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16.02.2018

Klimawandel beeinflusst Frühling

Der Klimawandel hat offenbar großen Einfluss auf Pflanzen: Die meisten blühen deutlich früher als noch vor Jahrzehnten, wie Botaniker aus Jena herausgefunden haben.

Die Kirschblüten treiben in Japan seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer früher aus – ein Phänomen, das sich auch in unseren Breiten beobachten lässt, wie Jenaer Biologen nachgewiesen haben.
Die Kirschblüten treiben in Japan seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer früher aus – ein Phänomen, das sich auch in unseren Breiten beobachten lässt, wie Jenaer Biologen nachgewiesen haben.
Quelle: 
Anne Günther/FSU

Der Frühling erwacht früher. Das merken besonders die Japaner, die seit mehr als einem Jahrtausend alljährlich die kurze Zeit der Kirschblüte mit einem Fest feiern. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wandert dieses Ereignis im Kalender nach vorne. „Aus solchen Aufzeichnungen, aber auch zahlreichen anderen Beobachtungsreihen wissen wir, dass es in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten gravierende Veränderungen im Einsetzen der Baumblüte gegeben hat“, berichtet Botanikerin Christine Römermann. Gemeinsam mit ihrem Team hat die Professorin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Fachjournal „Global Ecology and Biogeography“ eine Metanalyse veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Pflanzeneigenschaften und dem Ausmaß sowie der Richtung der Blütezeitverschiebung beschreibt.

Vier von fünf Arten blühen früher

Länger schon ist bekannt, dass der Klimawandel den Jahreszyklus von Bäumen, Gräsern, Kräutern und Sträuchern beeinflusst. „Die globalen Klimaveränderungen führen zu veränderten Blühzeiten insgesamt, wobei in der Regel ein früherer Blühbeginn zu beobachten ist“, beschreibt Erstautorin Patrizia König die Ausgangslage der Metastudie. Publikationen zum Blühbeginn von über 550 Pflanzenarten an 18 Standorten in Europa und Nordamerika wurden nun ausgewertet. Ihre wesentliche Erkenntnis: „Auch wenn sie im gleichen Habitat wachsen, reagieren unterschiedliche Pflanzenarten auf geänderte Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse recht verschieden.“ Vier Fünftel der untersuchten Arten blühen demnach heute früher als noch vor wenigen Jahrzehnten, jede fünfte Art später.

Wuchshöhe, Wachstumsrate und Blattgröße relevant

Die stärkste Veränderung zeigte die Vierkantige Schuppenheide, ein grönländischer Zwergstrauch. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sie ihren Blühbeginn um drei Wochen nach vorne verlegt. Damit ist sie beispielhaft für eine weitere Erkenntnis der Forscher: Je kleiner eine Pflanze ist, desto sicherer gehört sie zu den ersten Frühlingsboten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Pflanzen so großwüchsiger Konkurrenz zuvorkommen wollen, die später das Sonnenlicht abschirmt. Ebenfalls zu den frühesten Blühern gehören besonders schnell wachsende Pflanzen. Außerdem entdeckten die Botaniker einen Zusammenhang des Blühzeitpunktes mit der Größe der Blätter.

Niederschlag einflussreicher als Temperatur

In welcher Weise eine Pflanze auf den Klimawandel reagiert, ist somit durch mehrere Faktoren bestimmt. Weiterhin ergab die Studie, dass nicht so sehr die Erwärmung zu einer früheren Blüte bei vielen Pflanzen geführt hat, sondern abnehmender Niederschlag. Insgesamt mache die Studie deutlich, dass die funktionellen Merkmale einer Pflanze ihr Anpassungsverhalten an veränderte Umweltbedingungen bestimmen, resümiert Christine Römermann. Ihre Erwartung: „Diese Erkenntnisse können uns helfen, künftige Veränderungen im Wachstum von Pflanzen besser vorherzusagen.“

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