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30.10.2017

Düngen: die unterschätzte Feinstaubquelle

Laut Mainzer Max-Planck-Forschern und internationalen Kollegen könnte ein verminderter Düngemitteleinsatz die Feinstaubbelastung und daraus resultierende Todesfälle deutlich senken.

Eine wichtige Quelle für Feinstaub: Landwirtschaftliche Ammoniakemissionen aus Düngung und Viehzucht.
Eine wichtige Quelle für Feinstaub: Landwirtschaftliche Ammoniakemissionen aus Düngung und Viehzucht.
Quelle: 
Wald1siedel/Creative-Commons Lizenz

Die Luftverschmutzung ist in Großstädten bekanntermaßen besonders schlimm. Straßenverkehr, Heizkraftwerke, Müllverbrennungsanlagen sowie Öfen und Heizungen treiben die Feinstaubbelastung in die Höhe und stellen ein Gesundheitsrisiko dar. Doch auch die frische Luft auf dem Land ist durch Feinstaub belastet, wie eine internationale Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz zeigt.

Feinstaub-Konzentration durch weniger Dünger drosseln

Landwirtschaftliche Ammoniakemissionen, die durch Düngung und Viehhaltung verursacht werden, sind demnach ein wichtiger, bislang aber unterschätzter Treiber für die Luftbelastung, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Atmospheric Chemistry and Physics“ berichten. Ihre Berechnungen ergaben: Besonders in Europa und Nordamerika könnte durch die Verringerung von Ammoniak-Emissionen aus Düngung und Viehhaltung die Feinstaub-Konzentration stark gedrosselt werden.

Weniger Todesfälle durch Luftverschmutzung

Eine Reduzierung um 50% würde die Zahl der jährlichen Todesfälle, die auf Luftverschmutzung zurückzuführen sind, weltweit bereits um 250.000 senken. Ein genereller Stopp von Ammoniakemissionen würde sogar 800.000 Menschen vor den tödlichen Folgen der Luftverschmutzung bewahren. „Eine effiziente Luftverbesserung setzt erst ab einem bestimmten Reduktionswert ein“, erläutert Andrea Pozzer, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie und Hauptautor der Studie. Eine Verringerung der Ammoniakemissionen von über 50% wäre Pozzer zufolge daher besonders effektiv und wünschenswert.

Mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern ist der unsichtbare Feinstaub laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besonders gefährlich. Diese mikrometerkleinen Partikel gelangen mit jedem Atemzug in die Lunge und können Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verursachen. In einer früheren Studie hatten Max-Planck-Forscher errechnet, dass im Jahr 2010 weltweit 3,3 Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung starben. Schon damals hatten die Mainzer auf die Rolle der Landwirtschaft bei der Feinstaubbelastung hingewiesen. Im Rahmen der aktuellen Studie hatte sich das Team  auf Regionen konzentriert, in denen die Grenzwerte der Luftverschmutzung besonders häufig überschritten wurden: Nordamerika, Europa, Süd- und Ostasien.

Landwirtschaft als Feinstaubquelle vernachlässigt

“Öffentlich wird derzeit vor allem die Feinstaubbelastung durch den Verkehr diskutiert, andere Quellen wie etwa die Landwirtschaft werden dabei vernachlässigt“, sagt Jos Lelieveld, Direktor der Abteilung Atmosphärenchemie am Max-Planck-Institut für Chemie. Lelieveld verweist drauf, dass der meiste Feinstaub jedoch erst durch chemische Prozesse in der Atmosphäre während des Windtransports entsteht: Durch die Zersetzung von Gülle und durch die Düngung von Nutzpflanzen entweicht Ammoniak in die Atmosphäre. Hier reagiert der Stoff mit anorganischen Stoffen, wie Schwefel- und Salpetersäure zu Ammoniumsulfat und Nitratsalzen, woraus wiederum Feinstaubpartikel entstehen. „Daher könnte die Konzentration der Feinstaubteilchen in der Atmosphäre deutlich sinken, wenn Ammoniakemissionen in der Landwirtschaft vermieden würden“, so Lelieveld.

Grenzwerte für Ammoniak

Die Forscher appellieren: Maßnahmen zur Reduktion von Schwefeldioxid und Stickoxiden sollten mit einer Reduzierung von Ammoniak in der Landwirtschaft einher gehen. „Emissionsregelungen sollten insbesondere in Nordamerika und Europa striktere Grenzwerte für Ammoniak festlegen, um die Feinstaubkonzentrationen effektiv zu reduzieren“, sagt Lelieveld.

bb

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