Kynda eröffnet neuen Standort für Pilzmycel aus Nebenströmen

Kynda eröffnet neuen Standort für Pilzmycel aus Nebenströmen

Mit einem neuen Forschungs- und Produktionszentrum in Jelmstorf (Niedersachsen) will Kynda die industrielle Nutzung von Pilzmycel-Protein beschleunigen. Nährstoffreiche Nebenströme aus der Lebensmittelverarbeitung sollen per Fermentation zu einem vielseitigen Proteinrohstoff aufgewertet werden, als Baustein für Kreislaufwirtschaft und resilientere Proteinversorgung.

Mycoprotein - Pilz-basierte Produkte als Fleischalternative.
Pilzmycel aus der Fermentation nährstoffreicher Nebenströme dient als Proteinquelle und eröffnet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten jenseits der Lebensmittelproduktion.

Alternative Proteine gelten als Schlüsselthema der Bioökonomie, besonders dort, wo sie nicht in Konkurrenz zu Anbauflächen treten, sondern vorhandene Ressourcen effizient nutzen. Das Biotech-Unternehmen Kynda hat dafür in Jelmstorf (Landkreis Uelzen) ein kombiniertes Forschungs- und Produktionszentrum offiziell in Betrieb genommen. Der Standort soll als technologisches Herzstück dienen, um die Fermentation von Pilzmycel in Richtung industrieller Anwendung zu bringen.

Nebenströme als Rohstoffbasis

Kynda setzt auf nährstoffreiche Nebenströme aus der Lebensmittelindustrie, etwa aus der Herstellung pflanzlicher Proteine sowie aus Soja- und Haferdrinks, Milch-, Zucker- oder Stärkeprozessen. Diese Stoffströme bleiben in der EU bislang vielfach ungenutzt. Hier soll Fermentation Wertschöpfung schaffen, statt zusätzliche landwirtschaftliche Fläche zu beanspruchen. Laut Unternehmensdarstellung können die Nebenströme in rund 48 Stunden in proteinreiches Pilzmycel umgewandelt werden, idealerweise direkt dort, wo die Nebenströme anfallen. 

720 Quadratmeter für Prozessentwicklung und Pilotproduktion

Der neue Standort umfasst 720 Quadratmeter und ist in zwei Bereiche gegliedert. Auf 360 Quadratmetern arbeitet das Team an Prozessoptimierung und der Anpassung an unterschiedliche Substrate. Weitere 360 Quadratmeter entfallen auf die Produktion, hier läuft eine Fermentationsanlage mit rund 40.000 Litern Gesamtvolumen. Im Mittelpunkt steht die Herstellung von Starterkulturen, die Industriekunden ermöglichen sollen, die Mycel-Produktion am eigenen Standort zu skalieren. 

Technologie teilen statt Nischenprodukt

Kynda positioniert sich dabei explizit als B2B-Technologiepartner: Ziel ist es, bestehende Anlagen in der Lebensmittelindustrie um eine modulare Fermentation zu ergänzen, um Nebenströme lokal aufzuwerten und Transportwege zu reduzieren. Nach Angaben aus der Region flossen in den Aufbau und die Entwicklung in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro; zudem wird auf Patente und weitere Anmeldungen für das Verfahren verwiesen. 

Politisches Signal und Industrie-Interesse

Bei der Eröffnung war auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte vor Ort. In Statements wird Fermentation als Schlüsseltechnologie für eine sichere, bezahlbare und ressourcenschonende Ernährung hervorgehoben und der Standort als Chance für Wertschöpfung im ländlichen Raum. Zusätzlich unterstreicht das Interesse großer Akteure die Dynamik im Feld: Die PHW-Gruppe, zu der unter anderem Wiesenhof gehört, hatte bereits 2025 eine strategische Partnerschaft mit Kynda kommuniziert und Mycoprotein als potenziellen Rohstoff für neue Rezepturen und Skalierung genannt. 

ag