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11.01.2018

Insekten-Food darf Europa erobern

Nahrungsmittel aus Insekten können in Europa künftig für den Markt zugelassen werden. Das ist eine Neuerung der Novel-Food-Verordnung, die seit Januar gilt.

Seit Januar 2018 können auch in Deutschland insektenhaltige Produkte als Nahrungsmittel zugelassen werden. Doch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist bisher gering.
Quelle: 
Pixabay

Die Weltbevölkerung wächst, während die Ressourcen schrumpfen. Die bisher vorrangige Ernährungsweise der Industrienationen, bei der die Menschen bis zu 70%  ihres Proteinbedarfs aus tierischen Quellen decken, wird deshalb in naher Zukunft nicht mehr tragbar sein. Proteine sind zwar ein notwendiger Bestandteil unserer Ernährung, können jedoch aus den unterschiedlichsten Quellen gewonnen werden. Neben herkömmlichen Fleisch- und Fischprodukten sowie proteinreichem Gemüse wie der Sojabohne gibt es noch eine weitere exzellente Proteinquelle: Insekten.

Neue Lebensmittelverordnung

Mit Beginn des Jahres 2018 ist die neue Novel-Food-Regulierung der EU in Kraft getreten. Demzufolge können nun in ganz Europa Insekten und aus ihnen hergestellte Produkte als neuartige Lebensmittel in den Handel gebracht werden. Energie- und Nährstoffgehalt sind dabei durchaus vergleichbar zwischen Fisch und Insekten. Die Zulassung und gesundheitliche Bewertung der neuen Lebensmittel übernimmt die European Food Safety Authority (EFSA).

Extra – So schmeckt die Zukunft - auf der ANUGA 2017

Auf der Ernährungsmesse ANUGA 2017 stellte eine Schweizer Firma einen Insekten-Partysnack vor.

Effizient und klimaschonend

Im Gegensatz zu Schwein, Rinder oder Fisch sind Insekten relativ anspruchslos in Haltung und Aufzucht: Sie benötigen wesentlich weniger Ressourcen und produzieren deutlich weniger Treibhausgase. Außerdem sind sie äußerst effizient. Insekten produzieren aus zwei Kilogramm Futter ein Kilogramm Insektenmasse, während Rinder etwa 25 Kilogramm Futter für ein Kilogramm Rindfleisch benötigen. Zudem können, ganz im Sinne einer ökologischen Kreislaufwirtschaft, Bio-Abfälle zur Ernährung vieler Insekten eingesetzt werden, wodurch eine aufwendige Futterproduktion entfällt.

Insektenessen empfohlen

Während Insekten für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung bereits fester Bestandteil der Nahrung sind, lösen sie bei vielen Menschen in Europa noch immer Ekel aus. Dabei gibt es etwa 1.900 essbare Insektenarten, die von zirka 3.000 ethnischen Gruppen in 113 verschiedenen Ländern als Proteinquelle genutzt werden. Und auch die Food and Agriculture Organisation (FAO) empfiehlt in ihrem Bericht „Edible Insect“ das Insektenessen ausdrücklich.

Insekten als Futtermittel

Und Insekten bieten nicht nur eine alternative und gute Proteinquelle für uns Menschen, sondern finden auch in der Nutztierzucht Verwendung. Bereits seit Juli 2017 erlaubt die EU-Kommission die Verwendung von Insektenproteinen für die Aquakultur. Insektenmehl als Eiweißquelle ist dem Fischmehl sehr ähnlich und könnte somit helfen den Druck auf die natürlichen Fischbestände zu reduzieren.

Akzeptanz in Bevölkerung fraglich

In der Schweiz sind Grillen, Wanderheuschrecken und Mehlwürmer bereits seit Mai 2017 als Lebensmittel zugelassen. Hier werden inzwischen Insekten-Burger oder Hackbällchen aus Insektenfleisch in den Regalen großer Supermarktketten angeboten. Und auch in Deutschland stehen einige Start-ups mit Insektenburgern oder Swarm-Protein-Riegeln in den Startlöchern. Obwohl die Anbieter in der Schweiz durchaus mit den Verkaufszahlen der Insektenprodukte zufrieden sind, spielt die Frage nach der Akzeptanz bei den Käufern dort und in Deutschland noch immer eine große Rolle. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb bereits 2016 eine repräsentative Umfrage zu diesem Thema durchgeführt.

Das Ergebnis: Der Umfrage nach würde die Mehrheit der Deutschen Insekten zwar als Tierfutter befürworten, als Lebensmittel seien sie jedoch zurückhaltender. Nur jeder zehnte Deutsche, der noch nie Insekten gegessen hat, kann sich vorstellen die Tiere künftig in sein Menü aufzunehmen. Und auch wenn viele zwar schon von essbaren Insekten gehört haben, so haben doch nur zehn Prozent sie schon einmal probiert. Etwa 30% würden sie immerhin probieren, rund 60% lehnen Insekten als Nahrung jedoch aus Ekel ab.

jmr/hm

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