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Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel

Um zu einer wirklich nachhaltigen bio-basierten Wirtschaftsweise zu gelangen, müssen die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Technik, Wirtschaft und Ökologie neu durchdacht werden. Hier setzt „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ an.

Der Großteil unserer heutigen ökonomischen Leistungsfähigkeit beruht auf der nicht-nachhaltigen Nutzung endlicher Ressourcen. Eine wachsende Weltbevölkerung mit steigenden Konsumansprüchen bringt unsere Ökosysteme zunehmend an ihre Grenzen. Dass diese Form des Wirtschaftens über längere Sicht nicht tragfähig ist, gilt mittlerweile als globaler Konsens. Die Menschheit muss Wege finden, den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu minimieren, ohne gleichzeitig die Hoffnung auf Wohlstand für alle Menschen aufzugeben.

Die Bioökonomie bietet Chancen, um diese Aufgabe zu bewältigen. Bioökonomie beschreibt die Vision einer am natürlichen Stoffkreislauf orientierten, nachhaltigen bio-basierten Wirtschaftsweise. Damit wird eine weitreichende Transformation angestrebt. Neben wissenschaftlich-technischen Innovationen hängt ihr Gelingen von einem Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Technik, Wirtschaft und Ökologie ab. Ein solcher Wandel erfordert nicht nur politische Weichenstellungen, er bringt auch tiefgreifende gesellschaftliche Herausforderungen mit sich.

Um entsprechende Forschung zu fördern, hat das Bundesforschungsministerium im Juni 2014 im Rahmen der „Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ (NFSB) das Konzept „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ aufgelegt.

Den Wandel verstehen

Sozial-, politik- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung soll in den kommenden Jahren dazu beitragen, die bisher erst in Ansätzen erkennbaren gesellschaftlichen Auswirkungen des bioökonomischen Wandels zu beleuchten. Dieser Wandel umfasst viele Facetten und bringt auch unbeabsichtigte Nebeneffekte mit sich. Für ein Verständnis der vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Technik, Wirtschaft, Ökologie und Gesellschaft müssen „ganzheitliche“ Ansätze entworfen werden.

Ein Beispiel sind Landnutzungskonflikte. Da Land begrenzt ist und nicht nur agrarische, sondern auch ökologische und soziale Funktionen erfüllt, werden Zielkonflikte mit steigender Nachfrage nach Biomasse zunehmen. Um ihnen zu begegnen, hat die Bundesregierung der Ernährungssicherheit einen klaren Vorrang vor anderen Zielen der NFSB eingeräumt. Hierfür Lösungsansätze zu finden, ist eine wichtige Voraussetzung für eine tatsächlich nachhaltige bio-basierte Wirtschaftsweise.

Eine andere Herausforderung besteht darin, den Umbau des Wirtschaftssystems so zu gestalten, dass er möglichst Vielen möglichst große Vorteile bringt. Eine Transformation von solchen Ausmaßen wirft gesellschaftliche Verteilungsfragen auf, die politisch beantwortet werden müssen. Sozial-, politik- und wirtschaftswissenschaftliche Forschung kann hierfür Wege aufzeigen – im nationalen Kontext, aber auch und gerade darüber hinaus.

Der Wandel zu einer bioökonomischen Wirtschafts- und Lebensweise kann nur gelingen, wenn er von der Gesellschaft akzeptiert und mitgetragen wird. Diese Unterstützung wird sich nur einstellen, wenn überzeugende Konzepte vorliegen, wie „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ erfolgreich umgesetzt werden kann.

Den Wandel voranbringen

Im Rahmen von „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ soll Forschung zur Bioökonomie aus den Sozial-, Politik und Wirtschaftswissenschaften, aber auch den Kultur- und Geisteswissenschaften in vier Modulen gefördert werden:

 
Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel - die Module

Nachwuchsförderung: Nachwuchsgruppen aus den genannten Wissenschaften sollen einerseits konkrete Frage- und Problemstellungen zur Bioökonomie bearbeiten. Andererseits leisten sie dadurch einen Beitrag, das Thema als neuen Forschungsschwerpunkt in und zwischen ihren Disziplinen zu etablieren. Mehr Informationen

Thematische Projekte und Verbünde: Abhängig von den realen Entwicklungen der Bioökonomie soll in diesem Modul eine thematisch fokussierte Förderung stattfinden. Relevante Themen wären beispielsweise potentielle Zielkonflikte im Zuge des gesellschaftlichen Wandels oder die Legitimität einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation. Mehr Informationen

Partizipation und Kommunikation: Auch in technologieorientierten Forschungsprojekten zur Bioökonomie soll die Frage nach gesellschaftlichen Auswirkungen verankert werden. Dieser Ansatz findet sich schon in bisherigen Förderbekanntmachungen und soll künftig noch intensiviert werden. Mehr Informationen

Monitoring: Ein Monitoring soll Kriterien und Indikatoren entwickeln, um möglichst alle Dimensionen der sich entfaltenden Bioökonomie messbar zu machen. So wird es möglich, die Fortschritte im Transformationsprozess hin zu einer Bioökonomie zu beobachten und zu beurteilen und daraus gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Mehr Informationen

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