Finnland

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In Finnland sind die dichten Nadelwälder die zentrale Ressource der Bioökonomie. Immerhin sind 80% der Landfläche bewaldet, womit das Land zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas zählt.

Doch schon jetzt erreicht hier die biobasierte Wirtschaft aus ökonomischer Sicht einen enormen Stellenwert. Dies betrifft vor allem die Sektoren Land- und Forstwirtschaft, die chemische Industrie und den Lebensmittelsektor. So nutzen bereits ein Drittel der Chemieunternehmen nachwachsende Rohstoffe. Im Jahr 2014 hat die Regierung eine Politikstrategie zur Bioökonomie veröffentlicht. Zwei Jahre später wurde ein Fahrplan zur Kreislaufwirtschaft aufgesetzt. Finnland fokussiert dabei vor allem auf die Verwertung von Biomasse für verschiedenste Anwendungen.

Rechtliche und politische Grundlagen

Als erstes Land weltweit präsentierten die Finnen im Jahr 2016 ihren Fahrplan für eine Kreislaufwirtschaft (2016-2025). Zwei der fünf hier priorisierten Themenkomplexe sind eng mit der Bioökonomie verknüpft: Nachhaltige Ernährungssysteme und forstwirtschaftliche Kreisläufe. Erreicht werden soll hiermit ein nachhaltiges Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand im Land. Zwei Jahre zuvor, 2014, veröffentlichte die Regierung – und hier insbesondere das Finnische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft als zentraler Akteur – eine Bioökonomie-Strategie. Hierin wird die Bioökonomie als ein künftiges grünes Wachstumsfeld im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung ausgewiesen. So zielt diese Strategie auf neue Geschäftsmöglichkeiten und Arbeitsplätze, aber auch auf Perspektiven für Bildung und Forschung sowie die nachhaltige Nutzung von Biomasse. Adressiert werden von ihr die Bereiche: Land- und Forstwirtschaft, Futtermittel, Energie, Papier, Chemie und Medizin. Als Basis gelten die natürlichen Ressourcen in Wäldern und Gewässern. Daneben flankieren verschiedene Aktivitäten im Land die Bioökonomie bereits seit mehreren Jahren. Schon mit der 2009 veröffentlichten Strategie zu natürlichen Ressourcen hat der vom finnischen Parlament kontrollierte Innovationsfonds Sitra die Bioökonomie als wichtige Säule des künftigen finnischen Wohlstands dargestellt. Der Reichtum an natürlichen Ressourcen wie Wäldern sei ein wichtiger Wettbewerbsvorteil und versetze das Land in die Lage, die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen vorwärts zu treiben, hieß es schon damals. Mit dem Strategischen Programm für die Forstwirtschaft (2011-2015) sollte der Umsatz mit holzbasierten Produkten gesteigert und die Industrie fortentwickelt werden. Über die aktuelle Energie- und Klimastrategie (2016) will die Politik hingegen den Anteil an Biokraftstoffen im Straßenverkehr bis 2030 auf 30% steigern. Auch der Anteil aus Biomasse erzeugter Elektrizität soll weiter steigen. Programme zur Entwicklung des ländlichen Raums (2014-2020), die Nationale Forststrategie 2025 mit ihrer Forschungsstrategie und die Nationale Biodiversitätsstrategie sowie eine Nationale Strategie zur Aquakultur 2022 verschränken sich ebenfalls stark mit der Bioökonomiestrategie des Landes. Regionale Akzente betont das Förderprogramm „Innovative Cities“, mit dem Innovationen gezielt regional gefördert werden sollen. So verantwortet die Stadt Joensuu im Osten des Landes die Bioökonomie. Partnerstadt Jyväskylä konzentriert sich auf Ressourceneffizienz und biobasierte Produkte. Seinäjoki hat die Nahrungsmittelherstellung im Blick.

