Newsletter

Link versenden
14.01.2014

Branchenbarometer: Biotech-Manager optimistisch für 2014

Die Stimmung unter den Managern der deutschen Biotechnologie-Branche ist so gut wie lange nicht. Das geht aus der aktuellen Umfrage von BIO Deutschland und dem Branchenmagazin |transkript hervor.

Andreas Mietzsch (|transkript), Viola Bronsema, Peter Heinrich und Claudia Englbrecht (alle BIO Deutschland, v. l. n. r.) präsentieren die Umfrageergebnisse.
Andreas Mietzsch (|transkript), Viola Bronsema, Peter Heinrich und Claudia Englbrecht (alle BIO Deutschland, v. l. n. r.) präsenti

Sollten sich die Erwartungen der Manager erfüllen, steht der Biotech-Industrie wohl ein außergewöhnlich gutes Jahr bevor. Die aktuelle Geschäftslage wird von ihnen so positiv wahrgenommen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Auch in der Einschätzung des aktuellen und zukünftigen politischen Klimas in Deutschland hat es eine klare Trendwende zum Positiven gegeben.  Das hat eine Umfrage des Branchenverbandes BIO Deutschland, in Kooperation mit dem Life Sciences-Magazin |transkript, ergeben. Die Ergebnisse wurden am 14. Januar in Berlin vorgestellt. Erfreulich: Im vergangenen Jahr sind die Kapitalinvestitionen in Biotechnologie-Firmen um 20 Prozent gestiegen und liegen somit wieder über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

„Viel Licht und ein wenig Schatten“, so beschrieb Andreas Mietzsch, der Herausgeber von |transkript das Motto für die Jahresvorschau. Und tatsächlich gibt es viel Positives zu berichten: Bis auf eine Ausnahme zeigen alle in der Umfrage erhobenen Indikatoren nach oben: Die Biotech-Unternehmen wollen 2014 verstärkt Personal einstellen. Zum ersten Mal seit drei Jahren ist der entsprechende Indexwert wieder gestiegen: um 2,80 Punkte auf 95,32. Ein Grund für den möglichen Beschäftigungszuwachs dürfte die positive Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sein. Mit 99,13 Punkten (+2,64) markiert der Wert einen sechsjährigen Höchststand. „Rund 95 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre eigene Lage als gut oder befriedigend“, betont Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland.

Investitionen in Forschung und Entwicklung dürften sinken

Ähnlich verhält es sich mit der Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage, die ebenfalls positiver ausfällt. Der Indexwert stieg um 1,13 Punkte auf 92,12. Lediglich die Bereitschaft der Firmen, in Forschung und Entwicklung zu investieren, ist der Umfrage zufolge zurückgegangen. Mit 93,05 Punkten liegt der Wert 3,05 Punkte unter dem Vorjahresergebnis. Drei mögliche Gründe für diesen seit 2010 bestehenden Trend hat die BIO Deutschland Geschäfstführerin Bronsema dafür ausgemacht: „Unternehmen priorisieren ihre Forschungsprojekte wegen Kapitalmangels.“ Zudem dürften gerade im Wahljahr einige Firmen mit einer Investitionsentscheidung gewartet haben, bis sich die politischen Rahmenbedingungen geklärt hatten. Außerdem sei der Rückgang aber auch das Zeichen für eine Reifung der Branche: Gerade erfolgreiche Unternehmen, die ein Produkt am Markt haben, müssten nicht mehr nur in Forschung und Entwicklung investieren, sondern aus dem Budget beispielsweise auch Marketing- und Vertrieb bezahlen.

Politische Rahmenbedingungen deutlich positiver beurteilt

Gerade bei der Einschätzung der aktuellen politischen Rahmenbedingungen gab es hingegen große Veränderungen. Offenbar startet die große Koalition mit einigen Vorschusslorbeeren: Die Einschätzung des aktuellen politischen Klimas hat einen langjährigen Trend durchbrochen und liegt mit 97,31 Punkten (+5,61) auf ähnlichem Niveau wie nach der Bundestagswahl 2009. Auch die zukünftige Entwicklung des politischen Klimas wird deutlich positiver eingeschätzt (88,65 Punkte, +4,00).

Finanzierungssituation bleibt angespannt

Trotz der guten Stimmung, ein Wermutstropfen bleibt: Die Finanzierungssituation vieler Unternehmen dürfte auch in diesem Jahr angespannt bleiben. Zwar summierten sich die Finanzinvestitionen 2013 auf rund 365 Millionen Euro  – und lagen damit sowohl rund 20 Prozent über dem Wert des Vorjahres (300 Millionen Euro), als auch über dem fünfjährigen Mittelwert von 344 Millionen Euro. Trotzdem sei die Branche auf den ausreichenden Zufluss von Wagniskapital angewiesen, so Peter Heinrich, der Vorstandsvorsitzende von BIO Deutschland: „Die mangelnde finanzielle Förderung innovativer kleinerer und mittlerer Unternehmen in Deutschland bleibt ein großes Problem." Auch beim Wagniskapital und bei Börsengängen fänden Unternehmen in anderen Ländern häufig bessere Bedingungen vor, was ja gerade in den USA im Moment zu einem Investitionsschub und einem regelrechten Biotech-Boom geführt habe. „Obwohl 2013 keine Börsengänge stattfanden, konnten sich zahlreiche Aktionäre an Biotech-Investments erfreuen. Unter den 12 unterschiedlichen Unternehmen im Prime IG Biotech der Deutschen Börse gab es lediglich zwei Kursverlierer; genauso viele Firmen konnten ihren Wert mehr als verdoppeln", konstatierte Heinrich.

Bedeutung der Biotechnologie wächst

Insgesamt lässt sich aus den Umfrageergebnissen herauslesen, dass die Unternehmen trotz knapper Kassen von ihren Geschäftsmodellen überzeugt sind. Dies liegt auch darin begründet, dass die Bedeutung der Biotechnologie wächst. Längst findet sie nicht nur in dem besonders von Kapital abhängigen Bereich der Medikamentenentwicklung ihren Einsatz. Stattdessen werden biotechnologische Verfahren immer häufiger in klassischen Industrien wie dem Automobilbau, der Chemie oder der Kosmetik eingesetzt. Die hier entwickelten biobasierten Produkte reduzierten die Abhängigkeit von fossilen Ressourcen wie Erdöl, Erdgas oder Kohle und schonten so Klima und Umwelt, hieß es in Berlin. Sowohl die Gesundheitswirtschaft als auch die Bioökonomie werden im Koalitionsvertrag mehrmals erwähnt. Entsprechend hoch seien die Erwartungen der Unternehmen an die Politik.

Back to top of page