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28.06.2017

Bionik: Hafttrick der Zecke gelüftet

Bionik-Forscher aus Dresden und Kiel sind dem Hafttrick von Zecken auf die Spur gekommen. Nun kennen sie Oberflächen, auf denen die Blutsauger deutlich weniger Halt haben.

Ein Zecken-Männchen hält sich auf einem Hautabdruck (Epoxidharz) des menschlichen Unterarms mit sieben seiner acht Füße fest.
Ein Zecken-Männchen hält sich auf einem Hautabdruck (Epoxidharz) mit sieben von acht Füßen fest.
Quelle: 
Dagmar Voigt

Zecken sind unscheinbare Spinnentiere, die zahlreiche Erreger mit sich tragen. Neben der Infektionskrankheit Borreliose ist vor allem die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) für den Menschen gefährlich. Denn das Virus kann die Hirnhaut und das zentrale Nervensystem angreifen. Bei der Suche nach Futter erweisen sich die Blutsauger nicht nur als äußerst geduldig. In den knapp drei Jahren ihrer Lebenszeit verbringen sie 90 Prozent der Zeit lauernd auf Gräsern, Kräutern und Sträuchern und halten Ausschau nach menschlichen oder tierischen Opfern. Auch überwinden sie beachtliche Stecken und Hindernisse, um an ihre Opfer heranzukommen.

Haftprotein auch in Zeckenfüßen

Wie Spinnentiere wie Zecken Hindernisse wie Pflanzen aber auch Haut und Haare überwinden und darauf Halt finden, haben Forscher der Technischen Universität Dresden (TUD) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) am Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) untersucht. Wie  das Team im Fachjournal „Journal of Experimental Biology“ berichtet, überraschte dabei insbesondere die Funktion der Zeckenfüße und die Erkenntnis, dass ihr Hafttrick nicht überall funktioniert. „Dass nicht nur das Haftkissen, sondern auch die transparenten Krallen fast vollständig mit dem elastischen Protein Resilin gefüllt sind, ist eine Überraschung. Vorab haben wir nie Resilin in den Krallen anderer Spinnentiere und Insekten beobachtet“, erklärt Dagmar Voigt vom Institut für Botanik der TUD.

Bekannt war, dass Zecken über gekrümmte, spitze Krallen und einem dazwischenliegenden Haftkissen verfügen. Mithilfe des Haftpads, das aus einer haftenden Flüssigkeit besteht und wie eine Ziehharmonika auf- und zugefaltet werden kann, können sie sich sehr gut auf ebenen Flächen wie Glas oder Haut halten. Die Krallen nutzen sie hingegen auf rauen Oberflächen und Haaren, um Halt zu finden. Auf dem Boden oder auf verunreinigten Oberflächen klappen die Zecken hingegen ihre Füße ein und laufen auf dem Fußgelenk. Klauen als auch Haftpads sind bei weiblichen Zecken jedoch größer. Mit einer Kraft, die mehr als das 500-fache des eigenen Körpergewichts beträgt, können sie so an glatten Flächen problemlos andocken. Das gibt den Weibchen vor allem beim Blutsaugen Sicherheit, wenn das Körpergewicht um das 135-fache zunehmen kann.

Weniger Halt auf Slikon und Kunstharz

In ihren Inversions-, Zentrifugal- und Zugkraftexperimenten konnten die Dresdner und Kieler Forscher jedoch auch nachweisen: Der Haftmechanismus der Zecke wirkt nicht auf allen Oberflächen. Auf Silikonabdrücken der Haut sowie auf mikrorauen Kunstharzoberflächen ist die Haftkraft der Studie zufolge deutlich geringer. Das gibt Hoffnung auf neue Materialien, die Zecken abwehren, bevor sich die Krankheitsüberträger beim Menschen festkrallen können. „Unsere Experimente zeigen ganz deutlich, wie eine zukünftige technische Oberfläche mit einer Antihaftwirkung für die Zecken aussehen kann“, resümiert Stanislav Gorb vom Zoologischen Institut der CAU.

bb

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