Genetisch veränderte (gv) Pflanzen können eine bedeutende Ressource für die Bioökonomie darstellen. Doch sie anzubauen ist in einer Reihe von europäischen Ländern nicht möglich. Gleichwohl stehen die finnische Regierung und die Öffentlichkeit diesem Thema offener gegenüber. Jedoch ist der kommerzielle Anbau von gv-Getreidesorten in Finnland kein Thema – aufgrund fehlender an das Klima angepasster Sorten. Genetisch modifizierte Bäume, an denen die Forstwirtschaft interessiert sein könnte, kamen über Feldversuche nicht hinaus. Wie in anderen Ländern Europas werden gv-Pflanzen dennoch genutzt, beispielsweise als Futtersoja für Nutztiere. Die notwendige Zulassung der gv-Organismen verantwortet die finnische Gentechnikkommission (GTLK), deren Mitglieder das Ministerium für Soziales und Gesundheit vorschlägt. Geht es um Biodiversität, ist das finnische Umweltministerium verantwortlich.

Unternehmenslandschaft

Schon jetzt erreicht die Bioökonomie im Land aus wirtschaftlicher Sicht einen enormen Stellenwert: Der Umsatz liegt bei insgesamt 64 Mrd. Euro, 11% aller finnischen Beschäftigten sind in diesem Sektor tätig. Dies betrifft vor allem die Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie und den Chemie- und Bausektor. Finnland fokussiert dabei vor allem auf die Verwertung von Biomasse für verschiedenste Anwendungen. Bedeutende Umsatzträger sind die Papierindustrie mit 14 Mrd. Euro, die chemische Industrie mit 20 Mrd. Euro und die holzverarbeitende Industrie mit 6 Mrd. Euro. Ein Treiber dieser Entwicklung ist die seit Anfang der 90iger-Jahre zu beobachtende Umstrukturierung der finnischen Wirtschaft und entsprechende Maßnahmen der Regierung. Auslöser waren der Wegfall des Osthandels im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion, die Wirtschaftskrise 2008 und der Strukturwandel der Forst- und Papierwirtschaft sowie die Neuausrichtung der Elektroindustrie.

Akteure in Holz- und Papierindustrie wenden sich der Chemie zu

Die Holz- und Papierindustrie ist aufgrund des immensen Holzreichtums immer noch einer der bedeutendsten Industriezweige in Finnland. Laut dem Verband der finnischen Forstindustrie übersteigt der jährliche Nachwuchs den Einschlag deutlich. Produkte im Wert von 11 Mrd. Euro wurden 2014 exportiert. Rund 70.000 Menschen beschäftigt die Branche. Man hat einerseits mit einem sinkenden Verbrauch von Papier aufgrund der Digitalisierung zu kämpfen, anderseits steigt die Nachfrage nach Karton und Verpackungsmaterialien durch den Online-Handel.

Führende Akteure wie die größten finnischen Papierhersteller Stora Enso, UPM-Kymmene und Metsä Group passen sich diesen Entwicklungen an und entwickeln auch neue Geschäftsfelder. Laut dem Wirtschaftsförderer GTAI profitieren von den Entwicklungen auch finnische Maschinen- und Anlagenbauer, die Ausrüstungen zuliefern. Der Umsatz mit Papiermaschinen belief sich 2013 auf 1,3 Mrd. Euro. Mit Forst- und Landwirtschaftsgeräten wurde ein Umsatz von 973 Mio. Euro generiert.

So zählt UPM-Kymmene zu den weltweit führenden Forst- und Papierkonzernen. Doch inzwischen setzt das Unternehmen mit seiner BioFore-Strategie verstärkt auf neue, innovative und nachhaltige Geschäftsbereiche wie Biokraftstoffe, Bioverbundstoffe und Biochemikalien. 2014 präsentierte der Konzern sein „Biofore Concept Car“, eine Studie zur Verwendung von neuen Werkstoffen im Automobilbau. Profitieren könnte der Konzern auch durch die von der Regierung vorgesehenen Quoten für Biokraftstoffe. Denn in seiner Bioraffinerie im ostfinnischen Lappeenranta produziert der Konzern bereits seit 2015 Biodiesel aus Reststoffen, die bei der Herstellung von Zellstoff in den firmeneigenen Werken anfallen. Daneben entwickelte das Unternehmen ein 3D-Gel auf Cellulosebasis, mit dem im Labor Zellen gezüchtet werden können. Für die Herstellung von Biochemikalien kooperiert UPM mit dem US-Prozessentwickler Renmatix, Inc.

