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22.07.2019

Eiweißreiches Tierfutter aus Insektenlarven

Insektenlarven als proteinreiches Tierfutter: Am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf wird die Soldatenfliege als Ressource erforscht.

Innerhalb von wenigen Wochen erreichen die Larven ihr ausgewachsenes Gewicht, das für die Futtermittelgewinnung von Interesse ist.
Innerhalb von wenigen Wochen erreichen die Larven ihr ausgewachsenes Gewicht, das für die Futtermittelgewinnung von Interesse ist.
Quelle: 
Manfred Mielenz

Proteine sind ein wichtiger Bestandteil von Futtermitteln. Doch proteinreiche Futterpflanzen wie Lupinen und Erbsen sind auf europäischen Äckern noch immer Nischenprodukte. Hauptsächlich stammt das Protein in der europäischen Viehfütterung aus Soja- und Fischmehlimporten. Nach der Vorstellung von Forschern des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) könnten künftig Larven der Soldatenfliege als Proteinquelle genutzt werden. Daher wird das Insekt als Nutztier nun näher erforscht. In einem schwülwarmen, klimatisierten Raum mit spezieller Beleuchtung existiert eine Kolonie Soldatenfliegen. „So schaffen wir optimale klimatische Bedingungen für die Fliegen und ihre Larven und können nicht nur die Verwertung von Reststoffen als Nährsubstrate für die Larven, sondern auch die genetischen Grundlagen im Detail untersuchen“, betont Cornelia Metges, die Leiterin des Instituts für Ernährungsphysiologie „Oskar Kellner“ am FBN.

100 Kilo Larven aus wenigen Gramm Eiern

„Ein Generationszyklus dauert rund sechs Wochen“, erläuterte der Biologe Manfred Mielenz. „Dabei durchläuft die Fliege fünf Entwicklungsphasen vom Ei-, Larven-, Vorpuppen- bis zum Puppen- und Erwachsenenstadium.“ Aus wenigen Gramm Eiern könne man 100 Kilogramm Larven gewinnen. „Das ist eine einzigartige Effizienz“, betont der Forscher. Eine Larve wiegt durchschnittlich 140 Milligramm und besteht hauptsächlich aus Eiweiß und Fetten. Von der Larvenaufzucht versprechen sich die Leibniz-Forscher zudem einen doppelten Nutzen. Um die Larven zu ernähren, kommen nicht nutzbare Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie wie Gärreste aus der Bierherstellung, Küchenabfälle und Erntereste in Frage. Auf diesem Weg könnten organische Abfälle reduziert und gleichzeitig hochwertiges Eiweiß für Tierfutter hergestellt werden.

Offene wissenschaftliche Fragen und rechtliche Voraussetzungen

In der Haustierfütterung haben Larven bereits einen festen Platz als Lieferanten für Proteine. Um die Insekteneiweiße auch in der Nutzviehhaltung einsetzen zu können, wollen die Forscher nun noch einige offene Fragen klären. „In der Zusammenarbeit mit unseren Instituten für Genombiologie, Fortpflanzungsbiologie sowie Muskelbiologie und europäischen Partnern wie der britischen Universität Exeter wollen wir möglichst viel über Insekten als wertvolle und umweltfreundliche Eiweißlieferanten der Zukunft erfahren“, kündigt Ernährungsphysiologin Metges an.

Die rechtlichen Voraussetzungen, um Larven in der Viehzucht zu verfüttern, müssten auf EU-Ebene noch geschaffen werden. Besonders interessant wäre die neue Proteinquelle vor allem für die Schweine- und Geflügelhaltung. Als Futterinsekten kämen neben der etwa zwei Zentimeter großen Schwarzen Soldatenfliege auch Mehlwürmer und Heuschrecken in Frage.

bl

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