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27.04.2020

Grüne Verpackungen maßschneidern

Tahsin
Dag

Beruf:
Produktdesigner, Manager
Position:
Gründer und Geschäftsführer der Kölner PAPACKS Sales GmbH

Quelle: 
PAPACKS
Seit 2013 entwickelt PAPACKS Verpackungen und Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen.

Ob Eierboxen, Kaffeekapseln oder technische Verpackungen: Mit innovativen und nachhaltigen Verpackungslösungen will Papacks die Welt etwas grüner machen. Das Team um Gründer und Geschäftsführer Tahsin Dag verfolgt die Vision, Plastik zu vermeiden. Daher setzt das 2013 gegründete Kölner Unternehmen ausschließlich auf natürliche Roh- und Reststoffe, vorwiegend aus der Landwirtschaft, die in einem speziellen Fasergussverfahren zu intelligenten Verpackungen verarbeitet werden. Maßgeschneidert für den Kunden entstehen Produkte, die mehrfach genutzt und recycelt werden können und damit dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft gerecht werden. Für diese Idee wurde Papacks bereits mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Greentec Award 2017.

 

Frage 

Sie stellen seit einigen Jahren nachhaltige Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen her. Welche natürlichen Rohstoffe/Naturfasern verwenden Sie?

Antwort 

Entsprechend der Anforderungen wählen wir den optimalen natürlichen Rohstoff. Unsere Basis ist hierzu natürlich, nachhaltig, umweltfreundlich und vollständig recyclingfähig.  Wir verwenden neben recycelter Papierfaser oder Frischfaser für Lebensmittelverpackungen auch Fasern aus einjährigen Pflanzen wie Grünschnitt, Nutzhanf, Algen, Bagasse und Miscantus. Diese werden durch eine von uns entwickeltes Methode aufbereitet, damit wir sie in unserem PAPACKS®-GREENGOLD®-Fasergussverfahren einsetzen können.

Frage 

Wie funktioniert das Fasergussverfahren und was ist das Besondere daran?

Antwort 

PAPACKS GREENGOLD ist die Hightech-Version eines Fasergussverfahrens, das beispielsweise bei der Herstellung  von EPS-Schaumteilen, PS-Tiefziehteilen oder anderen dreidimensionalen Formteilen zum Einsatz kommt. Dabei werden, vereinfacht ausgedrückt, Werkzeuge, die die gewünschte Siebform haben, durch ein großes Becken gezogen, in dem 1% Fasern mit 99% Wasser aufgelöst sind. Dabei wird das Wasser mit den Fasern angesaugt, die Fasern bleiben am Sieb hängen, und das Formteil wird vom Sieb genommen. Das Wasser bleibt dabei immer im Produktionskreislauf und wird wiederverwendet. So simpel wie es sich anhört, ist es heute nicht mehr. Durch Anforderungen der produzierenden Industrie wie Lebensmittel- oder Pharmaindustrie haben wir unseren Prozess und die Produktion stetig technisch weiterentwickelt, um hierzu Lösungen anbieten zu können.


Frage 

Inwiefern sind Ihre Verpackungslösungen nicht nur nachhaltig, sondern auch intelligent?

Antwort 

Produkthersteller sollten schnellstmöglich auf nachhaltige Verpackung umsteigen und eine individuelle Lösung für ihr Produkt entwickeln lassen. PAPACKS liefert den Kunden hierfür maßgeschneiderte Lösungen. Neben nachhaltigen Verpackungen bieten wir aber auch Circular Economy als Dienstleistung an. Wir tauschen Verpackungen nicht einfach eins zu eins aus, sondern betrachten den gesamten Prozess der Verpackung, von der Zulieferung bis zum Kunden und wieder zurück. Hierbei optimieren wir Prozesse und Verpackungen nachhaltig, beispielsweise für eine Zweitnutzung, oder wir integrieren gemeinsam mit unseren Kunden Möglichkeiten, um diesen Prozess in einen Zero-Waste-Kreislauf umzufunktionieren. In einem Kundenprojekt haben wir beispielsweise gemeinsam mit der Europäischen Kommission eine bereits umgesetzte Kundenreferenz für dieses Gesamtkonzept als Vorbildprojekt für Circular Economy und Zero Waste mit erheblichen Einsparungen von Ressourcen und Kosten geschaffen.

Frage 

Wie kommen Ihre nachhaltigen Verpackungen bei Handel und Industrie an? Ist die Wirtschaft solchen Lösungen gegenüber aufgeschlossen?

Antwort 


Unsere Vision ist, Verpackungen aus Einwegplastik zu vermeiden. Viele Unternehmen melden sich bei uns und suchen nach einer nachhaltigen Lösung. Mitarbeiter der Einkaufsabteilung betrachten dabei aber meist nur den Preis. Ihnen fehlt unserer Erfahrung nach oft der Weitblick für die Gesamtkostenersparnis im Unternehmen, für Kundenwünsche und die Chancen, die sich damit bieten. Daher müssen wir uns noch immer mit dem Preis für das „günstige“ Plastik vergleichen lassen. Diese Herangehensweise führt bei vielen dazu, dass sie sich noch nicht für eine nachhaltige Verpackung entscheiden möchten, was leider falsch ist, denn die Einsparungen kommen dem Unternehmen an anderen Stellen zugute. Es können durch intelligente Lösungen und Prozessoptimierungen nicht nur Verpackungsgebühren und Entsorgungskosten eingespart werden, sondern auch Zeit, Geld und Mitarbeiterkosten.

Frage 

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Antwort 

Unser Ziel ist die Erschaffung eines autarken Verpackungskreislaufes - weg vom klassischen Verpackungskauf und dem Wegwerfgedanken, hin zur mehrfachen Verpackungsnutzung. Wir wollen dazu beitragen, dass Unternehmen Verantwortung für ihre Verpackungen übernehmen, da diese immer und immer wieder in einem Kreislauf eingesetzt werden können und der Kunde nur noch die Nutzung zahlen muss. Zudem wollen wir die Kette der Verpackungsnutzung, die Revolution durch neue Rohstoffe, die keinerlei Baumfaser mehr benötigen und durch technische Aufbereitung wiederverwendet werden können, vorantreiben. Geplant ist auch ein Netzwerk mit unseren Kunden, die im Zero-Waste-Kreislauf einer Circular Economy eine gemeinsame Nutzung der Verpackung betreiben.

Interview: Beatrix Boldt

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