Auch bei Stora Enso stehen neue Ansätze hoch im Kurs. So arbeitet das Unternehmen in den USA an einer kleinen, flexiblen Bioraffinerie. Ebenfalls in den USA stärkte der Konzern seine Technologiebasis für die Herstellung von Zuckern der zweiten Generation durch die Akquisition von Virdia im Jahr 2014. Zwei Jahre später bündelte der Konzern seine Innovationsforschung zu Biomaterialien dann im schwedischen Stockholm. Mit seiner Holz-Marke „Building Systems“ positioniert sich das Unternehmen gar als Wettbewerber zu den bisher beim Bau von Gebäuden überwiegenden Baumaterialien Beton und Stahl. Im finnischen Sunila wird das bei der Papierherstellung anfallende Lignin inzwischen nicht mehr verbrannt, sondern in der neu gebauten LignoBoost-Anlage des Unternehmens aufbereitet und anschließend verkauft.

Bedeutende Investitionen geplant

Auch Metsä plant aufgrund der steigenden Nachfrage weitere Investitionen. So soll der Standort Äänekoski ausgebaut werden, insgesamt 1,2 Mrd. Euro sind eingeplant. Hier verfolgt die Firma ein ehrgeiziges Ziel: 100% der Ausgangsstoffe und der Nebenprodukte will das Unternehmen hier nutzen und weiterverarbeiten.

In Mittelfinnland will die erst 2013 gegründete Finnpulp 2019 die weltweit größte Papiermühle für Weichholz in Betrieb nehmen. Neben Zellstoff sollen hier Biochemikalien wie Tallöl und Terpentin sowie Bioelektrizität gewonnen werden. An Investitionen sind 1,4 Mrd. Euro vorgesehen. Ebenfalls noch in der Planung ist eine Biodieselraffinerie der chinesischen Kaidi-Gruppe in Kemi. Für diese Anlage der zweiten Generation – sie wird holzige Ausgangsstoffe verwerten – sind Investitionen von 900 Mio. Euro vorgesehen. Das Unternehmen ist kein Neuling in der biobasierten Wirtschaft, ihm gehören bereits Bioraffinerien in China und Vietnam.

Chemiefirmen werden grüner

Die chemischen Betriebe mit ihren rund 34.000 Mitarbeitern generierten im Jahr 2016 Umsätze in Höhe von 20 Mrd. Euro. Dominiert wird die Branche noch durch die Hersteller von petrochemischen Produkten und von Basischemikalien, die für mehr als 70% des Branchenausstoßes verantwortlich sind. Gleichwohl sieht sich die Branche eng an die Bioökonomie angebunden. So werden beim Branchenprimus, dem Mineralölkonzern Neste Oy, biobasierte Kraftstoffe inzwischen als ein Wachstumstreiber eingestuft. Der Konzern sieht sich bereits als weltweit führender Anbieter von Dieselkraftstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Mit seiner NExBTL-Technologie produziert das Unternehmen Biodiesel aus pflanzlichen Ölen und Abfällen bereits in Anlagen in Finnland, Singapur und den Niederlanden. Chemiefirma Kemira zählt die Papierindustrie mit zu den wichtigsten Kunden und hilft gewichtsreduzierte Pappen herzustellen. Durch zufügen von Raps- oder Kiefernöl passt der Reifenhersteller Nokiantyres Oy die Eigenschaften seiner Produkte an die herausfordernden Bedingungen in nordischen Ländern an. Forchem baute seine Produktlinie dagegen auf einem Beiprodukt der Papierherstellung auf, dem Tallöl. Auf vielfältige Klebstoffe auf Basis von Kartoffelstärke spezialisierte sich schon früh das Familienunternehmen Kiilto Oy. Spezialisiert auf Verpackungen bietet Huhtamäki zu 100% aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellte Getränkebecher an. Der US-Chemiekonzern Dupont forscht in Finnland über seine Tochter Danisco zu Probiotika und produziert aus Reststoffen der Zuckerrübenverarbeitung Betain, ein in der Nahrungs- und Futtermittel- sowie Kosmetikindustrie vielseitig einsetzbares Molekül. Arktische Beeren hat hingegen Lumene Oy als Rohstoffe im Visier. Das Unternehmen extrahiert deren Inhaltsstoffe, die in Kosmetika weiterverarbeitet werden.

