Ein Upgrade für Europas Felder?
Produktiv, nachhaltig, resilient: Das Exzellenzcluster PhenoRob zeigt, wie Robotik, KI und weitere Technologien in ein ganzheitliches System eingebunden werden können, um die Landwirtschaft der Zukunft zu gestalten.
Vision statt Einzelmaßnahmen für eine nachhaltige Landwirtschaft
Europa produziert mehr Nahrungsmittel als je zuvor, doch diese Produktivität hat ihren Preis: Böden, Klima und Biodiversität geraten unter Druck. Technische Neuerungen wie Robotik, KI oder Sensorik versprechen Abhilfe. Das Exzellenzcluster PhenoRob an der Universität Bonn plädiert für ein ambitioniertes Innovationssystem, da Technologien nur dann wirklich wirksam werden, wenn sie in ein übergeordnetes Konzept für nachhaltige Landwirtschaft eingebettet sind.
Vom Smart Farming zum Systemwandel
Bisher richtete sich die Technikentwicklung vor allem nach kurzfristigen Marktanforderungen: Maschinen wurden größer, Felder standardisierter, die Produktivität stieg. Doch das ging oft auf Kosten der Umwelt. Neue digitale und robotische Technologien ermöglichen nun flexiblere, vielfältigere Anbausysteme. Drohnen, autonome Maschinen und KI-gestützte Analysen erlauben punktgenaue Pflanzenschutzmaßnahmen, präzise Düngung und Echtzeit-Überwachung von Pflanzenstress oder Krankheiten. Durch den Einsatz digitaler Zwillinge können Entscheidungen vorab simuliert und Risiken besser bewertet werden.
Politik und Geschäftsmodelle als Schlüssel
Doch Technik allein reicht nicht. Damit nachhaltige Innovationen tatsächlich genutzt werden, braucht es passende Geschäftsmodelle und politische Rahmenbedingungen. Förderprogramme, angepasste Agrarumweltzahlungen oder innovative Versicherungen können Investitionen in grüne Technologien attraktiver machen. PhenoRob kombiniert Forschung an Technologien mit Analysen zu Politik, Märkten und gesellschaftlicher Akzeptanz, sodass neue Systeme effizient, profitabel und ökologisch wirksam umgesetzt werden können.
Chancen und Risiken des Smart Farmings
Smart Farming eröffnet große Chancen, birgt aber auch Risiken: Technologien können Umweltprobleme verschärfen, wenn sie falsch eingesetzt werden, Marktmacht kann sich bei wenigen großen Unternehmen konzentrieren und Technik darf andere wichtige Maßnahmen wie Ernährungswandel oder Bodenschutz nicht verdrängen. Deshalb setzt PhenoRob auf ein integratives Vorgehen: Visionen werden gemeinsam mit allen Akteuren entwickelt, Risiken früh bewertet und Lösungen kontinuierlich angepasst.
hb
Lizenzhinweis Titelbild: © ZALF / Wuepper et al., Agricultural Systems (233) 2026; https://doi.org/10.1016/j.agsy.2025.104593; CC-BY 4.0