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22.09.2020

Landwirtschaft schadet Wildpflanzen

Untersuchungen des Fortpflanzungserfolgs von 1.200 Pflanzenarten zeigen, wie Bestäuberleistungen durch Landwirtschaft und Urbanisierung beeinflusst werden.

Die Schmetterlingsart Battus philenor ist vor allem in Nordamerika verbreitet, wo sie an der Bestäubung von Wildpflanzen beteiligt ist.
Die Schmetterlingsart Battus philenor ist vor allem in Nordamerika verbreitet, wo sie an der Bestäubung von Wildpflanzen beteiligt ist.
Quelle: 
Amibeth Thompson

Hat der dramatische Rückgang der Insektenbestände in den vergangenen Jahren ähnlich gravierende Auswirkungen auf die Populationen von Pflanzen, deren Fortpflanzung an der Bestäubung durch Insekten hängt? Die Vermutung liegt nahe, doch belastbare Daten liefert jetzt erstmals eine große Studie unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), die im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

1.200 Pflanzenarten ausgewertet

Die Wissenschaftler haben dazu Publikationen von rund 2.000 Experimenten mit insgesamt mehr als 1.200 Pflanzenarten aus der ganzen Welt ausgewertet, in denen der Zusammenhang zwischen Bestäubung und Fortpflanzungserfolg untersucht worden war. „Wenn die Pflanzen, die auf natürliche Weise bestäubt wurden, weniger Früchte oder Samen produzieren als die Pflanzen, die zusätzlich von Hand bestäubt wurden, dann ist die Fortpflanzung dieser Pflanzen eingeschränkt – man spricht von einer Pollenlimitierung“, erläutert Projektleiterin Joanne Bennett den Ansatz. „Solche Experimente sind hervorragend dazu geeignet, den Fortpflanzungserfolg von Pflanzen und die Bestäubung zueinander in Bezug zu setzen.“

Spezialisten besonders bedroht

Das Ergebnis ist eindeutig: Wildpflanzen in intensiv genutzten Landschaften sind gegenüber ihren Artgenossen in natürlicher Umgebung generell stark in ihrer Bestäubung eingeschränkt. Im Detail bestehen Unterschiede zwischen der jeweiligen Art der Landnutzung – beispielsweise Landwirtschaft oder Urbanisierung. Und ebenso, wie die Landnutzung unterschiedliche Bestäuberinsekten verschieden stark beeinträchtigt, ist nicht jede Pflanzenart in ihrer Bestäubung betroffen. Spezialisten sind dabei besonders bedroht, während Arten, die von Honigbienen bestäubt werden, in landwirtschaftlichen Gebieten weniger stark beeinträchtigt sind als andere Arten.

Landnutzung verändert Pflanzengemeinschaften

„Die Beziehungen zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern haben sich über Millionen von Jahren entwickelt. Die Menschen verändern diese Beziehungen jetzt innerhalb weniger Jahre“, warnt Bennett. Die bei vielen Arten verringerte Bestäubung führt zu einem verringerten Fortpflanzungserfolg. Mit der Zeit könnte die intensive Landnutzung daher dazu führen, dass insbesondere auf bestimmte Bestäuber spezialisierte Pflanzenarten aus den Pflanzengemeinschaften verschwinden und ihr Platz durch sogenannte Generalisten eingenommen wird, die durch eine Vielzahl unterschiedlicher Insekten bestäubt werden können.

bl

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