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18.09.2017

Futurium öffnet seine Pforten

Das Berliner Futurium wird sich als Museum, Labor und Forum mit Zukunftsfragen - darunter auch vielen bioökonomischen Aspekten – beschäftigen. Nun hat es erstmals seine Pforten geöffnet.

Zu "einem Tag Zukunft" öffnete das Futurium Mitte September seine Pforten für die Öffentlichkeit.
Zu "einem Tag Zukunft" öffnete das Futurium Mitte September seine Pforten für die Öffentlichkeit.
Quelle: 
Britta Pollmann, bioökonomie.de

Wie wollen wir Menschen künftig leben? Wie soll in Zukunft die Ernährung der rasant wachsenden Weltbevölkerung gesichert werden? Welche Möglichkeiten und Gefahren hält die Biotechnologie für uns bereit? Wird insektenbasierte Kost bald auch in Mitteleuropa zum Speiseplan gehören – und wie schmeckt sie? Fragen wie diese, die den Umgang mit natürlichen Ressourcen und den damit verbundenen Wandel der Industrie zur einer Bioökonomie betreffen, interessieren die Öffentlichkeit. Das Futurium am Spreeufer des Regierungsbezirks in Berlin will sich als Wissensort und Wissensforum in Zukunft diesen und vielen weiteren Fragen unseres Lebens widmen. Mitte September hat Direktor Stefan Brandt in einem feierlichen Akt den Schlüssel für das jüngst fertig gestellte Gebäude erhalten. Bereits wenige Tage später, am 16. September, konnte das Futurium-Team zu „einem Tag Zukunft“ rund 15.000 Neugierige in seinem Haus begrüßen.

Bundesforschungsministerin Wanka: „Man soll hier fruchtbar streiten können.“

Mit seiner futuristischen Architektur durchbricht das neue Gebäude des Futuriums das einheitliche Erscheinungsbild der ebenen Glasfronten am Ufer der Spree im Regierungsviertel in Berlin. Und so soll es sein. Zwischen Hauptbahnhof und Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gelegen, will das Futurium Fragen aufwerfen. „Es soll ein wissensreicher Ort sein, aber auch ein Ort des Fragenstellens“, betonte Direktor Stefan Brandt bei der feierlichen Schlüsselübergabe am 13. September. Es wird darum gehen, wie der Mensch zukünftig leben möchte, welche Ressourcen die Natur dazu bietet und wie der technische Fortschritt helfen kann. Dabei sollen neue Wege beschritten werden: inhaltlich wie konzeptionell. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, meint dazu: „Das Futurium ist ein Ort der Partizipation, der Teilhabe. Man soll hier auch fruchtbar streiten können.“ Und dass es das Futurium-Team ernst damit meint, zeigte es am 16. September. Es hatte Interessierte jeden Alters zu „einem Tag Zukunft“ in das jüngst fertig gestellte Gebäude eingeladen.

Schlüsselübergabe Futurium: v.l.n.r. Cornelia Quennet-Thielen (Staatssekretärin BMBF), Johanna Wanka (Bundesministerin für Bildung und Forschung), Stefan Brandt und Nicole Schneider (Futurium), Jürgen Gehb (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)
Quelle: 
Ali Ghandtschi

Schlüsselübergabe Futurium: v.l.n.r. Cornelia Quennet-Thielen (Staatssekretärin BMBF), Johanna Wanka (Bundesforschungsministerin), Stefan Brandt und Nicole Schneider (Futurium), Jürgen Gehb (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)

„Ein Tag Zukunft“ lockt 15.000 Neugierige

Rund 15.000 Besucher fanden den Weg ins Futurium, das mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops, Vorführungen und Musik ein breites Angebot vorzuweisen hatte. Bis jetzt ist das Futurium noch ein nachhaltiger Bau mit außergewöhnlicher Architektur und hohen, leeren Hallen - das „Zukunftsgefäß“, wie es Architekt Richter beschreibt. Bis zur geplanten Eröffnung im Frühjahr 2019 wird es sukzessive mit Leben gefüllt werden. Dann soll das Futurium zugleich Museum und Ausstellung, Bühne, Forum und Labor sein. „Es soll unser Leben in der Zukunft thematisieren. Dabei gehe es nicht so sehr um die Frage, wie wir leben werden, sondern vor allem wie wir leben wollen“, unterstreicht Futuriums-Direktor Brandt.

Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und bis heute weltweit geschätzter Nachhaltigkeitsexperte ist überzeugt: „Technische Entwicklung, Gesellschaft, Umwelt und auch Kultur müssen zusammengedacht werden, wenn es um Nachhaltigkeit geht.“ Das Futurium werde daran arbeiten und das freue ihn, erklärte er in seinem Leitvortrag während des ersten Publikumstages. In der anschließenden Podiumsdiskussion befragte zunächst ZDF-Moderatorin Dunja Hayali Töpfer und Brandt, wie das Futurium helfen könne, Zukunft zu gestalten, dann durften auch Zuhörer Fragen stellen.

