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20.11.2019

Faserplatten aus Laubholz

Nicht nur Nadelhölzer, auch geringwertigere Laubhölzer eignen sich zur Herstellung von Faserplatten. Das haben Fraunhofer-Forscher bewiesen.

Laubholzarten können den Versorgungsengpass durch Nadelholz ausgleichen
Laubholzarten können den Versorgungsengpass beim Nadelholz ausgleichen.
Quelle: 
Fraunhofer WKI I Manuela Lingnau

Holz ist ein vielfältiger Rohstoff. Er wird als Baustoff und Brennstoff genutzt, zum Möbelbau, aber auch zur Herstellung von Biosprit und nachhaltigen Chemikalien. Doch der Klimawandel setzt den Wald als Rohstoffquelle zunehmend unter Druck. Vor allem Nadelhölzer wie Fichten haben in den vergangenen Jahren unter Trockenheit und Hitze gelitten, was den Baumbestand in einigen Regionen Deutschlands heftig dezimiert hat. Für die holzverarbeitende Industrie sind solche Versorgungsengpässe ein Problem.  

Forscher am Fraunhofer-Institut für Holzforschung, dem Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI), haben eine Lösung parat. Sie fanden heraus, wie man auch geringwertige Laubholzarten für die Herstellung von Holzwerkstoffen nutzen kann. „Geringwertige Laubhölzer sind in Zukunft sicher verfügbar. Die Nutzung als Basis für Holzwerkstoffe ist außerdem nachhaltiger als die als Heizmittel“, beschreibt Projektleiter Dirk Berthold.

Stoffliche Nutzung von Laubholz für Faserplatten möglich

Um den Wald widerstandsfähig zu machen, werden seit einiger Zeit mehr Laub- als Nadelbäume angebaut. Laubhölzer wie Buche galten bisher als geringwertig und wurden daher hauptsächlich thermisch verwertet. Fraunhofer-Forscher präsentieren nun erstmals eine stoffliche Nutzung für Faserplatten. Sie zeigen, dass nicht nur aus Nadelbäumen, sondern auch aus Laubhölzern mitteldichte und hochdichte Holzfaserplatten (MDF und HDF) hergestellt werden können.

Hohe Faserqualität auch bei Laubholz

Zahlreiche Versuche zur Zerfaserung wurden durchgeführt, um die Fasern mithilfe verschiedener Methoden zu fraktionieren und ihre Qualität zu beurteilen. Danach wurden jeweils Fasern aus Buche, Esche und Birke mit Fichtenfasern vermischt und zu MDF- und HDF-Platten weiterverarbeitet. Dabei stellten die WKI-Forscher fest, dass eine Substitution des Nadelholzes durch Laubholz von bis zu 50 Prozent möglich ist. „Wir konnten zeigen, dass bereits marktübliche Mahlscheiben-Garnituren gute Ergebnisse hinsichtlich der Faserausbeute und Größenverteilung erzielen. Die Faserqualitäten entsprechen denen reiner Nadelholzfasern und sind zur Herstellung von MDF- und HDF-Platten geeignet", fasst Berthold zusammen.

Einsatz in der Holzindustrie ohne großen Aufwand möglich

Tests ergaben, dass die neuen Faserplatten sowohl die Qualitätsanforderungen an die mechanischen als auch hygrischen Eigenschaften - die Reaktion auf Feuchtigkeit – erfüllen.  Die Forscher sind daher überzeugt, dass der Einsatz geringwertigen Laubholzes in der holzverarbeitenden Industrie für die Herstellung von MDF- und HDF-Platten „ohne größere Entwicklungsschritte“ möglich ist. „Anpassungen in der Produktion sind nur in der Vorsortierung auf dem Holzplatz und in der Anpassung der eingesetzten Additive notwendig“, sagt Berthold.

Versorgungsengpässe bei Nadelhölzern ausgleichen

Das Verfahren zur Herstellung von Faserplatten aus Laubholz wurde im Rahmen des Projektes GerLau gemeinsam mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt realisiert und durch das Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert. Der holzverarbeitenden Industrie werden damit neue Möglichkeiten eröffnet, auf künftige Versorgungsengpässe bei Nadelholz zu reagieren.

bb

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