Innovative Lebensmittelproduktion

Zu den führenden Nahrungsmittelunternehmen zählt die 1903 ursprünglich als Kooperative gegründete Atria Oy. Vertreten im gesamten Ostseeraum und stark im Bereich Fleischprodukte gehört auch eine eigene Fast-Food-Kette zum Konzern. Die Raisio-Gruppe machte sich dagegen einen Namen mit ihrer Cholesterin-senkenden Margarine. Dem Aufstrich ist hierfür ein pflanzlicher Ester beigemischt. Außerdem wird Fischfutter aus Ostsee-Heringen hergestellt. Einen Teil seiner Energie will das Unternehmen künftig aus einem firmeneigenen Biomassekraftwerk beziehen, das lokal produzierte Holzschnitzel als Energieträger einsetzt. Führend im Bereich Fisch ist V. Hukkanen Oy, die in Finnland und Schweden 30 Fischfarmen betreiben. Für seine Backwaren ist dagegen der finnische Nahrungsmittelkonzern Fazer Group in den skandinavischen und baltischen Ländern bekannt. Doch inzwischen weitete die Geschäftsführung die Produktpalette aus. Inhaltsstoffe aus Haferflocken, die als besonders gesundheitsfördernd gelten, werden als Extrakte für die Verarbeitung in Lebensmitteln und Körperpflegeprodukten angeboten.

Mehr grüne Energie

Die Erzeugung von Energie soll in Finnland nach dem Willen der Regierung ebenfalls grüner werden. Der Bioethanolhersteller St1 betreibt in Finnland bereits sechs Anlagen, in denen Biokraftstoff mit firmeneigenen Prozessen aus Rest- und Abfallstoffen der Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung gewonnen wird. Technologieentwickler Chempolis Oy aus Oulu im Norden des Landes betreibt seit dem Jahr 2009 eine Bioraffinerie und testet dort unterschiedlichste pflanzliche Rohstoffe von Kunden auf ihre Tauglichkeit, um daraus Produkte wie Bioethanol, Biochemikalien oder Fasern für die Papierindustrie herzustellen. Im Jahr 2016 beteiligte sich hier der finnische Energieversorger Fortum. Auf Biomasse setzt auch der Energieversorger TSE Oy aus Turku. Er will 2017 sein neues Biomasse-Kraftwerk in Betrieb nehmen, das Holzschnitzel, Rinde und Torf als regionale Rohstoffe einsetzen wird. Auch soll nach den Vorstellungen der Politik der Anteil an Biogas ausgebaut werden. Beispielsweise wandelt eine Anlage in Honkajoki die Abfallstoffe des ansässigen Lebensmittelclusters in Biogas um. Diese und weitere gehören inzwischen dem Gasversorger Gasum Oy, der Anfang 2016 die Anlagen von Taaleritehdas übernommen hatte.

Tradition in der industriellen Biotechnologie

Die Bioökonomie in Finnland profitiert nicht nur von der Stärke in der Holzverarbeitung, sondern auch von langjährigen Erfahrungen in der industriellen Biotechnologie. Enzyme für industrielle Anwendungen sind heute einer der Exportschlager. Die Grundlagen hierfür legten die Arbeiten des Forschungsinstituts VTT und der Unternehmen Alko und Finnsugar ab den 1970er-Jahren. Heute führt Roal Oy, inzwischen Teil der britischen Associated British Foods plc und einer der weltweit größten Hersteller von Enzymen, die Arbeiten von Alko und die Herstellung der Enzyme am Standort Rajamäki fort. Deren Abnehmer finden sich hauptsächlich in der Nahrungs- und Futtermittel-, der Papier-, Textil- und Chemieindustrie. Altia Plc, Getränkehersteller und Miteigner von Roal, weitete seine Geschäftsaktivitäten inzwischen auch auf die Herstellung industrieller Produkte wie Stärke, Futtermittel und technische Alkohole aus. Ausgangsstoff der Produkte ist finnische Gerste. Finnsugar gehört dagegen nun zur deutschen Nordzucker-Gruppe und produziert u.a. Glucose-Isomerase zur Herstellung von Fruktosesirup. Mit Enzymen für Industrieanwendungen wie der Herstellung von Papier oder Biokraftstoffen aus Cellulose verdient MetGen Oy sein Geld. Die Technologie-Plattform der 2008 gegründeten Firma nutzt natürlich vorkommende Enzyme und passt diese an die industriellen Fragestellungen an.