Ob in und nach sogenannten Pecha-Kucha-Kurzvorträgen oder im „Speakdating“ – auch das Futurium-Team trat mit dem Publikum in Kontakt, fragte Besucher und beantwortete umgekehrt auch an sie gerichtete Fragen. Die Jüngsten im Haus konnten mit Angeboten der BMBF-geförderten Stiftung „Haus der Kleinen Forscher“ ihren Tatendrang befriedigen. Ältere Technikaffine lockten beispielsweise Experimentierstationen, Roboter-Fußball oder ein Konzert der Roboter-Hardrock-Band.

Auch aus dem Auditorium wurden Fragen an Klaus Töpfer und Stefan Brandt gerichtet.
Quelle: 
Britta Pollmann, bioökonomie.de

Während der Podiumsdiskussion wurden auch aus dem Auditorium Fragen an Klaus Töpfer und Stefan Brandt gerichtet.

Vorbereitungen laufen

Die Schlüsselübergabe und der „eine Tag Zukunft“ waren aber zunächst nur ein kurzer Einblick, der der Öffentlichkeit gewährt wurde. Die Türen des Futuriums sind vorerst für die Allgemeinheit wieder geschlossen. Doch für Brandt und sein Team geht es weiter. Sie arbeiten derzeit intensiv an den Vorbereitungen der zukünftigen Ausstellung und des Programms. „Ein Tag Zukunft“ war der Auftakt zu einem mehrstufigen Fahrplan für die Eröffnung des Hauses. Als nächstes soll das „Fabrikations-Labor“, kurz Fab-Lab, im Souterrain des Gebäudes im Frühling 2018 geöffnet werden. Der acht Meter hohe Raum vermittelt mit seinen dunkelgrauen Wänden aus Sichtbeton, einem Boden aus Gusszement und hellen futuristisch anmutenden Lampen den Eindruck, man befinde sich „backstage“. Laut Brandt soll hier gezeigt werden, was hinter der Bühne passiert: Es geht beispielsweise darum, der Öffentlichkeit ein Tüfteln und Experimentieren mit 3D-Druck zu ermöglichen. Auch dem Biodesign und den Lebensmitteln der Zukunft will das Futurium mit Veranstaltungen und Sonderausstellungen hier eine Plattform bieten.

Denkräume sollen Denkanstöße geben

In den oberen Stockwerken sollen Besucher in drei inhaltlich unterschiedlichen „Denkräumen“ auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern zum Denken angeregt werden: Mensch und Technik, Mensch und Natur und - der Mensch an sich. „Es wird um Themencluster und zukunftsrelevante Fragen gehen“, erklärt Brandt. So würden beispielsweise Robotik, künstliche Intelligenz und das Verhältnis Mensch-Maschine im Denkraum zur Technik thematisiert. Auch die gesellschaftsrelevante Gentechnik dürfe dort nicht fehlen.

Im Denkraum „Mensch“, ausgerichtet mit einer großen Glasfront, einem Schaufenster in die lebhafte Metropole Berlin, soll unter anderem dem Bedürfnis nach Entschleunigung und der Sehnsucht nach mehr Zeit in einer schnelllebigen Welt Raum gegeben.

Im Denkraum „Mensch und Natur“ stünde die Frage im Zentrum: Was bietet die Natur an möglichen Lösungen bei einer wachsenden Weltbevölkerung? Hier würde zum Beispiel das sogenannte „Vertical Farming“ dargestellt, erläutert Brandt. Es ist also klar: Bioökonomische Themen werden im Futurium vielerorts in der Ausstellung, im Labor, auf der Bühne und im Forum anzutreffen sein und – „Im späteren Café des Hauses soll es auch Verschiedenes aus der Experimentier-Küche geben, zum Ausprobieren, wie beispielsweise insektenbasierte Speisen“, so Futuriums-Direktor Brandt.

Das Futurium steht unmittelbar neben dem BMBF und hebt sich durch seine Architektur von den flachen Glasfronten der umliegenden Gebäude ab.
Quelle: 
Britta Pollmann, bioökonomie.de

Das Futurium steht unmittelbar neben dem BMBF und hebt sich durch seine Architektur von den flachen Glasfronten der umliegenden Gebäude ab.

Das „Zukunftsgefäß“ – ein nachhaltiger Bau

Unmittelbar neben dem BMBF wurde das Futurium in einer straffen Bauzeit von nur 27 Monaten von den Architekten Richter Musikowski fertig gestellt. Das Gebäude erfüllt die Standards eines Niedrigst-Energiehauses. Die Photovoltaik- und Solarthermieanlagen auf dem Dach dienen der hausinternen Energie- und Wärmeversorgung. Damit ist auch das Gebäude selbst ein zukunftsweisendes Beispiel nachhaltigen Bauens.

bp

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