelle“, sagt Eckhard Boles, einer der Mitgründer von Butalco. „Das Zuckertransportsystem bevorzugt die Aufnahme von Glucose. Erst wenn diese verbraucht ist, kann auch die Xylose aufgenommen und in Bioethanol umgewandelt werden“, erläutert Boles im Gespräch mit . Dieses mehrstufige Vorgehen macht die Verfahren unter dem Strich aufwendiger und verursacht höhere Kosten. Die von Butalco entwickelten Turbohefen haben in ihrer Membran zusätzlich spezielle Xylose-Transporter, so dass sie gleichzeitig Glucose und Xylose aufnehmen und damit deutlich schneller zu Bioethanol umsetzen.

Butalco: Wurzeln in Frankfurt

Butalco wurde 2007 von Boles gemeinsam mit dem Investor Gunter Festel in der Schweiz gegründet. Die Wurzeln des Unternehmens liegen jedoch mitten in Deutschland, genauer an der Universität Frankfurt. An der Goethe-Universität ist Boles Professor für Molekulare Biowissenschaften. Bis heute verlässt sich Butalco für die Forschungsarbeiten auf eine Kooperation mit der Universität. Das Unternehmen finanziert Forschungsprojekte, Mitarbeiter und Geräte und darf im Gegenzug die Erfindungen nutzen, die sich daraus entwickeln. „Zwei Patentanmeldungen entstanden recht schnell, in denen es um Isobutanol geht. Vier weitere Erfindungen, die ich vorher zur Vergärung von Abfallzuckern gemacht hatte, kaufte Butalco der Uni ab“, erzählt Mitgründer Boles. Die Kooperation soll auch nach der Übernahme von Butalco durch Lesaffre weitergeführt und sogar ausgebaut werden, so Boles.

Auch Butalco und Lesaffre verbindet eine mehrere Jahre währende Geschäftsbeziehung. Bereits Anfang 2012 sicherte sich Lesaffre die Rechte an einem Butalco-Patent für eine Hefe, mit der sich der Kraftstoff Bio-Ethanol aus dem Abfallzucker Xylose industriell herstellen lässt. Mehrere Millionen Euro sollen damals durch den Verkauf des Schutzrechts erlöst worden sein. Wie viel Geld für die nun erfolgte vollständige Übernahme geflossen ist, teilen die Geschäftspartner hingegen nicht mit.

Lesaffre: Neuer Fokus auf industrielle Biotechnologie

Der französische Konzern Lesaffre setzte im vergangenen Jahr mit 7.700 Mitarbeitern rund 1,56 Milliarden Euro um, vor allem durch den Verkauf von Bäckerhefen und Hefeextrakten. Durch die Übernahme könne sein Unternehmen das Angebot an Ethanol-Kraftstoffen der zweiten Generation optimieren, sagte Didier Masy. Das Unternehmen hatte erst kürzlich seine Geschäftseinheit Lesaffre Advanced Fermentation Technologies gegründet. Künftig soll auch die Butalco GmbH als eigenständiges Unternehmen zu dem Leaf Technologies genannten Geschäftsbereich gehören. Die Ausbaupläne für diese Biotech-Sparte sind ehrgeizig. In fünf Jahren will Lesaffre rund 30% seines Umsatzes in diesem Bereich erzielen. Dafür ist das französische Unternehmen gerade auf Einkaufstour in ganz Europa. Erst im Februar wurde Agrauxine übernommen. Die Firma in Angers, Frankreich, ist auf die Herstellung von biobasierten Pflanzenschutzmitteln und Düngern spezialisiert. Im vergangenen Dezember wurde Lesaffre in Italien fündig und kaufte die Firma Omniabios. Das Unternehmen hat sich auf die Aufreinigung von S-Adenosyl-L-Methionin spezialisiert. Das natürlicherweise auch im menschlichen Körper produzierte Molekül wird als Nahrungsmittelzusatzstoff genutzt, und soll Osteoarthritis und Depression mildern.

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