Agroforstbrot und Strohtüten
Aktuell gibt es in der Lausitz das Agroforstbrot aus regionalem Champagnerroggen zu kaufen, verpackt in Brottüten aus Getreidestroh. Die Aktion zeigt, wie Agroforstsysteme Klima schützen, Biodiversität fördern und lokale Wertschöpfung stärken.
Ein regionales Experiment für Umwelt und Wirtschaft
In der Lausitz gibt es derzeit ein besonderes Brot zu entdecken: das Agroforst-Brot, gebacken aus Champagnerroggen, der direkt aus regionalen Agroforstsystemen stammt. Ein Landwirt baut die Roggensorte zusammen auf seinen Flächen in Peickwitz an, da sie den eher trockenen Sandböden trotzt und besonders widerstandsfähig ist. Rund 80 Prozent des Mehls stammen aus diesem Roggen, der schonend in einer lokalen Traditionsschälmühle verarbeitet wird. Anschließend wird er in den Filialen einer Bäckerei vor Ort zu schmackhaftem Brot veredelt, alles innerhalb eines Radius von nur 45 Kilometern. Das Ergebnis: ein regionales Produkt, das nicht nur den Geschmack, sondern auch die Nachhaltigkeit der Produktionskette sichtbar macht.
Von der Feldfrucht zur Brottüte
Ein besonderes Highlight der aktuellen Aktion ist die Verpackung: die Bäckertüte besteht zu 85 Prozent aus Getreidestroh, das zuvor als Nebenprodukt bei der Roggenernte anfiel. Üblicherweise wird Bäckertütenpapier aus Frischfaserholz hergestellt.
Das neue Verfahren zeigt, wie landwirtschaftliche Rohstoffe vielseitig genutzt werden können, vom Brot über Papier bis hin zu Futtermitteln oder Biogas. Entwickelt wurde das Material im Rahmen des LIL-MEFAP-Projektes, das gemeinsam mit AgroWert-Regio und weiteren Partnern die regionale Wertschöpfung und Bioökonomie stärkt und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird. Agroforstsysteme, also der Anbau von Nutzpflanzen zwischen Bäumen oder Sträuchern, bieten dabei zusätzliche Vorteile: Sie schützen Böden vor Erosion, schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel und binden CO₂ aktiv.
Die temporäre Vermarktung soll nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher für nachhaltige Landwirtschaft sensibilisieren, sondern auch neue Erkenntnisse für die Entwicklung regionaler Bioökonomie-Ketten liefern. In einer Region wie der Lausitz, die sich im Strukturwandel befindet, eröffnen solche innovativen Konzepte Chancen, lokale Ressourcen effizient zu nutzen und gleichzeitig die Umwelt zu schonen.
hb