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30.04.2019

Genomanalyse: Die Verwandten der Weinrebe

Chinesische Pflanzenforscher haben die Genome von 472 verschiedenen Wildformen der Weinrebe entziffert und analysiert. Ein Rebenarchiv aus Karlsruhe steuerte Material bei.

Dem Erbgut der Weinrebe auf der Spur – ein chinesisches Team hat das Genom eines Großteils der Arten entschlüsselt. Das Botanische Institut des KIT stellte hierzu seine weltweit einmalige Sammlung europäischer Wildreben zur Verfügung.
Dem Erbgut der Weinrebe auf der Spur – ein chinesisches Team hat das Genom eines Großteils der Arten entschlüsselt. Das Botanische Institut des KIT stellte hierzu seine weltweit einmalige Sammlung europäischer Wildreben zur Verfügung.
Quelle: 
Peter Nick, KIT

Die seit rund 6.000 Jahren domestizierte Weinrebe hat etwa 60 wilde Verwandte, darunter auch die europäische Wildrebe Vitis vinifera ssp. vinifera. Sie gilt als Ursprung des Weinanbaus mit weltweit etwa 10.000 Varietäten. Viele dieser Wildarten sind bedroht und waren bislang genetisch nicht erfasst. Von 48 dieser 60 Arten haben chinesische Forscher nun die Genome analysiert und dazu auch auf eine Sammlung des Botanischen Instituts des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zurückgegriffen. Dieses weltweit einmalige Archiv enthält den gesamten in Deutschland noch existierenden Genpool der Weinrebe.

Gesamte Biodiversität erfasst

„Dieser riesige Datensatz erlaubt uns, ein umfassendes Bild über die Evolution der Weinrebe zu entwerfen. Er wird auch in der Zukunft noch zahlreiche Facetten aus der Geschichte unserer Kulturrebe offenbaren“, freut sich Peter Nick, Professor für Molekulare Zellbiologie am Botanischen Institut. „Wir haben damit nicht nur die gesamte Biodiversität dieser Art erfasst, sondern auch die gesamte genetische Information zur Verfügung, um diese gezielt zu nutzen.“

Bedeutsame Gene identifiziert

Im Fachjournal „Nature Communications“ berichten die Forscher, dass sich beispielsweise Arten aus der Schwarzmeer-Region deutlich von anderen kultivierten Weinarten unterscheiden. Außerdem förderten die Genomanalysen bereits Hinweise zutage, welche genetischen Parameter Einfluss auf die Genießbarkeit der Trauben haben, und wie sich die Stressresistenz der Reben erhöhen lassen könnte. Auch wurden Kandidatengene identifiziert, die für die Form der Trauben und deren Aroma verantwortlich sein dürften.

Datenbank für Weinzüchter

Das Team am KIT hat die Genomdaten inzwischen in eine Datenbank überführt, die alle heimischen Reben umfasst. Für jedes Gen lassen sich so die existierenden Varianten der gesamten Sammlung abrufen und vergleichen. Das birgt ein großes Potenzial für die Weinzüchtung, da Züchter so jene Arten identifizieren können, die für ihre jeweiligen Anforderungen genetisch am besten geeignet sind.

bl

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