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19.07.2017

Wie sich das Ökosystem Ostsee wandelt

Biologen aus Norddeutschland suchen an den Küsten der Ostsee nach Anzeiger-Organismen, die Auskunft über den Zustand und den Wandel des Ökosystems geben.

Der Zustand der deutschen Ostseeküsten wie auf Usedom hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verbessert.
Der Zustand der deutschen Ostseeküsten wie auf Usedom hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verbessert.
Quelle: 
Pixabay

Der Zustand der Ökosysteme an Küsten und in den Gewässern der Ostsee hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verbessert. Trotz des positiven Trends: Zufrieden sind Meeresforscher noch nicht. Gemeinsam mit Kollegen aus Greifswald und Kiel hat der Biologe Hendrik Schubert von der Universität Rostock in den vergangenen Jahren die inneren Küstengewässer der Ostsee, die Bodden, genauer unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis: Verglichen mit dem Jahr 1870 – vor Beginn der industriellen Entwicklung- ist die Situation des Küsten- und Meeressystems heute noch weit entfernt. Weil es für den Ostseeraum keine durch den Menschen unbeeinflussten Gebiete gibt, musste als Referenz der historische Zustand der Ostsee vor Einsetzen der Industrialisierung rekonstruiert werden. „Das wäre ohne die vielen Sammlungen und aktive Hilfe aus den Museen nicht möglich gewesen“, sagt Schubert.

Entscheidungshilfe für die Politik

Um den ökologischen Zustand genauer bewerten zu können, sucht das Team nun nach geeigneten Organismen als Indikatoren. „Damit soll die Politik ein Hilfsmittel in die Hand bekommen, um bei Nutzungskonflikten, wie sie zwischen Tourismus, Schifffahrt und Fischerei zwangsläufig auftreten, eine belastbare Abwägung der Folgen und Risiken raumplanerischer Entscheidungen vornehmen zu können“, erläutert Hendrik Schubert. Sowohl die Wasserrahmenrichtlinie als auch die aktuelle Meeresstrategie-Richtlinie der Europäischen Union (EU) verlangen, dass der ökologische Zustand der Küsten-und Meeresgebiete bewertet wird.

Armleuchteralgen-Polster in einem sehr nährstoffarmen See. Dieses Foto aus dem patagonischen Hochandenbereich zeigt einen See, wie er in Deutschland nicht mehr zu finden ist.
Quelle: 
Universität Rostock

Armleuchteralgen-Polster in einem sehr nährstoffarmen See. Dieses Foto aus dem patagonischen Hochandenbereich zeigt einen See, wie er in Deutschland nicht mehr zu finden ist.

Auch wenn der Zustand der deutschen Ostseeküste noch immer Schädigungen aufzeigt, sind erste Fortschritte der positiven Entwicklung bereits sichtbar, wie Schubert berichtet. „Jetzt beobachten wir bereits wieder ausgedehnte Unterwasserwiesen. Damit hat sich das gesamte Ökosystem verändert und wir fangen gerade an zu verstehen, wie es unter diesen neuen Bedingungen funktioniert und wie wir es behandeln müssen, um den positiven Trend zu unterstützen.“

Zusammenspiel von Ökologie und Ökonomie

Gegenwärtig arbeiten Biologen, Agrarökologen und Wirtschaftswissenschaftler aus Rostock, Greifswald und Kiel gleich in mehreren Projekten an dieser Aufgabe. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Vorhaben werden erstmals auch die Wechselwirkungen zwischen Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlicher Wahrnehmung des Wertes von Küstengebieten erfasst und analysiert. Auch die Effekte unterschiedlicher Reaktionszeiten der einzelnen Organismengruppen werden berücksichtigt, um den ökologischen Zustand der Küsten und Gewässer der Ostsee bewerten zu können.

bb

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