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18.10.2018

Positives Potenzial der Synthetischen Biologie

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fordert eine klare begriffliche Trennung zwischen dem Konzept der Synthetischen Biologie und den dabei angewendeten molekularbiologischen Methoden.

Das Forschungsfeld Synthetische Biologie nutzt unter anderem Methoden zur Genomeditierung. Einem neuen Positionspapier der DFG zufolge sollten das Foschungsfeld und seine Methoden jedoch unabhängig voneinader bewertet und reguliert werden.
Quelle: 
Pixabay

Nicht alles, was im Labor entwickelt wird, stößt in der Gesellschaft auf positive Resonanz. So werden beispielsweise die in der biologischen Forschung als Durchbruch gefeierte Genschere CRISPR-Cas9 und andere genomverändernde Techniken von der Öffentlichkeit mit großem Argwohn beäugt. Die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat daher ein neues Positionspapier zur Synthetischen Biologie veröffentlicht. Darin beschreibt sie die wesentlichen wissenschaftlichen Fortschritte auf dem Gebiet und ordnet diese in die derzeitige gesellschaftliche Diskussion ein. Das Fazit: Die aktuellen wissenschaftlichen Fortschritte stellen kein neues Gefährdungspotenzial dar und sind durch bestehende gesetzliche Regelungen, insbesondere das Gentechnikgesetz, bereits vollumfänglich abgedeckt.

Trennung von Konzept und den zugrunde liegenden Methoden

Mit dem 60 Seiten umfassenden Papier will die DFG zu einer sachlichen Diskussion über die Chancen und Risiken der Synthetischen Biologie beitragen. Die Autoren argumentieren darin, dass diese von Forschenden als Konzept und nicht als Methode verstanden wird. Jedoch würden in gesellschaftlichen und politischen Diskussionen diese Begrifflichkeiten immer häufiger vermischt, was zu sachlich unbegründeten Forderungen wie der Regulierung der Synthetischen Biologie führe, beklagt die Vorsitzende der Senatskommission und Vizepräsidentin der DFG, Katja Becker. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist die reine Anwendung methodischer Ansätze keinesfalls mit Synthetischer Biologie gleichzusetzen. Diskussionen zur Bewertung und eventuellen Regulierung von synthetisch-biologisch hergestellten Organismen sollten sich deshalb grundsätzlich auf deren potenzielle neue Eigenschaften konzentrieren", so Becker. Die DFG-Senatskommission mahnt in dem neuen Positionspapier daher eine klare begriffliche Trennung des Konzepts der Synthetischen Biologie von den ihr zugrunde liegenden Methoden und Techniken an.

Ethische Fragestellungen und künstliche Lebensformen

Die Autoren verweisen auch auf ethische Fragestellungen, die im Rahmen der Forschungsarbeiten zur Synthetischen Biologie auftreten und daher beobachtet und bearbeitet werden sollten. Diese, so heißt es, könnten in die bereits etablierten Bereiche der Gentechnologie und der Stammzellforschung eingeordnet werden. Darüber hinaus sollte jedoch die Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit (ZKBS) ethische Fragestellungen, vor allem Ideen zur Entwicklung autonom replizierender Systeme, im Blick behalten, auch wenn die tatsächliche Realisierung solcher sogenannten künstlichen Lebensformen zumeist noch in weiter Ferne liegt.

Außerdem hebt die Senatskommission das innovative Potenzial neuer Entwicklungen auf dem Gebiet der Synthetischen Biologie hervor. Solche Nutzungspotenziale sollten möglichen Sicherheitsrisiken und Missbrauch gegenübergestellt und abgewogen werden. Hier sei jedoch eine spezifische Einzelfallbetrachtung der geplanten Arbeiten notwenig, heißt es. 

Das neue Positionspapier baut auf dem Vorgänger aus dem Jahr 2009 auf, betitelt „Synthetische Biologie – Standpunkte". Hier hatten die DFG, die acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften sowie die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, die Chancen und Herausforderungen des Forschungsfeldes Synthetische Biologie bereits umfassend beleuchtet.

jmr

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