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19.12.2016

Plastikmüll im Meer aufspüren

Rosanna
Schöneich-Argent

Beruf:

Meeresbiologin

Position:

Doktorandin am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg in Wilhelmshaven

 

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Quelle: 
ICBM
Rosanna Schöneich-Argent untersucht im Projekt „Makroplastik“, wie sich der Plastikmüll in der südlichen Nordsee verbreitet. Das Ziel: Strategien entwickeln, um die Vermüllung der Meere durch Plastikmüll langfristig zu vermeiden.

Wie kommt der Plastikmüll in die Nordsee? Und wie kann die Vermüllung langfristig gestoppt werden? Antworten darauf sucht Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent im Rahmen des Projektes "Makroplastik". Gemeinsam mit ihrem Team brachte die Doktorandin der Universität Oldenburg dafür Holztäfelchen entlang der nordeutschen Küste auf den Weg, um so die Reise des marinen Mülls verfolgen und später Vermeidungsstrategien entwickeln zu können.

Frage 

Welchen Beitrag kann Ihre Forschung bei der Gestaltung einer biobasierten Wirtschaft leisten?

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Antwort 

Eines unserer Hauptanliegen ist es, in einen konstruktiven Dialog mit allen relevanten Interessensgruppen, die das Thema Plastik(müll) betrifft, zu treten. Dabei wollen wir  auch ein Umdenken bewirken: Der endliche Rohstoff Plastik sollte wieder als Wertstoff wertgeschätzt und nicht mehr, wie so oft, als Synonym für „billig“ angesehen werden; auch der inflationäre Gebrauch von Einwegprodukten, vor allem Verpackungen, bedarf eines Überdenkens. Dabei sollte der Einsatz von alternativen, biobasierten Produkten gefördert werden.

Frage 

Welche Aufgaben stehen im Fokus des Projektes „Makroplastik“?

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Antwort 

Das 14-köpfige, interdisziplinäre Forscherteam der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, bis 2020 den Eintrag und die Verbreitung von Kunststoffabfall mit Partikelgrößen über 5 Millilmeter in die Nordsee genauer zu erforschen. Mithilfe von Strömungsmodellen, Feldarbeit und Monitoring-Aktionen sowie modernen Ansätzen von "Citizen Science" sollen Hauptquellen der Plastikverschmutzung an der niedersächsischen Küste einschließlich der Zuflüsse Ems, Weser und Elbe sowie der Deutschen Bucht, identifiziert werden. Dabei spielt auch die Analyse sozialer Verhaltensmuster von relevanten Interessensgruppen (Stakeholdern) eine wichtige Rolle.

Frage 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Projektrealisierung?

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Antwort 

Die Umweltverschmutzung mit (Plastik-)Müll ist ein komplexes Problem, das seine Ursachen in unserer Gesellschaft und ihrem Lebensstandard, der Industrie und dem Rechtswesen sowie in den Medien hat. Diese Komplexität muss adäquat adressiert werden und es darf nicht der Eindruck eines Fingerzeigs auf einen einzelnen Sektor entstehen. Stichhaltige, wissenschaftliche Daten müssen die Basis für eine faire Diskussion und zukunftsweisende Lösungen bilden.

Frage 

Welches Ziel verfolgt das Projekt?

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Antwort 

Die Forschungsergebnisse dieses Projekts sollen lokale Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen mit soliden Fakten zur Umweltverschmutzung mit Makroplastik versorgen, die die Hauptquellen, Eintragspfade und Verbreitungsgebiete von marinem Müll aufzeigen. Gemeinsam mit relevanten Stakeholdern sollen Vorschläge für Lösungsansätze erarbeitet werden, die langfristig den Eintrag von Müll ins Meer reduzieren und letztendlich stoppen.

Frage 

Was begeistert Sie ganz persönlich an dem Thema?

Meeresbiologin Rosanna Schöneich-Argent
Antwort 

Ich wurde vor vier Jahren auf das Problem der Meeresverschmutzung mit Plastikmüll durch die Recherche für meine Bachelorarbeit aufmerksam. Damals war ich entsetzt, dass diesem so omnipräsenten Umweltproblem nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Das hat sich seitdem geändert, und immer mehr Aktionen und Medienkanäle greifen die Thematik auf. Dennoch bleibt Müllverschmutzung nicht nur ein Thema, dass Entwicklungsländer betrifft: Auch hier in Deutschland, das sich z.T. als „Weltmeister der Mülltrennung“ sieht, braucht man nur auf Autobahnausfahrten, Bahngleise, Parks oder Einkaufsstraßen schauen, um zu erkennen, dass es selbst hier noch viel Luft nach oben gibt. Die Tatsache, dass bei uns die Sachlage eigentlich weitestgehend bekannt ist – die Vermüllung unserer Umwelt schadet uns Menschen und der Natur - nehme ich zum Anlass, die Hoffnung nicht aufzugeben. Ich bin davon überzeugt, dass - auch durch unser Projekt - ein Umdenken und „Umhandeln“ stattfinden kann.

Interview: Beatrix Boldt

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