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16.06.2017

Aquakultur: Vegetarische Kost für Forellen

Fischfressende Speisefische in Aquakulturen bekommt vegetarische Kost ebenso wie tierische. Der Grund: Das Mikrobiom im Verdauungstrakt passt sich an, wie Forscher herausfanden.

Junge Regenbogenforellen lassen sich gut in der Aquakultur erzeugen.
Junge Regenbogenforellen lassen sich gut in der Aquakultur erzeugen
Quelle: 
Stéphanie Céline Michl, GMA mbH Büsum

Ob Lachs, Forelle oder Muscheln: Fisch und Meerestiere zählen auch in Deutschland zu den wichtigsten Nahrungsmitteln und werden immer beliebter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2015 bei rund 14 Kilogramm. Experten der Welternährungsorganisation (FAO) rechnen bis 2025 mit einem weltweiten Anstieg des individuellen Fischkonsums auf durchschnittlich 21,8 Kilogramm. Bereits heute kann die wachsende Nachfrage nur durch Aufzucht bedient werden. Jeder zweite Speisefisch kommt schon jetzt aus der Aquakultur.

Das Problem: Aquakultur-Fische wie Lachs oder Forelle ernähren sich vorwiegend von tierischem Eiweiß, das meist in Form von Fischmehl aus sogenannten Beutefischen wie Sardellen hergestellt wird, was zur Überfischung der Meere beiträgt. Forscher Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) mbH und der Dalhousie Universität in Halifax, Kanada haben nun untersucht, wie sich eine vegetarische Kost auf das Mikrobiom der ansonsten fischfressenden Speisefische auswirkt.

Mikrobiom passt sich an

Im Fokus des sechsmonatigen Fütterungsversuches standen junge Regenbogenforellen, die sich wie Lachs oder Karpfen zur Aufzucht besonders gut eignen. Wie die Forscher im Fachjournal „PLOS One“ berichten, konnten sie dabei nicht nur die Zusammensetzung des Mikrobioms bei tierischer und pflanzlicher Eiweißkost näher entschlüsseln. Zugleich wiesen sie nach, dass sich die Bakterienzusammensetzung im Verdauungstrakt der Forellen an das jeweilige Futtermittel – vegetarisch oder konventionell - anpassen kann. „Bei der Fütterung mit modernem pflanzlichem Futter ähnelte die Zusammensetzung der Bakterien im Verdauungsprozess besonders den Fischarten, die sich auch sonst vegetarisch ernähren. Die Ergebnisse waren umso erstaunlicher, als dass sich das Mikrobiom der Forelle wieder änderte als wir nach drei Monaten das Futter auf Fisch umstellten“, so erklärt Stéphanie Céline Michl, Biologin an der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) mbH in Büsum.

Mehr verdauungsfördernde Bakterien bei vegetarischem Futter

In ihrem sechsmonatigen Fütterungsversuch stellten die Forscher fest, dass sich im Verdauungstrakt vor allem solche Bakterien etablieren, die bei anderen Fischarten mit einer besonderen Nahrungsstrategie verbunden werden. So stieg der Anteil bestimmter Milchsäurebakterien stark an, wenn junge Forellen mit einem vegetarischen Futter gefüttert wurden. Einige Milchsäurebakterien sorgen bei Fischarten, die pflanzliches Futter bevorzugen, für eine Fermentation langkettiger Kohlenhydrate oder Pflanzenfasern, die der Fisch ansonsten nicht besonders gut verdauen kann.

Fischbestände schonen

„Wenn wir es schaffen würden, die Aufzucht von fischfressenden Fischarten in der Aquakultur mit rein pflanzlichem Futter sicherzustellen, könnte die Aquakultur zur weiteren Entlastung wildlebender Fischbestände beitragen und einen besonders nachhaltigen Beitrag zur Schonung der Ressourcen im Ozean leisten,“ sagt die Büsumer Aquakulturforscherin Stéphanie Michl. Die Studie zeigt nicht nur den Einfluss pflanzlicher und tierischer Eiweiße im Fischfutter auf das Mikrobiom, sondern auch, dass sich die verschiedenen Komponenten modellieren lassen. Auf welche Art und Weise sich diese Stoffwechselprodukte verändern lassen, sollen nachfolgende Studien klären.

bb

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