Cluster als Kontaktplattform

Als Plattformen für Kontakte und gemeinsame Projekte stehen Unternehmen und Wissenschaftlern der Industrieverband Finnish Bioindustries FIB und das Industrial Biotechnology Cluster Finland offen. Der CLIC-Cluster, in dem der 2007 etablierte Finish Bioeconomy Cluster (Fibic) aufgegangen ist, verfolgt unter anderem das Ziel, zu nachhaltigen biobasierten Lösungen wie Textilien auf Holzbasis beizutragen und Akteure zusammenzuführen. So engagieren sich mehrere finnische Unternehmen wie Metsä und das Forschungszentrum VTT im EU-finanzierten SmartLi-Projekt, in dem Lignin als Ausgangsstoff für neue Biomaterialien genutzt werden soll. Ausgegründet aus dem Forschungszentrum VTT im Jahr 2014 nutzt Spinnova Ltd. den Rohstoff Holz bereits, um hieraus Garne für Textilien zu spinnen.

Ansiedeln können sich junge Firmen beispielsweise im Turku Science Park westlich von Helsinki, in der Hauptstadt im Helsinki Business & Science Park oder im Norden des Landes in Paltamo. Hier sollen sich in der BioFutureFactory in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer geplanten Zellstofffabrik künftig junge Unternehmen niederlassen.

Fördermittelgeber

Unternehmen erhalten Unterstützung durch verschiedene Institutionen und Programme mit landesweiter wie auch regionaler Bedeutung. Die wichtigsten sind die staatliche Finanzierungsagentur Finnvera, die Förderagentur für Technologie und Innovation TEKES, der Forschungs- und Entwicklungsfonds SITRA, die öffentliche Investitionsförderagentur Finpro und die ELY-Zentren. Die landesweit verteilten ELY-Zentren kümmern sich um die Vorgaben der Regierung in ihren jeweiligen Regionen. Ein Schwerpunkt sind Belange zu Umwelt und natürlichen Ressourcen. KMUs werden dort beraten und erhalten finanzielle Unterstützung. Finpro unterstützt finnische Firmen insbesondere bei deren Internationalisierung. Hierzu unterhält die Agentur sechs Büros im Land und 36 weitere außerhalb Finnlands. Firmengründungen unterstützt dagegen Finnlands staatliche Entwicklungsbank Finnvera mit zinsgünstigen Unternehmerkrediten und Zuschüssen. Der SITRA-Fonds wiederum, der unter der direkten Kontrolle des finnischen Parlaments steht, beteiligt sich an nationalen und internationalen Risikokapitalfonds, die in Unternehmen investieren. Ein Augenmerk des Fonds liegt auf künftigem biobasierten Wirtschaften. Besonders wichtig für Start-ups, KMUs und große Unternehmen ist die Förderagentur Tekes. Von dieser dem Arbeitsministerium zugeordneten Agentur erhalten sie für innovative Forschungsansätze oder Expansionsbestrebungen Zuschüsse oder Kredite. So förderte die Agentur eine Demonstrationsanlage zur Herstellung von Öl aus Holz. Beteiligt waren der Energieversorger Fortum, der Technologiekonzern Metsä, Papierhersteller UPM und das Forschungszentrum VTT. Für Start-ups interessant ist auch das 2009 vom Arbeits- und Wirtschaftsministerium initiierte Vigo-Programm. Hier erhalten junge Firmen in thematisch aufgestellten Acceleratoren von erfahrenen Unternehmern vielfältige Hilfestellungen, die von Beteiligungskapital bis hin zur Unterstützung bei der Geschäftsentwicklung reichen. Im Land sind zudem eine Reihe von Business Angels und Risikokapitalgebern tätig. Auch von Förderprogrammen der EU wie im Forschungsprojekt BIOFOREVER profitieren finnische Unternehmen.

