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21.01.2020

Hochwertige Kraftstoffe aus Abfällen

Hamburger Forscher entwickeln Biodiesel ohne Schwefel und Stickstoff aus Pommesfett und Elektrolysewasserstoff.

Altes Pommesfett kann ein wertvoller Rohstoff sein.
Altes Pommesfett kann ein wertvoller Rohstoff sein.
Quelle: 
Hayford Peirce/Wikimedia; CC-BY-SA-3.0

In der Luftfahrt, Schifffahrt und wohl auch auf der Straße: Herkömmliche Verbrennungsmotoren werden noch eine Weile eine Rolle im Transportwesen spielen. Um dennoch die Klimaschutzziele zu erreichen, dürfen die Kraftstoffe für diese Motoren nicht auf fossilen Rohstoffen basieren. Gleichzeitig sollen Biokraftstoffe nicht in Konkurrenz zu Nahrungs- und Futtermittelanbau stehen. Eine Möglichkeit sind Biokraftstoffe aus Rest- oder Abfallstoffen. Einen entsprechenden Herstellungsprozess haben jetzt Forscher der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) entwickelt.

Rohstoff aus Mensaabfällen

Den einen Teil der Rohstoffe bekommen die Forscher aus der benachbarten Mensa: Pommesfett. Aber auch andere gebrauchte Fette und Öle und selbst Plastikabfälle sind grundsätzlich geeignet. Das Cracken erfolgt bei vergleichsweise niedrigen 370 Grad Celsius und erfordert keine empfindlichen Katalysatoren. Der andere Teil der Rohstoffe, der für den anschließenden Hydrierungsschritt benötigte Wasserstoff, wird an der Hochschule mit regenerativen Energien per Elektrolyse aus Wasser gewonnen.

Hohe Kraftstoffqualität

Hergestellt werden können auf diese Weise Biodiesel, aber auch Biobenzin und Biokerosin, die qualitativ dem industriellen Standard aus fossilen Rohstoffen entsprechen. Besser noch: Weil das eingesetzte Öl pflanzlichen Ursprungs ist, sind die Kraftstoffe frei von Schwefel und Stickstoff. Damit ist dieser Biokraftstoff der ersten Generation von Biodiesel aus Pflanzenölen oder Bioethanol aus Zucker oder Stärke klar überlegen.

Pilotanlage geplant

Die Entwicklung erfolgt im Forschungsprojekt X-Energy, genauer im Teilprojekt READi-PtL (Power to Liquid). Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert X-Energy mit rund 680.000 Euro. „Im Rahmen der X-Energy-Förderung des BMBF erhalten wir die Chance, unser bestehendes Verfahren gemeinsam mit der Firma Nexxoil auf den Maßstab einer Pilotanlage hoch zu skalieren, um das Bioöl für die Marktreife vorzubereiten“, erläutert HAW-Forscher Thomas Willner das Ziel für die kommenden zwei Jahre. Das neue Verfahren soll dazu beitragen, Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne in anderen Energieträgern zu speichern. Da deren Verfügbarkeit schwankt, besteht eine weitere Herausforderung darin, die künftige Anlage an ein fluktuierendes Wasserstoffangebot anzupassen.

bl

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