Warum KMU für die Kreislaufwirtschaft entscheidend sind
Wie können Regionen ihre Ressourcen clever nutzen und KMU resilienter machen? Das Projekt WeR³t-Netze zeigt, wie vernetzte Unternehmen neue Geschäftsmodelle und nachhaltige Wertschöpfung schaffen.
Die Globalisierung hat vieles effizient gemacht, aber auch anfällig. Spätestens seit Pandemie, Lieferkettenkrisen und steigenden Rohstoffpreisen wird deutlich: Nachhaltige Wertschöpfung braucht mehr als weltweite Vernetzung. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Regionen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie sichern Arbeitsplätze, Know-how und Versorgung, und verfügen über großes Potenzial für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, die auch für die Bioökonomie essenziell ist. Genau hier setzt das neue Forschungsprojekt WeR³t-Netze an, das unter Leitung des Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) gemeinsam mit Partnern aus Oldenburg und Wiesbaden durchgeführt wird.
Regionale Netzwerke sind unterschätzte Innovationstreiber
Regional gibt es oft vielfältige Ressourcen: Materialien, Maschinen, Dienstleistungen, Daten, und nicht zuletzt Erfahrung und Kreativität. Doch im wirtschaftlichen Alltag bleiben diese Potenziale oft ungenutzt. Produkte werden neu gekauft statt geteilt, Materialien entsorgt statt weiterverwendet, Wissen bleibt in einzelnen Betrieben isoliert. Dabei zeigt sich gerade in Krisenzeiten, wie wertvoll funktionierende regionale Netzwerke sind. Während der Corona-Pandemie entstanden vielerorts kurzfristig neue Kooperationen, aus denen flexible Lösungen, neue Dienstleistungen und sogar Geschäftsmodelle hervorgingen. WeR³t-Netze knüpft an diese Erfahrungen an und fragt: Wie lassen sich solche Netzwerke dauerhaft etablieren und systematisch für die Kreislaufwirtschaft nutzen?
Vom Wunschbild Kreislaufwirtschaft zur konkreten Umsetzung
Ein zentrales Merkmal des Projekts ist der Blick in die Zukunft, allerdings nicht als bloße Trendfortschreibung. Mithilfe der sogenannten „Backcasting“-Methode entwickeln die Forschenden zunächst ein konkretes Wunschbild für nachhaltige, resiliente Wertschöpfung in der Region. Von diesem Ziel aus wird rückwärts gearbeitet: Welche Technologien, Kooperationen, Datenstrukturen und Geschäftsmodelle braucht es, um dieses Zukunftsbild Realität werden zu lassen? Grundlage sind Analysen bestehender Strukturen sowie Workshops mit Unternehmen, Verbänden und weiteren Akteuren der Metropolregion Nordwest.
Die Stärke der WeR³t-Netze liegt in der Verbindung von regionaler Zusammenarbeit, digitaler Transformation und systematischer Zukunftsforschung. So entstehen belastbare Szenarien für neue, datenbasierte Dienstleistungen und Geschäftsmodelle, die Ressourcenkreisläufe schließen, KMU stärken und Regionen widerstandsfähiger machen. Die Ergebnisse sollen dabei nicht auf eine Region beschränkt bleiben, sondern als Blaupause für andere Branchen und Standorte dienen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt im Programm „Zukunft der Wertschöpfung – Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ als Schritt hin zu einer souveränen Wertschöpfung in Deutschland.
hb