Forschungslandschaft

Als Forschungsstandort verfügt Finnland weltweit über einen exzellenten Ruf. Hierzu beigetragen haben nicht zuletzt die im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung und die technologische Affinität der Finnen. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage kündigte die Regierung jedoch an, die Ausgaben für die staatliche Innovationsförderung im Zeitraum 2015 bis 2020 zu senken. Als führend gilt die Universität Helsinki. Hier sind Schwerpunkte zur Biotechnologie, zu natürliche Ressourcen, Land- und Fortwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit etabliert. Auch die grüne Biotechnologie spielt eine große Rolle, um ein ebenso effizientes wie nachhaltiges Biomassewachstum in der Zukunft zu gewährleisen und Nutzpflanzen an neue Klimabedingungen anzupassen. Ebenfalls in der Hauptstadt wie auch in der Nachbarstadt Espoo beheimatet ist die Aalto Universität. In der Abteilung für Bioprodukte und Biosysteme stehen nachwachsende Rohstoffe und ihre Transformation in hochwertige Produkte zuvorderst auf der Forschungsagenda. In der Abteilung für Biotechnologie und Chemische Technologie sind Bioökonomie-relevante Themen angesiedelt. In der historisch bedeutenden Stadt Turku sitzt die Universität Turku. Deutlich kleiner ist zudem die benachbarte Abo Akademi University. Forschungsschwerpunkte der beiden sind unter anderem Holz- und Papierchemie sowie Faser- und Cellulose-Technologie. In Turku wird seit 2014 auch ein Schwerpunkt zur Synthetischen Biologie vorangetrieben, um neue biobasierte Produkte zu entwickeln.

Die zweitgrößte TU des Landes ist die Technische Universität Tampere. Innovationen in der Chemie und im Bioengineering gehören hier zu den Schwerpunkten. Hier wird unter anderem am 3D-Druck mit Cellulose geforscht. Die Biodiversität, Fischerei und Aquakultur stehen in Mittelfinnland an der Universität Jyväskylä im Programm. Die Universität Ostfinnland hat sich insbesondere die Forstwirtschaft auf die Fahnen geschrieben.

Als bedeutendste außeruniversitäre Forschungseinrichtung gilt das Technische Forschungszentrum Finnlands (VTT). Diese staatliche Einrichtung legte bereits in den 1970er-Jahren die Grundlage für aktuelle Aktivitäten. Damals stieg das Institut in die Biotechnologie ein und entwickelte erste Herstellprozesse für Enzyme. Heute beschäftigt VTT 2.500 Mitarbeiter und konzentriert sich auf sechs Kernbereiche. Einer davon: Die Bioökonomie. Gestützt wird der Bereich unter anderem durch die Bioruukki-Pilotanlage und einen großen Mitarbeiterstamm in der industriellen Biotechnologie. Die thermochemische Konversion, nachhaltige Chemie, Biomasseverarbeitung und Modellierungen sind hier bearbeitete Themen. So konnte zusammen mit der Aalto Universität gezeigt werden, dass sich Pappeln als Rohstoff für die Herstellung von Bioethanol und anderen Biochemikalien sehr gut nutzen lassen. Am Natural Ressources Institute Finland (LUKE) mit seinen 1.400 Mitarbeitern reichen die Forschungsvorhaben von holziger Biomasse über Aquakultur und Nahrungsmittel bis hin zu neuer Agrartechnik und den Möglichkeiten von Bioraffinerien und biobasierten Produkten. Finanziert durch öffentliche und private Mittel betreibt das LUKE knapp 40 Standorte im ganzen Land. Ebenfalls anteilig vom Staat finanziert konzentriert sich das Finnische Institut für Umwelt (SYKE) mit seinen 600 Mitarbeitern unter anderem auf nachhaltige Produktion, Biodiversität und Landnutzung.

Fördermittelgeber

Wissenschaftler werden in Finnland hauptsächlich durch zwei Institutionen gefördert. So hat die Finnische Akademie, die zum Bildungsministerium gehört, in ihrem BioFuture2025-Programm für die Jahre 2017 bis 2020 insgesamt 15 Mio. Euro für die Bioökonomie vorgesehen. Der Strategische Forschungsrat (STN), ebenfalls der Akademie zugehörig, vergibt zusätzliche Mittel. Darüber hinaus fördert der Staat die Forschungsaktivitäten von Wissenschaft und Wirtschaft über die Förderagentur Tekes. Diese unterstützt Forschungseinrichtungen, deren Ergebnisse Lösungen für Firmen bieten oder einer Vermarktung zugeführt werden sollen. Weitere Fördermittel fließen in die finnische Forschung durch die Beteiligung an Programmen der Europäischen Union.

Weiterführende Informationen

Bioökonomie-relevante Initiativen:

Öffentliche Forschungsförderung:

Gesetzeslage:

GV-Anbau erlaubt