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28.11.2017

Die Algen-Biogasanlage für daheim

Johann
Bauerfeind

Beruf

Biotechnologe

Position 
Gründer von SOLAGA

Quelle: 
Johann Bauerfeind
Das Berliner Start-up SOLAGA, mitgegründet von Johann Bauerfeind, gewinnt aus photosynthesetreibenden Bakterien Biogas für private Haushalte.

Der Energiebedarf steigt, aber die Ressourcen schwinden. Um dem entgegenzuwirken entwickelt das Berliner Start-up SOLAGA eine neue Methode, um aus pflanzlicher Biomasse Biogas für private Haushalte zu gewinnen. Johann Bauerfeind und Benjamin Herzog erforschen, wie Cyanobakterien Sonnenlicht in Biogas umwandeln können und entwickeln die dafür notwendigen Solarmodule. Nach etwa zwei Jahren Vorlaufzeithaben haben sie nun den ersten Prototyp vorgestellt. In einem zweistufigen Prozess entsteht darin reines Biomethan aus Sonnenlicht, CO2, Sauerstoff sowie einigen Spurenelementen. Kunden könnten damit zukünftig nicht nur ihren eigenen Strom herstellen, sondern wären zugleich auch aktiver Bestandteil der Energiewende.

Frage 

Wie kam es zu der Idee, Energie aus Mikroalgen zu produzieren?

Antwort 

Ich komme eigentlich aus der Synthetischen Biologie, über die ich auch den Mitgründer Ben kennengelernt habe. Er arbeitete damals bereits mit Cyanobakterien und erzählte mir von dem neuen Ansatz der Energiegewinnung. Ich kannte vorherige Ansätze und Probleme aus dem Bereich der Biotreibstoffe und erkannte schnell dessen Potenzial. Verfahrenstechnisch ist die Nutzung von Mikroalgenbiofilmen sehr elegant. Auch die Idee, deren Sekretionsprodukte als Substrat zur Biogasgewinnung zu nutzen, löst viele Unbequemlichkeiten die mit der Kultivierung von Algen in Suspension einhergeht. Zusammen entwarfen wir ein Konzept und arbeiteten die verfahrenstechnischen und strategischen Details aus. 

Frage 

Wie nachhaltig ist Ihr Ansatz der Biogasgewinnung?

Antwort 

Als Gesellschaft brauchen wir eine klare Abkehr von den bestehenden fossilen Energieträgern und einen großen Pool an erneuerbaren Alternativen, um spartenübergreifend auf fossile Rohstoffe verzichten zu können. Unsere Technologie hat das Potenzial, einen wirklich CO2-neutralen und leicht speicherbaren Energieträger herzustellen. Zusätzlich reinigen unsere Systeme noch die Umgebungsluft von Schadstoffen. Biogas ist ein sehr flexibler Energieträger und kann für Leuchtmittel, zum Heizen, Kühlen oder gar für die Kraft-Wärmekopplung genutzt werden. Da uns bewusst ist, dass der Energiemarkt sehr konservativ ist, versuchen wir auch die anderen Funktionen unserer Systeme, wie die CO2-Fixierung und Sauerstoffproduktion in den Vordergrund zu stellen und so gleichzeitig die Öffentlichkeit für einen nachhaltigeren Konsum zu sensibilisieren. 

Frage 

Wo lagen die größten technischen Schwierigkeiten bei der Realisierung Ihres Projektes?

Antwort 

Die Anzucht unserer standardisierten Algenmatten ist weltweit einmalig und geht einher mit einem fundamentalen Verständnis der natürlichen Stoffströme. Auch das Gesamtkonzept auf verfahrenstechnischer Ebene stabil abbilden zu können, erforderte einiges an Fingerspitzengefühl und Mut zu großen Hypothesen. Beispielsweise reagieren immer wieder Forscher aus dem Feld erstaunt, wenn wir ihnen zeigen, dass unsere Mikroalgenbiofilme auch nach 1,5 Jahren noch metabolisch aktiv sind. 

Frage 

Welches Feedback gab es zur Ihrem technischen Ansatz und der Firmengründung von Kollegen aus der Industrie?

Antwort 

Das ist sehr positiv. Wir wurden als eines der Best-Practice-Beispiele vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft vorgeschlagen. Auch haben wir eine strategische Zusammenarbeit mit KIC InnoEnergy, einem Frühphaseninvestor in der Cleantech- und Energiebranche, gestartet. Trotzdem erfordert das Verstehen unseres Konzeptes immer einiges an Zeit. Das liegt vor allem darin, dass die technische Nutzung von Mikroalgenbiofilmen so schlecht erforscht ist.

Frage 

Was ist Ihr nächstes Ziel?

Antwort 

Zunächst arbeiten wir mit Prof. Hudson an der KTH Stockholm zusammen, um unsere Mikroalgenbiofilme zu optimieren, charakterisieren sowie den Stand des Wissens zur technischen Nutzung von Mikroalgenbiofilmen zu aktualisieren. Im nächsten Jahr wollen wir dann eine neue und größere Produktionsstätte beziehen. Im Frühjahr und Sommer sammeln wir dann unsere Feldversuchsdaten im Rahmen eines Forschungsprogramms an der Ufafabrik. In Zusammenarbeit mit der GASAG wollen wir dann auch erstmalig die Biogasproduktion am Infralab auf dem EUREF Campus testen. Es wird also noch bis etwa 2019/2020 dauern, bis unser erstes marktfähiges Produkt im Energiebereich erhältlich sein wird. 

Interview: Judith Reichel

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